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Sie kennen Ihre eigenen Werte, leben konsequent danach und entwickeln darauf aufbauend Ihre persönlichen Führungsprinzipien? Andreas Philipp will Werte und Führungsprinzipien herausarbeiten, um damit gut gerüstet Führungsverantwortliche zu stärken. Sein Fragenkatalog an Manager und alle die das noch werden wollen…

Werte sind grundlegende Orientierungsmaßstäbe, an denen sich im Fall alternativer Handlungsmöglichkeiten das Handeln innerhalb einer Gemeinschaft orientieren soll. Welcher Art diese Werte sind, ob sie Gesetz und Ordnung beachten, den Prinzipien des Lebens dienen oder von Außenstehenden als gut oder schlecht bewertet werden, ist eine andere Sache.

Auch sind Werte einem Wandel unterworfen. Was für unsere Großeltern noch galt – z.B. die Eltern mit Sie anzureden – hat heute in unserem Kulturkreis keine Gültigkeit mehr, wird meist sogar belächelt. Werte sind höchst subjektiv und steuern unbewusst unser Denken, Sprechen und Handeln.

Das ist bei Prinzipien etwas anderes. Jenseits der umgangssprachlich verwendeten Bedeutung des Begriffs – hier wird er entweder sehr positiv „Der Mann hat noch Prinzipien“ oder sehr negativ „dieser Prinzipienreiter“ verwendet, aber in beiden Fällen geht es jedoch um die moralische Beurteilung eines Verhaltens, nicht um die Prinzipien an sich – können Prinzipien als nicht zu hinterfragende, universell geltende Grundsätze definiert werden. Sie sind, gleichsam Naturgesetzen, zeitlos gültig und bedürfen keiner weiteren Beweise.

Sie sind weder vom Kulturkreis noch von der Religionszugehörigkeit abhängig. Prinzipien passen sich nicht dem Zeitgeist an oder wechseln mit den Zyklen der Sozialgeschichte. Man kann nicht dafür oder dagegen sein. Prinzipien sind „Realitäten“, die seit der Geschichte der Erde „bewiesen“ haben, dass sie wirken. „Bewahren Sie zentrale Prinzipien als Kern und fördern Sie gleichzeitig Wandel, Verbesserung, Innovation und Erneuerung. Verändern Sie Ihre Strategien und Praktiken, halten Sie aber an Ihren zentralen Werten und Zielen fest.“ (Jim Collins)

Entwicklungsmöglichkeiten, Fairness, Fürsorge, Integrität, Leistungswille und Respekt sind solche Prinzipien. Sie stellen in allen Kulturen der Welt die Grundlage des Zusammenlebens dar. Selbstverständlich finden wir ganz unterschiedliche Interpretationen und Ausprägungen dieser Prinzipien. Jede Gemeinschaft findet ihre eigene Form, diese Prinzipien mit realem Leben zu füllen.

Auch wenn es leider zahllose Beispiele dafür gibt, wie gegen diese Prinzipien verstoßen wird (mit Folgen wie bspw. Kriege, Korruption, Umweltverschmutzung, usw.), ändert dies nichts an der fundamentalen Gültigkeit. Systeme, die weiterleben möchten, müssen diese Prinzipien beherzigen. Sie können als vom Grundsatz her nicht hinterfragbare „Naturgesetze“ von universeller Gültigkeit verstanden und deswegen als „Prinzipien des Lebens“ bezeichnet werden.

Prinzipien des Lebens

Diese gelten für jeden von uns. Hier geht es darum, das eigene Handeln an Hand dieser Prinzipien zu überprüfen und darauf aufbauend eigene, idealerweise die universellen Prinzipien beachtende Führung-Prinzipien zu entwickeln und daran das eigene Führungshandeln auszurichten. Auf dieser Grundlage können Sie sich in diesen Schritten – (1) meine besonderen Stärken, (2) wofür ich mich begeistere, (3) was das Unternehmen von mir erwartet, (4) welche Werte mich antreiben – Ihren Führungsbeitrag erarbeitet.

Was bedeuten diese allgemeinen Prinzipien des Lebens für Sie? Nehmen Sie sich bitte ausreichend Zeit und beantworten Sie nachfolgende Fragen für sich:

  • Wie sehen meine Lebensprinzipien aus? Habe ich welche? Beeinflussen sie mein Leben in einer eher positiven oder negativen Weise? Notieren Sie Ihre fünf wichtigsten Lebensprinzipien und beurteilen Sie selbst, ob diese Ihr Leben positiv bereichern oder eher negativ blockieren.
  • Welche der oben beschriebenen, allgemein gültigen Prinzipien des Lebens haben Bedeutung für mein Leben? In welcher Form drückt sich diese Bedeutung aus?
  • Wie stark lebe ich nach diesen Prinzipien? Wo sind meine größten Abweichungen?

