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9.000 Studiengänge, 180 Fächer, eine einzige Entscheidung. Mit etwas Vorbereitung findet man trotzdem das passende Studienfach…

[dropcap]W[/dropcap]er nach dem Abi alles auf sich zukommen lässt, ohne große Vorüberlegung ein Studium beginnt, liegt bei der Fächerwahl schnell daneben: „Ich bekomm hier fast die Krise! Ich schau seit Wochen Studienführer durch, aber ich finde den passenden Studiengang nicht“, schreibt Nena in einem Internetforum. So wie der 18-jährigen geht es vielen. Und das ist kein Wunder: 9.000 Studiengänge werden in Deutschland angeboten. Sich bei dieser Masse für einen Studiengang zu entscheiden ist nicht einfach.

Was die Entscheidung zusätzlich erschwert: Mit der Wahl für ein Studienfach wird nicht nur bestimmt, mit was man sich in den folgende Studienjahren beschäftigt, sondern es wird auch der Grundstein für den darauf folgenden Beruf gelegt. Also keine Entscheidung, die man mal so nebenbei treffen sollte.

Studienwahl früh und stressfrei beginnen

Doch wie geht man am besten vor, um bei so einer weitreichende Entscheidung die richtige Wahl zu treffen? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem Thema zu befassen? Sicherlich nicht, wenn man das Abiturzeugnis bereits in den Händen hält. Die Suche nach dem passenden Studiengang sollte früh genug beginnen.

Auch wenn es in der Schule stressig ist und ein Studienbeginn noch weit entfernt scheint. „Ein idealer Zeitpunkt um sich mit dem Thema zu beschäftigen ist zu Beginn der 12 zwei“, sagt Angela Verse-Herrmann. Sie hat Bücher rund um Studien- und Berufswahl geschrieben und rät, so eine wichtige Entscheidung nicht zu schnell zu treffen. Denn Studieren will auch gelernt sein.

Wer das Abi bereits nach 12 Jahren macht sollte dementsprechend ein Jahr früher, also mit Beginn der 11 zwei loslegen. So vermeidet man nicht nur Stress, sondern kann sich zudem besser auf Aufnahmeprüfungen, wie sie besonders bei musischen oder künstlerischen Fächern üblich sind, vorbereiten. „Möchte jemand beispielsweise gerne Sport studieren und das am liebsten in Köln, dann muss er sich im Dezember für die sportliche Eignungsprüfung im Mai anmelden.

Sich unter Umständen auch intensiv darauf vorbereiten. Bei Medizin verhält es sich ähnlich. Strebt man ein Duales Studium an, empfiehlt es sich, die Bewerbungsunterlagen bereits ein Jahr im Voraus an die Unternehmen zu schicken“, lautet der Ratschlag von Ragnhild Struss, die Schüler und Studenten bei der Entscheidung für ein Studienfach berät.

Wie gehe ich bei der Auswahl vor?

Zunächst sollte man sich über die eigenen Interessen und Begabungen klar werden. „Ein guter Hinweis sind Schulleistungen“, sagt Malte Eilenstein. Der Berliner hilft Schülern, das passende Studienfach zu finden. Wenn ein Fach spaß macht, dann könnte es ein Hinweis sein. Aber auch Hobbys können Aufschluss über Interessen geben.

„Es nützt nichts, wenn man allein Interesse an einem bestimmten Bereich hat“, gibt Angela Verse-Herrmann zu bedenken, „auch die notwendige Begabung für einen Studien- und Berufsbereich muss vorhanden sein.“ Wer begabt ist, hat Chancen in Communities wie e-fellows.net aufgenommen zu werden, einem Online-Stipendium und Karrierenetzwerk. Zudem gibt es viele Magazine für Abiturienten, z.B. abiq.de, yaez.de oder 5vor12.tv. Ebenso Karriere-Messen werden angeboten, stuzubi.de ist eine von ihnen.

Analysten und Tests für Begabungen

Beispiel: jemand arbeitet gerne mit Tieren und kommt zu dem Schluss, dass er Tiermedizin studieren möchte. Andererseits tut er sich aber mit den Naturwissenschaftlichen Fächern schwer. „Dann ist der Studienabbruch vorprogrammiert“, so die Beraterin. Wer sich seiner Interessen und Begabungen bewusst ist kann darauf aufbauend zunächst Fächergruppen und dann einzelne Studienfächer finden, die dazu passen.

Entsprechende Tests machen das relativ leicht. So nähert man sich seinem Fach immer weiter an. „Man sollte sich einen Ordner anlegen, in dem alle relevanten Informationen für die Studienentscheidung gesammelt werden – auf den Überblick an der Uni kommt es an“, rät Diplomkauffrau Ragnhild Struss. Dann sind auch die rund 9.000 Studiengänge nicht mehr so dramatisch.

Viele von Ihnen kann man leicht zusammenfassen. Und wenn man beispielsweise nichts mit Mathe machen will, oder kann, dann kann man vieles ausschließen. „Wenn man ein paar Studiengänge in die engere Auswahl einbezogen hat, dann die Studienpläne ansehen“, rät die Autorin Verse-Herrmann. Und auch Berater Malte Eilenstein rät zu einer Fleißarbeit, die lautet: Prüfungsordnungen lesen. So bekommt man einen guten Eindruck, welche Inhalte das Studium umfasst und was an Leistungen gefordert wird.

