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Führt der moderne Weg zum Traumjob tatsächlich über Social Media? Oder ist das bloß alles ein Hype. Die richtige Antwort auf diese Frage liegt – wie so oft – zwischen den Extremen…

Social Media – Aktivitäten werden bei Arbeitgebern wie potenziellen Arbeitnehmern zunehmend in die Prozesse des Suchens und Findens von Mitarbeitern beziehungsweise Jobs integriert, allerdings ohne klassische Wege zu verdrängen. Zugleich gelten Regeln, die Bewerber einhalten sollten.

Ein paar Zahlen zu Jobsuche und Social Media

39 Prozent der deutschen Personalabteilungen haben 2009 Social Media Plattformen für ihre Personalarbeit genutzt. 65 Prozent der deutschen Unternehmen, die 2009 Social Media für die Personalarbeit nutzten, haben direkt oder indirekt über diesen Weg auch Bewerber eingestellt.

Das sind Ergebnisse des 2010 veröffentlichten Social Media Reports HR 2010. Autor des Reports ist der Personal-Marketing-Experte Thorsten zur Jacobsmühlen in Zusammenarbeit mit diversen Kooperationspartnern. Es gibt noch weitere interessante Zahlen…

Das Unternehmen Kelly Services hat sich 2011 im Rahmen seines Kelly Global Workforce Index mit dem Thema „Social Media/Networking – the evolving workforce“ international mit der Jobsuche auf Social Media Plattformen beschäftigt.

Jeder vierte Bewerber bekommt online ersten Besuch

Laut dieser Studie haben im Wirtschaftsraum Europa und Naher Osten (EMEA) bereits 25 Prozent der Befragten Jobs auf Social Media Plattformen gesucht. Im asiatisch-pazifischen Raum waren es 22 und in Amerika 23 Prozent. Alle untersuchten Länder gemeinsam betrachtet, war die Jobsuche auf Facebook (33 Prozent) am häufigsten, dicht gefolgt (32 Prozent) von der auf LinkedIn.

Eine Kienbaum-Studie aus dem Jahr 2010 kommt bei deutschen Absolventen und Young Professionals zu etwas anderen Ergebnissen. Der Studie zufolge, informierten sich nur acht Prozent der Befragten bisher auf einem privaten sozialen Netzwerk über „einen geeigneten Arbeitsplatz“.

Die Betonung liegt allerdings auf „privat“, weshalb Netzwerke wie XING aus dieser Betrachtung eher herausfallen. Die Befragten, so die Studie, haben unter anderem Angst, dass potenzielle Arbeitgeber Zugriff auf ihr privates Profil erhalten. Potenzial im Social Media Recruiting sieht die Studie dennoch.

Noch wird „privat“ und „beruflich“ getrennt

Die hier präsentierten Zahlen zeigen einerseits, dass Jobsuche und Bewerberauswahl über Social Media Plattformen noch nicht zum Standard geworden sind.

Andererseits sind sie auch keine Randerscheinungen mehr. Für potenzielle Bewerber ist die Präsenz auf Social Media Plattformen eine mehrerer Möglichkeiten, die ersten erfolgreichen Schritte zum Traumjob zu machen.

Aber wie geht man vor? Den Königsweg gibt es nicht, wohl aber diverse mögliche Aktionen und andererseits auch Stolpersteine, die es zu meiden gilt.

Der erste Schritt – Auswahl der passenden Social Media Plattform(en)

Wo werde ich aktiv? Das ist die erste Frage, die für eine Jobsuche auf Social Media Plattformen beantwortet werden muss. Alleine in Deutschland gibt es neben dem Marktführer Facebook ja auch noch Twitter, XING, LinkedIn und viele andere.

Facebook und XING sind sicherlich besonders heiße Kandidaten: Facebook als größtes soziales Netzwerk der Welt und in Deutschland, XING als im deutschsprachigen Raum größtes B2B-Netzwerk.

Die Auswahl ist allerdings auch einerseits von der Branche, in der ein Job gesucht wird, andererseits von der Region abhängig.