Eigene Führungsprinzipien entwickeln

Machen Sie sich jetzt Gedanken zu Ihren aktuell vorhandenen Führungsprinzipien; d.h. zu den „Verträgen, die Sie mit sich selbst geschlossen haben respektive noch mit sich schließen wollen“. Das könnten z.B. sein:

  • Ich möchte immer eine offene Tür für Anliegen meiner Mitarbeiter haben.
  • Ich unterstütze meine Teamkollegen (inklusive Chef) ohne wenn und aber, wenn sie meine Unterstützung anfragen.
  • Oder auch: Auf meinem Schreibtisch liegt kein Vorgang, der älter als vier Wochen ist.

Und weiter:

  • Haben Sie solche Führungsprinzipien? Wie klar sind Ihnen diese? Haben Sie diese schriftlich festgehalten?
  • Wie sehr steuern diese Ihr tägliches Führungshandeln? Wie sieht Ihre Qualitätskontrolle aus?
  • Wie transparent sind meine Führungs-Prinzipien für meine Mitarbeiter?
  • Woran erkennen meine Mitarbeiter, dass ich nach diesen Prinzipien führe?
  • Woran möchten ich mich messen lassen?
  • Stehen meine Führungsprinzipien im Einklang mit den wichtigsten „Prinzipien des Lebens“?
  • Was möchte ich konkret verbessern? An was möchte ich arbeiten?
  • Welche Stichworte möchte ich dazu für mich festhalten?

Wenn Sie das Thema „Prinzipien – Führungs-Prinzipien – Führungs-Handeln“ nochmals auf sich wirken lassen, was kommt Ihnen in den Sinn? Was geht Ihnen durch den Kopf? Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen Ihre Führungs-Prinzipien und die daraus abgeleiteten Grundsätze Ihres Führungshandelns. Ein Intervall von 9 bis 12 Monaten macht in der Praxis Sinn.

Die eigenen Führungsprinzipien zu kennen, sie schriftlich formuliert zu haben, wird Ihnen eine große Hilfe in Ihrem manchmal sicherlich sehr hektischen Berufsalltag sein. Zu einem ebenso treuen Wegbegleiter kann Ihr einzigartiger Führungsbeitrag werden. Im Folgenden möchte ich Ihnen die Möglichkeit geben, diesen in einem Fünf-Schritt-Verfahren – basierend auf Ihren individuellen Werten – herauszuarbeiten.

Schritt 1: Meine besonderen Fähigkeiten

Welche speziellen Talente habe ich? Nehmen Sie sich bitte ein Blatt Papier zur Hand und notieren Sie, ohne zu lange zu überlegen, alle Ihre besonderen Fähigkeiten untereinander auf diesem Blatt. Seien Sie bitte nicht zu zurückhaltend – 10 besondere Talente sollten es auf alle Fälle sein, 20 wären besser. Denken Sie nicht nur an Ihren beruflichen Alltag. Berücksichtigen Sie auch Fähigkeiten, die Ihnen im privaten Umfeld nützlich sind.

  • Wobei werden immer Sie angefragt?
  • Bei schwierigen Gesprächen zum Beispiel?
  • Oder wenn es etwas zu organisieren gibt?
  • Oder wenn schnell Ordnung aus einem Berg Steuerunterlagen geschaffen werden muss?
  • Oder vielleicht sind Sie ein toller Skifahrer, Märchenerzähler, Handwerker, Bastler, …?

Wenn Sie die Liste haben, bilden Sie bitte drei Untergruppen, indem Sie ähnliche Talente zusammenfassen und ggf. auf einen allgemeinen Begriff verdichten. Beispiel: Sie haben notiert „kann gut zuhören“, „halte immer Festtagsreden“, „unterstütze die Kinder bei Referaten“, „moderiere oft Sitzungen im Team“. Diese Punkte können Sie nun gruppieren und mit dem Oberbegriff „Kommunikation– und Moderationsfähigkeit“ versehen. Versuchen Sie bitte noch zwei weitere Oberbegriffe zu finden.

