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Social Media ist in aller Munde. So teilen heute knapp 22,6 Millionen User aus Deutschland (fast) alles mit ihren Freunden auf Facebook. Vielleicht auch bald ihren Job. Von Iris Kürfgen…

Und wie steht es um die Social-Media-Aktivitäten der deutschen Unternehmen? Unterm Strich sind sie noch zurückhaltender. Aber immer mehr Firmen entdecken die Möglichkeiten des Web 2.0 für sich. Während im vergangenen Jahr lediglich 155 Unternehmens-Fanpages bei Facebook registriert waren, sind es heute bereits knapp 220 .

Die Kommunikationsberatung Kienbaum Communications hat mit ihrer Social-Media-Studie untersucht, ob Facebook & Co. zur Kommunikation von potenziellen Auszubildenden geeignet sind. Dazu hat das Beratungshaus rund 1.200 Schüler befragt. – und das Ergebnis ist ein klares „Ja“.

Gute Azubis rar auf dem Arbeitsmarkt

Qualifizierte Mitarbeiter werden von den Unternehmen immer heftiger umworben. Schon heute haben viele Firmen Probleme, right potentials – also die passenden Mitarbeiter – ihrem Bedarf entsprechend zu rekrutieren. Und der War for Talent wird sich noch weiter zuspitzen, denn die demografische Entwicklung ist längst kein abstraktes Szenario mehr, sondern ein sozio-ökonomischer Determinismus.

Besonders negativ wirkt sich diese Entwicklung auf die Anzahl gut qualifizierter und motivierten Schüler und potenzieller Azubis aus. Stetig sinkende Schulabgängerzahlen und zum Teil völlig unzureichende schulische Leistungen – wie die PISA- und Shell-Studien belegen.

„Personalverantwortlich“

Vielen Personalverantwortlichen treibt das spätestens beim Vorstellungsgespräch die Sorgenfalten auf die Stirn. 250.834 noch zu besetzenden Lehrstellen standen im März dieses Jahres laut Bundesagentur für Arbeit 239.269 „unversorgte“ Bewerber gegenüber.

Was zahlenmäßig nahezu perfekt zu passen scheint, sieht in der Realität aber häufig ganz anders aus. Oft passen Berufswünsche und ausgeschriebene Stellen nicht zueinander, immer wieder fehlt es an den notwendigen Qualifikationen, aber oft wissen Unternehmen auch schlicht nicht, über welche Medien sie ihre Bewerberzielgruppen erreichen können.

Wunscharbeitgeber suchen und finden

Eine Ausbildung, die zu den eigenen Interessen passt, ein Jobangebot nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung, Aufstiegsperspektiven und ein angemessenes Ausbildungsgehalt – Schüler wissen genau, was ein Unternehmen zum Wunscharbeitgeber macht.

Und wie suchen und finden sie diesen? Zeitung versus Internet, Empfehlung der Eltern versus Erfahrungsbericht von Freunden, die schon eine Ausbildung machen – die Möglichkeiten sind vielfältig. Kienbaum Communications hat rund 1.200 Schüler unterschiedlicher Schultypen zwischen 14 und 20 Jahren zu ihrem Mediennutzungsverhalten bei der Ausbildungsplatzsuche befragt.

Social Media: akzeptiert, gewollt, genutzt

Viele Personalentscheider fragen sich, was Facebook, Twitter & Co. aus Sicht der Bewerberzielgruppe mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu tun haben soll. Dabei sind soziale Netzwerke schon heute aus dem Alltag deutscher Schüler nicht mehr wegzudenken. Und auch die Suche nach dem Wunscharbeitgeber findet immer häufiger im Social Web statt.

Neben Informationsquellen wie Suchmaschinen und Jobbörsen zapfen angehende Azubis immer häufiger die sozialen Netzwerke an, um sich ein möglichst authentisches Bild vom zukünftigen Arbeitgeber zu machen. Sie nutzen etwa Erfahrungsberichte von Azubis und Online-Plattformen, auf denen Mitarbeiter ihren Arbeitgeber bewerten, um einen umfassenden Blick hinter die Kulissen zu werfen. Eine weitere Anlaufstation bei der Recherche nach dem Wunscharbeitgeber sind häufig die Karriere-Websites der Unternehmen.

Ältere Generation eher skeptisch

Studenten, Absolventen und Young Professionals nutzen hingegen großenteils andere Quellen und Wege, um sich über Karriereperspektiven bei verschiedenen Unternehmen zu informieren: Im vergangenen Jahr hat Kienbaum Communications deren Mediennutzungsverhalten bei der Suche nach einem passenden Arbeitgeber untersucht.

Die Studie hat ergeben, dass die ältere Generation der beruflichen Nutzung von Facebook & Co. skeptisch gegenüber steht. Ginge es nach ihnen, hätten Unternehmen in privaten sozialen Netzwerken nichts zu suchen. Vielmehr steht für diese Generation noch der Austausch mit Freunden im Vordergrund.

Dass sich viele Unternehmen bei ihren Rekrutierungsprozessen nicht immer an den Wünschen der Schüler orientieren, hat die Kienbaum-Studie ebenfalls gezeigt: So würde sich die Mehrheit der befragten Jugendlichen gerne postalisch auf eine Ausbildungsstelle bewerben – eine Bewerbungsart, die Unternehmen zumeist in ihren Stellenanzeigen ausdrücklich ablehnen. Digitale Bewerbungen per Mail sind heute fast überall Standard.

Schüler erwarten Authentizität

Und was bedeuten die Ergebnisse der Kienbaum-Studien nun für die Rekrutierungs- und Kommunikationspraxis der Personalverantwortlichen? Soziale Netzwerke bieten für Unternehmen ein großes Potenzial, sich bei der Zielgruppe der Schüler als Wunscharbeitgeber zu positionieren.

Allerdings müssen die Firmen zwei Bedingungen erfüllen: Sie sollten erstens den Mut haben, sich als authentischer Arbeitgeber zu präsentieren – also mit Stärken und Schwächen. Ein auf Hochglanz poliertes Image ist im sozialen Netz fehl am Platz und wird ganz schnell entlarvt.

Zweitens gilt es zu beachten, dass Facebook und andere Social Networks Kommunikationsplattformen und keine Rekrutierungsinstrumente sind. Zwar möchten sich Azubis ein Bild über ihren potenziellen Arbeitgeber machen, aggressives Personalmarketing ist aber in diesem Umfeld nicht erwünscht und wäre daher kontraproduktiv.

Über die Autorin: Iris Kürfgen arbeitet zum Thema „Employer Branding“ bei der Unternehmensberatung Kienbaum, die sich auf Personal- und Organisatonsentwicklung spezialisiert hat…

Artikelbild: turgaygundogdu/ Shutterstock

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