In Bezug auf die Region gilt: Wer einen Job in einem anderen Land als Deutschland sucht, fährt eventuell auch mit anderen sozialen Netzwerken besser.

LinkedIn ist beispielsweise im Vergleich mit XING in vielen Ländern das dominierende Netzwerk, wenn es um Business-Networking geht. In Bezug auf Branchen gilt: Branchenspezifische kleinere Netzwerke sind bisweilen die bessere Wahl als große wie Facebook.

Social Media und die Wege zum Job

Es gibt viele Wege über Social Media zum Job. Der einfachste, aber keineswegs uneffektivste führt einerseits über Jobbörsen auf Plattformen wie XING und LinkedIn, andererseits über Unternehmens- und spezielle Recruiting-Seiten auf Plattformen wie Facebook. Dies sind reagierende Wege zum Job.

„Möglichkeiten für Eigeninitiative bei der Jobsuche“

Das bedeutet: Unternehmen suchen aktiv Mitarbeiter und man bewirbt sich. Aber natürlich gibt es auch Möglichkeiten für Eigeninitiative bei der Jobsuche auf Social Media Plattformen.

Hier kontaktieren Bewerber Unternehmen, die aktuell kein Personal via Anzeige etc. suchen, oder präsentieren sich auf Social Media Plattformen, um von Unternehmen gesucht und gefunden zu werden. Ein paar Tipps für diese Wege:

Bilden Sie ein Jobsucher-Profil…

Die Trennung von Job- und Privatprofil auf Social Media Plattformen ist sehr sinnvoll; Job-Profile sollten ausschließlich mit Inhalten gefüllt werden, die für die Jobsuche relevant sind.

Zugleich sollten über diese Profile auch nur für die Jobsuche relevante Kontakte aufgebaut werden.

Menschen sind oft die besseren Ansprechpartner: Auf Social Media Plattformen sind nicht nur Unternehmen präsent, sondern auch Unternehmer. Bisweilen ist es sinnvoller, sie statt des eher anonymen Unternehmens zu kontaktieren.

Die Verbindung zwischen Mensch und Mensch kann wertvoller sein als die zwischen Mensch und Unternehmen.

… und bloggen Sie sich ein Profil

Auch Blogs gehören in die Social Media Welt. Ein eigener Blog kann für einen Bewerber eine Plattform sein, auf der er sein Interesse an und sein bereits gesammeltes Know-how aus der Branche präsentiert, für die er sich bewirbt.

Ein Grafiker zeigt hier eventuell aktuelle Arbeiten, ein angehender Jungmanager veröffentlicht Wirtschafts-Nachrichten und seine qualifizierten Kommentare zum Thema.

Content ist auch bei der Jobsuche ein König: Texte, Bilder, Videos, Audio-Dateien – das Internet bietet Raum für alle Arten von Content, die sich auch zielgerichtet für die Jobsuche einsetzen lassen. Zielgerichtet bedeutet: Die Inhalte müssen in irgendeiner Beziehung zur Branche stehen, in die man einsteigen möchte.

Zugleich müssen sie nicht perfekt sein, sollten aber eine gewisse Professionalität ausstrahlen. Ein verwackelter Videobericht zum Immobilienstandort „München“ ist für einen angehenden Immobilien-Kaufmann kein gutes Aushängeschild.

Kehren wir doch abschließend nochmals zur Ausgangsfrage zurück: Social Media und Jobsuche – ein Hype-Thema? Sicherlich nicht! Eine Garantie auf einen Traumjob: auch nein! Eine Chance: eindeutig ja!

Über den Autor: Christian Arno ist Gründer vom Übersetzungsunternehmen Lingo24. Er begann den Geschäftsbetrieb in seinem Elternhaus in Aberdeen. Heute, zehn Jahre später, operiert Lingo24 global, mit Niederlassungen auf vier Kontinenten und über 170 Mitarbeitern…

Artikelbild: racorn/ Shutterstock

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