Recherchen im Netz beugen späterem Ärger vor

All das findet man im Internet. Hier lohnt die Recherche aber erst, wenn man vorher das Fachgebiet ermittelt hat. Sonst wird man von unzähligen Seiten schier erschlagen. Vom allgemeinen nähert man sich so dem speziellen Studienfach an…

Ein weiterer Grund, warum die Entscheidung für Studienfach und Ort so gut geplant werden sollte: Die Entscheidung für ein Studienfach betrifft nicht nur die Zeit des Studiums, also in der Regel etwa vier Jahre. „Da stehen 40 Jahre Berufsleben hinter“, gibt Malte Eilenstein zu bedenken. Wer die Entscheidung nicht alleine Treffen will kann auch Berufsberater in die Entscheidung einbeziehen. Diese ermitteln mit Testverfahren Eigenschaften, Begabungen und Motivation.

Mit den Ergebnissen machen sie sich auf die Suche nach geeigneten Studiengängen. So ein Service hat natürlich seinen Preis, mehrere hundert Euro müssen dafür ausgegeben werden. Egal wie man letztendlich zu einer Entscheidung kommt.

Je besser man sich auf das Studium vorbereitet, um so besser man schon vor Studienbeginn weiß, was einen im Studium erwartet, um so höher ist auch die Chance, am Ende nicht zu den 30 Prozent zu gehören, die das Studium nach zwei oder drei Semestern abbrechen.

Wenn man sich für ein bestimmtes Berufsfeld interessiert macht es Sinn, sich Menschen anzuschauen die diesen Beruf ausüben. Wenn man ein wenig sucht findet man auch die Lebensläufe dieser Personen. So kann man herausfinden, wie ihr Weg zu diesem Beruf war. Dieses wissen kann dann in die eigenen Planungen einfließen. Was für einen Lebensentwurf habe ich? Was möchte später mal verdienen? All diese Ziele spielen eine Rolle bei der Entscheidung für ein Fach.

Hat man sein Fach gefunden, hat man damit natürlich noch keinen Studienplatz. „Die Konkurrenz um Studiengänge ist groß“, so Malte Eilenstein. Daher ist bei der Suche Kompromissbereitschaft gefragt. Viele zieht es in die großen Städte, allerdings, so der Berater, gibt es auch in ländlichen Gegenden interessante Studiengänge. So lohnt es sich in jedem Fall, sich vor Ort ein Bild zu machen.

Hinfahren, die Uni anschauen, vielleicht eine Vorlesung besuchen und mit dem Fachstudienberater vor Ort sprechen. Schließlich wird man mehrere Jahre seines Lebens dort verbringen und in der Regel auch für das Studium zahlen.

Solch eine Tour durch mögliche Studienorte macht zusammen mit Freunden nicht nur viel Spaß, sondern liefert für die Entscheidung wichtige Erkenntnisse. Wer so vorbereitet ist hat gute Chancen mit seiner Entscheidung richtig zu liegen.

Wie wäre es denn mit …?

  1. „Abfallwirtschaft und Altlasten“ an der Dresdner TU
  2. „Zither“ an der Hochschule für Musik und Theater in München
  3. „Afrikanischer Philologie“ in Mainz
  4. „Indologie, Tibetologie und Mongolistik“ in Leipzig
  5. „Kosmetologie“ in Osnabrück
  6. „Seeverkehr, Nautik und Logistik“ in Flensburg
  7. „Pferdewirtschaft“ in Nürtingen

Ragnhild Struss berät seit 2003 Schüler und Studenten bei beruflichen und persönlichen Entscheidungen. Sie rät, sich bei der Entscheidung folgende Fragen zu beantworten:

  • Was sind meine Stärken und wo könnte man die vielleicht besonders gut einsetzen?
  • Wie ist mein Lernstil? Kann ich mich selbst motivieren oder brauche ich einen festen Lernplan?
  • Woran könnte ich noch arbeiten, was möchte ich an mir verbessern?
  • Wie würden meine Freunde mich beschreiben? Welche Studientipps würden die mir geben?
  • Welche Fächer machen mir in der Schule besonders viel Spaß (wichtig: nicht lehrerabhängig beantworten)?
  • Was mache ich in meiner Freizeit besonders gerne?
  • Welche Hobbies hatte ich zu früherer Zeit, die ich – vielleicht zu meinem Bedauern – aufgegeben habe?
  • Wenn ich eine Zeitung aufschlage oder Fernsehen schaue: Welche Themen interessieren mich spontan besonders und welche Themen langweilen mich immer?
  • Kenne ich jemanden, der – wie ich finde – einen wirklich spannenden Job hat?
  • Was für ein Praktikum würde ich gern absolvieren?
  • Was war eigentlich mein erster Berufswunsch und warum?
  • Welche Studienfächer erscheinen mir interessant und warum?

Was soll ich werden? Seit 15 Jahren nutzen Schulabgänger die Berufsorientierungs-Tests des geva-instituts bei der Berufswahl. Über 750.000 Schülerinnen und Schüler haben den Berufstest bereits genutzt. Der Test wird online angeboten. Mit ihm erkunden Sie Ihre beruflichen Interessen und Motive und bekommen Feedback über Ihre persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen. Mehr zum Berufstest „Was soll ich werden“ …

Sichtweise! Christian Gregor Landwehr konnte sich für ein bestimmtes Studienfach entscheiden. Doch vorher machte er eine Banklehre. Und parallel noch eine Ausbildung als Journalist. So geht es auch…

Artikelbild: ©  Jan Thomas Otte

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Christian Gregor Landwehr studierte Rhetorik, Politik und Philosophie in Tübingen. Gregor hospitierte bei der Nachrichtenagentur DDP, beim NDR und im ZDF Hauptstadtstudio. 2005 gründete er das Golfsportmagazin.de, eine Plattform rund um Golfsport...

9 Kommentare

  1. […] nahezu perfekt zu passen scheint, sieht in der Realität aber häufig ganz anders aus. Oft passen Berufswünsche und ausgeschriebene Stellen nicht zueinander, immer wieder fehlt es an den notwendigen […]

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