Schritt 2: Wofür ich mich wirklich begeistere

Machen Sie sich nun ein paar Gedanken darüber, was Sie im Innersten wirklich begeistert, wobei Sie Zeit und Raum vergessen können, wenn Sie sich damit beschäftigen. Nachfolgende Orientierungsfragen helfen Ihnen dabei:

  • Womit verbringe ich am liebsten meine Zeit?
  • Wofür investiere ich Zeit und Geld? Worüber rede ich gerne?
  • Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einem Universalgelehrten nur über ein Thema sprechen dürfen – welches wäre es?
  • Wenn ich ein Fachbuch schreiben würde: Welches Fachthema wäre das?
  • Wenn ich in den Spiegel sehe: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Wer bin ich nicht?
  • Was treibt mich wirklich im tiefsten Inneren an? Was möchte ich auf dieser Welt bewegen?
  • Wie wichtig sind Ihnen Macht, Status und Geld?

Schritt 3: Was das Unternehmen von mir erwartet

In Schritt eins und zwei haben Sie sich mit Ihren Talenten und Wünschen befasst, eine Innensicht vorgenommen. Diese Sicht nach innen trifft natürlich auf eine Realität „da draußen“. Konkret gibt es Anforderungen und Erwartungen an Sie.

Nehmen Sie sich deshalb nun etwas Zeit und klären Sie mit Hilfe nachfolgender Fragen, was von Ihnen beruflich erwartet wird.

  • Welche grundsätzlichen Leistungsziele sind mir vorgegeben?
  • Welche quantitativen Ergebnisse (Gewinn, Umsatz, …) werden von mir erwartet?
  • Welche sonstigen qualitativen Ziele habe ich noch (vorgegeben)?
  • Welche Zielerwartung leitet sich aus dem Leitbild / der Strategie meines Unternehmens für mich ab?
  • Welche eigenen Zielsetzungen habe ich? Welche Erwartungen möchte ich erfüllen?
  • Gibt es noch weitere Erwartungen an mich?

Schritt 4: Welche Werte mich antreiben

Nehmen Sie sich jetzt bitte ausreichend Zeit, um sich mit Ihren ganz individuellen Werten zu befassen. Welche drei Werte sind Ihnen am wichtigsten?

Schritt 5: Mein Führungsbeitrag

Versuchen Sie, basierend auf Ihren Erkenntnissen der vorangegangenen Schritte, Ihren Führungsbeitrag zu formulieren.

  • Was macht mich einzigartig?
  • Was kann ich für mein (oder auch ein anderes) Unternehmen besonders gut leisten?
  • Auf Grund welcher Talente, Wünsche und Werte stifte ich Nutzen?
  • Wie sieht dieser Nutzen genau aus?

Ihr Führungsbeitrag sollte sich in maximal zwei bis drei Sätzen formulieren lassen. Vielleicht reichen Ihnen auch ein paar Stichworte. Jedenfalls sollten Sie Ihr Ergebnis schriftlich festhalten. Entscheidend ist, dass Sie aus tiefer innerer Überzeugung ja dazu sagen können und dass klar wird: Es ist Ihr einzigartiger Führungsbeitrag, den nur Sie leisten können.

Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen diesen Beitrag. Ein Intervall von 12 bis 18 Monaten macht in der Praxis Sinn. Prüfen Sie, wo Sie sich verändert haben. Prüfen Sie aber auch, ob Ihr Unternehmen noch Ihren Talenten, Wünschen und vor allem Werten entspricht. Haben Sie den Mut, im Falle größerer Abweichungen in die Veränderung zu gehen. Nicht überstürzt und nicht hektisch – aber doch konsequent und bewusst.

Nur Mut

Nehmen Sie sich die Zeit all die Fragen zu beantworten, denn mit Ihrem ausgearbeitet Führungsbeitrag verschaffen Sie sich Klarheit über Ihre USP, Ihre Einzigartigkeit, die Sie einem Unternehmen anbieten können. Und mit Ihren Führungs-Prinzipien legen Sie fest, was die großen Leitplanken sind, um Ihren Führungsalltag zu meistern. Sie erzeugen für sich Eigen-Stabilität und schaffen für Ihr Umfeld ein gutes Maß an Sicherheit. Beides sind Eigenschaften von kaum zu überschätzendem Wert.

Über den Autor: Dr. Andreas Philipp ist Gründer und Vorstand der Stiftung Drei-zum-Leben. Er gilt als interdisziplinär denkender Managementberater sowie Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Sichtweisen im Unternehmen. Seine Kunden schätzen seinen ganzheitlichen Ansatz aus wissenschaftlicher Fundierung, hoher Praxisnähe und umfassender Vernetzungsfähigkeit…

Artikelbild: stockyimages/ Fotolia.com

5 Kommentare

  1. […] Büro geht die Kontaktanbahnung automatisch, mitunter vom Chef angeordnet. Enge Zusammenarbeit, gemeinsame Mittagspausen oder ein gepflegtes Feierabendbier sind […]

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