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Zufrieden im Job: Was früher nur nachrangig wichtig war und lange Zeit als unmöglich galt, ist heute weitgehend Realität. Eine aktuelle Studie des IW Köln zeigt, dass es neun von zehn Arbeitskräften im Job gut geht. Markus Hornung berichtet…

Es gibt eine alte Mär, die lautet: Der Chef ist dazu da, seine Mitarbeiter zu motivieren. Dabei besteht die Aufgabe eines Vorgesetzten nicht darin, von Büro zu Büro zu laufen und das Team zu Bestleistungen anzufeuern. Nachhilfe für Chefs kann helfen.

Denn Motivation ist keine dauerglimmende Glut, die man von außen anheizen kann. Sie ist ein bereits vorhandenes Gefühl, dass Teammitglieder antreibt, wenn ihre Person und ihre Leistungen aufrichtig geschätzt werden. Dann stellt sich bei den Mitarbeitenden von ganz allein eine motivierte Grundstimmung ein.

Von innen heraus motivieren

Damit Beschäftigte ihr Arbeitsumfeld als wertschätzend empfinden und ihre Aufgaben mit Freude angehen, brauchen sie einen Chef, der sich mit ihren Vorstellungen und Werten auseinandersetzt. Denn diese Werte wollen sie auch von ihrer Führungskraft erfüllt sehen.

Sagt der Vorgesetzte einem Mitarbeiter eine Weiterbildung zunächst zu und dann kurzfristig doch ab, spürt der Beschäftigte: „Ich kann mich nicht auf meinen Chef verlassen“. Ist dem Beschäftigten dieser Wert „Zuverlässigkeit“ wichtig, dann führt dessen Missachtung dazu, dass er am Arbeitsplatz weniger motiviert ist.

Soweit nachvollziehbar. Doch wie klappt es umgekehrt? Wie kann der Chef die Vorstellungen seiner Beschäftigten respektieren und so ein motivierendes Arbeitsumfeld schaffen?

Aus vier Zutaten wird der perfekte Chef

Eine Führungskraft muss glücklicherweise keine Liste im Kopf haben, die alle Wunschbilder ihres Teams abbildet. Vielmehr kann sie sich eine Grundhaltung aneignen, die verschiedenste Ideale achtet.

Anerkennung, ein respektvoller Umgang, Berechenbarkeit und Klarheit sind die Wünsche, die Mitarbeiter an ihre Vorgesetzten richten. Chefs haben also die Chance, mit diesen Erfolgsfaktoren ein positives Arbeitsumfeld für ihr gesamtes Team zu schaffen.

Der Unterschied zwischen Lob und Anerkennung

Viele Führungskräfte würden sofort unterschreiben, dass Respekt und Anerkennung einen angenehmen beruflichen Umgang auszeichnen. Doch gemeint ist damit nicht das schnell dahingesagte, sachliche Lob, wie „Schön, dass das geklappt hat“.

Solche Sätze beschreiben lediglich auf einer sachlichen Ebene das Verhalten – die Person, die gelobt wird, zieht daraus keine Motivation. Echte Anerkennung hingegen markiert emotional die Eigenschaften sowie das Verhalten eines Menschen: „Ich freue mich sehr über Ihre Hartnäckigkeit; nur dadurch ist es uns gelungen, das Projekt so zügig abzuschließen.“

„Anerkennung, ein emotionaler Vorgang“

Echte Anerkennung ist vor allem eines: sie ist emotional! Am besten verbunden mit der einzigen Emotion, die psychologisch gesehen ein gewünschtes Verhalten verstärkt, nämlich der reinen Freude. Eine Führungskraft muss also in der Lage sein, sich auf die vielfältigen Persönlichkeiten, aus denen ihr Team besteht, einzulassen und Freude zu zeigen.

Wertschätzung und ein respektvoller Umgang sind gute Investitionen, die sich auch über das Betriebsklima hinaus auszahlen, denn sie spornen Mitarbeiter zu Höchstleistungen an.

Ein guter Chef ist fast immer berechenbar

Einem motivierenden Arbeitsumfeld ist es ebenso zuträglich, wenn die Mitarbeiter sprichwörtlich wissen, woran sie bei ihrem Chef sind. Viele Führungskräfte haben gelernt, negative Emotionen besser herunterzuschlucken, als sie preiszugeben. Doch damit verschieben sie dieses Gefühl oft nur auf einen späteren Zeitpunkt.

Einem Chef, der Wert auf Pünktlichkeit legt, wird es auf Dauer nicht gelingen, seinen Ärger über unpünktliche Mitarbeiter zu unterdrücken. Vielleicht gelingt es ihm ein- oder zweimal, beim dritten Mal platzt ihm aber bestimmt der Kragen. Das fatale daran: Die Beschäftigten können ohne Vorwarnung nicht wissen, dass sie mit ihrem Zuspätkommen eine für den Vorgesetzten wichtige Grenze überschreiten.

Sie glauben nun, drastisch formuliert, einen unberechenbaren Tyrannen als Chef zu haben, dem man nichts recht machen kann. Vorgesetzte sollten deshalb ihr Verhalten auch dahingehend prüfen, ob es für andere nachvollziehbar ist. Das gelingt, wenn sie sich ihre eigenen Werte immer wieder bewusst machen und sich dafür auch Zeit nehmen. Außerdem eignet sich alles, was der inneren Ruhe und der Selbstreflektion dient, zum Beispiel Entspannungstechniken, Yoga oder Meditation.

Mitarbeiter schätzen klare Ansagen

Was im Verhalten die Berechenbarkeit, ist in der Kommunikation die Klarheit. Nur wenigen Führungskräften gelingt es, sich unmissverständlich auszudrücken. Dabei sind klare Worte der Schlüssel zu einem geordneten Arbeitsumfeld. Zuständigkeiten, Fristen und Aufgaben bleiben viel zu oft ungeklärt, weil Vorgesetzte im Konjunktiv Eventualitäten formulieren.

Doch mit vagen Aussagen treiben sie ihre Teams in den Wahnsinn. Statt: „Ich würde vorschlagen, wir nehmen das in Angriff“ wollen Mitarbeiter hören: „Wir starten das Projekt, sobald…“. Führungskräfte, die verständlich sagen, was sie erwarten, können auch mit dementsprechenden Ergebnissen rechnen.

Der Verzicht auf verbales Herumeiern entlastet also beide Seiten. Für Führungskräfte bedeutet das gezielte Selbstreflexion, um herauszufinden, ob sie ihre Kommunikation noch verbessern können oder es ihnen beispielsweise schwer fällt, Entscheidungen zu formulieren.

Im Zweifel hilft auch Vorgesetzten die Frage: Was würde ich in einer vergleichbaren Situation von meinem eigenen Chef erwarten?

Über den Autor: Markus Hornung beschreibt Emotionen als Hebel, mit denen Energie freigesetzt werden kann, um Dinge voranzutreiben. Seit mehr als zehn Jahren deckt er als einer der drei Köpfe hinter EQ Dynamics in Unternehmen Motivations- und Demotivationsfaktoren auf und zeigt auch in Vorträgen, wie sich Emotionale Intelligenz geschäftlich nutzen lässt.

Artikelbild: olly/ Fotolia.com

5 Kommentare

  1. Wichtiger und nachvollziehbarer Artikel!

    Zum Thema Lob und Tadel mal eine weitere kritische Sicht:
    Eine Streitschrift: Verlieren wir Menschen unser Selbstvertrauen, wenn wir gelobt und getadelt werden?

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