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Mit unserer Kreativität analysieren wir Probleme, finden Lösungen und setzen diese um. Kreativität ist unser wertvollstes Kapital. Sie ist uns allen gegeben, nur sollten wir sie mehr nutzen. Wir sind das Kapital, findet Professor Günter Faltin…

Zum Thema Kreativität: ≫Unser wahres Analphabetentum ist das Unvermögen, schöpferisch tätig zu sein≪, sagt der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser. Unsere Vorstellungskraft, unsere Ideen, die Kombination von Gedanken sind unbegrenzt. Bislang gibt es keinen Beleg dafür, dass unserer Kreativität Grenzen gesetzt sind. Wir wissen nicht wirklich, was menschlicher Geist tatsächlich vermag.

In einzelnen, kurzen Abschnitten der Weltgeschichte konnte man es vielleicht erahnen. Im ≫Goldenen Zeitalter≪ Athens im fünften Jahrhundert vor Christus etwa, dem wir die Einführung der Demokratie, drei der größten Dichter und zwei der größten Philosophen aller Zeiten verdanken. Oder in der Epoche der Renaissance, als in Europa ein alle Lebensbereiche und alle Künste umfassender Aufbruch gelang.

Teilen: Wissen wir nicht verbraucht

Unsere Kreativität führt dazu, dass unser Wissen an Umfang zunimmt, wenn man es mit anderen teilt. Anders als konventionelle Waren wird Wissen nicht verbraucht. Daher die Rede vom unbegrenzten Rohstoff. Aber nicht nur der Umfang ist unbegrenzt, auch der Zugang ist es. Spätestens mit Wikipedia ist das Wissen, das früher einer Elite vorbehalten war, im Prinzip allen Menschen zugänglich.

„Ideas can be accumulated, one on top of the other, and so they eventually produce objects of great sophistication and complexity“

Wissen allein reicht jedoch nicht. Es ist die Verarbeitung des Wissens, die Kraft unserer Vorstellungen, die Anwendung auf Problemstellungen, die Neukombination des Wissens, die Rohstoff sind für konzept-kreatives Arbeiten. Mark Pagel, Fellow of the Royal Society and Professor of Evolutionary Biology, Autor der Oxford Encyclopedia of Evolution sagt: ≫Ideas can be accumulated, one on top of the other, and so they eventually produce objects of great sophistication and complexity.≪ Und Pagel fährt fort: ≫The power to transform the world by accumulating ideas, knowledge and skills is our capacity for culture.≪

Lernen: Gemeinsam statt einsam

Herausragende neue Entdeckungen oder Erfindungen seien selten. Es wäre vermessen, uns alle mit dieser Fähigkeit schmucken zu wollen. Unsere Chance liege woanders: ≫We have the capacity to observe others, understand their actions and then choose the best of their ideas, objects and behaviors.≪ Mit unserer Fähigkeit zu social learning machten wir vieles wett, was sonst anspruchsvoll nur wenigen zuganglich sei.

Es gibt Situationen, in denen nicht einfach Bekanntes weitergeschrieben oder im Kleinen verbessert wird, sondern eine andere Stufe, eine neue Qualität entsteht. Und das geht nicht nur Gesellschaften so, sondern auch einzelnen Individuen. Plötzlich passt alles zusammen. Ein einzelnes Puzzleteil gefunden – und das große Chaos, das im Kopf war, löst sich auf.

„Im Flow“

Der aus Ungarn stammende Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi nennt einen Zustand, in dem plötzlich alles leicht und spielerisch von der Hand geht, ≫Flow≪. ≫Jeder hat schon erlebt, dass man, statt von anonymen Kräften herumgestoßen zu werden, sich in Kontrolle der eigenen Handlungen, als Herr des eigenen Schicksals fühlt.

Gründen: Im Flow arbeiten

Bei diesen seltenen Gelegenheiten spürt man ein Gefühl von Hochstimmung, von tiefer Freude, das lange anhalt und zu einem Maßstab dafür wird, wie das Leben aussehen sollte. In Selbstvergessenheit arbeiten, ohne dass man den Zustand überhaupt als Arbeit empfindet. Bis vor nicht zu langer Zeit glaubte man, es sei Forschern, Erfindern, Künstlern vorbehalten.
Aber auch Entrepreneurship bietet die Chance dazu, im Flow zu arbeiten. Allerdings nur, wenn wir der Überforderung und Überlastung entgehen.

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Verbinden wir diese Gedanken mit Schumpeters Unterscheidung von Erfindung und Innovation: Der schwierige und seltene Akt ist die Erfindung. Innovation – im schumpeterschen Sinne – ist die Übertragung einer neuen Idee, die Anwendung könnte man sagen, auf die Praxis.

Hier, in so verstandener Innovation, in der Neukombination vorhandenen Wissens, liegen unsere Chancen, sind wir das Kapital, über profitmaximierende Angebote hinausweisende Lösungen zu suchen und zu finden.
Wir müssen also im Flow bleiben und unsere Fähigkeiten wie auch die Herausforderungen, denen wir uns stellen, langsam und im Gleichklang erhöhen.

Csikszentmihalyi hat das Phänomen nur auf den Begriff gebracht, hat es mit Flow umschrieben, aber nicht erfunden. Es gibt ihn schon lange. Evolutionsbiologen vermuten, dass es sich um einen Mechanismus handelt, der das Überleben der Menschheit sicherte: Lebewesen, die zwischen den Extremen von Stress und Langeweile ein ≫gemäßigt exploratives≪ Verhalten zeigten, brachten den Fortschritt in die Welt und ihre Gene in die nächste Generation.

Fokus: Ohne Anstrengung

Wenn man seinem Leben eine Richtung gibt, wenn man einen Fokus hat, passiert vieles wie von selbst. Man lernt, ohne sich anstrengen zu müssen, man nimmt vieles auf, ohne sich dazu zu zwingen, und man wird wie von selbst auf seinem Fachgebiet kompetenter. Things fall into place.

Was Sie mit Leidenschaft tun, werden Sie gut tun. Aber es tut Ihnen auch selber gut. Die moderne Gehirnforschung sagt, dass Emotionen und Leidenschaft die Zahl Ihrer Synapsen im Gehirn und die Zahl der Verknüpfungen mit anderen Synapsen anwachsen lassen. Mit den Worten des Neurobiologen Gerald Hüther: Wir können unser Potenzial entfalten. Was es vor allem anderen dazu braucht, ist Begeisterung.

„Things fall into place“

Wir kommen mit einer angeborenen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Jeder Mensch, so Hüther, sei von Anfang an ein geborener Unternehmer. Ob die Lust im späteren Leben weiterwachsen kann oder unterdrückt wird, hänge von den Erfahrungen ab, die wir als Heranwachsende und später als erwachsene Personen machen.

Das Gehirn lerne immer – und es lerne das am besten, was einem Menschen helfe, sich in seiner Lebenswelt zurechtzufinden und die Probleme zu lösen, die sich dabei ergaben.

Artikelbild: ra2studio/ Shutterstock

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