Jobwechsel, Umzug, Trennungen – aus Angst vor Veränderungen halten viele Menschen an Gewohntem fest und sitzen Entscheidungen lieber aus. Doch Umbrüche im Leben, in der Gesellschaft und der Arbeitswelt können bewusst gesteuert werden und sogar große Chancen bieten…

Umbrüche – das sind die Momente im Leben, in denen sich etwas grundlegend verändert. Manchmal stoßen wir selbst diese Veränderungen an, manchmal andere Menschen, oft sind es äußere Umstände.

Viele Menschen haben Angst vor solchen Übergängen – dabei sind es ganz normale Prozesse, die in jedem Leben vorkommen.

Ein ganz „normales“ Leben mit all seinen Umbrüchen ist auch das von Birgit, 42 Jahre alt, Mutter zweier Kinder und seit kurzem geschieden. Ihrem Psychotherapeuten gegenüber formuliert sie ihre Probleme:

Leistungsdruck und private Probleme

Ausgesessen!: Warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens unsere Zukunft kostet
Ausgesessen! Warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens unsere Zukunft kostet. Buch kaufen

„Der Druck hat schon im Kindergarten angefangen. Dann die Einschulung, der Übergang ins Gymnasium, Studium und dann auch im Job. Kollegenwechsel, Umstrukturierungen der Abteilungen.

Ich habe eigentlich immer Angst gehabt“, so Birgit. „ Ich habe in allen Umbrüchen das Ende meines gewohnten Lebens gesehen. Und es war jedes Mal ein Kampf um etwas Neues, Stabiles.

Mein Psychotherapeut hat mir klar gemacht, ich könne doch rückblickend stolz über meine eigene Leistung sein, dass jeder Neubeginn letztlich positiv verlaufen sei. Das habe ich selbst nie so gesehen.

Erst nach und nach verstehe ich, dass ich die Zügel über mein Leben in der Hand habe. Und je mehr Erfahrungen ich mache, desto eher verstehe ich, dass nicht alles Neue automatisch schlecht sein muss.“

Steiniger Weg zur Selbstbestimmtheit

Vielen Menschen geht es ähnlich wie Birgit: Sie sind mit ihrer Situation unzufrieden, aber ihnen fehlt der Mut, etwas zu verändern. Allem Neuen begegnen sie mit Argwohn. Sie reagieren immer nur auf die Entscheidungen anderer, handeln gegen den eigenen Willen, nehmen eine Opferrolle ein und führen so schlimmstenfalls ein Leben, das sie gar nicht führen wollen. Dafür gibt es einen guten Grund.

„Veränderung passiert – mit oder ohne dir“

„Beginnt man erst einmal damit, sich kritisch mit sich selbst auseinander zu setzen, wirft das unbequeme Fragen auf: „Warum ändere ich nichts an meinem Leben?“ und – noch schwieriger: „Was will ich stattdessen?“ Auch der Aufwand, der mit einer möglichen Veränderung einhergeht, wird als Belastung empfunden.

Nicht ohne Grund. Denn Veränderungsprozesse durchlaufen sieben typische Phasen, die erst einmal bewältigt sein wollen. Ich will das am Beispiel Jobwechsel verdeutlichen:

1. Überraschungsphase

Autsch! Angst vorm Abstieg bindet Energie (Foto: pathdoc/ Shutterstock)

Man ist überrascht, dass die Veränderung geschieht – auch wenn man sie selbst angestoßen hat: „Oh, ich habe tatsächlich gekündigt!

2. Verneinungsphase

Das darf doch nicht wahr sein – wir verneinen gerne… (Foto: pathdoc/ Shutterstock)

Die Veränderung wird, obwohl selbst initiiert, auf einmal vehement abgelehnt. Der Abschied von den Kollegen erweist sich als schmerzhaft! War es wirklich richtig, sich für das Neue zu entscheiden.

3. Das Jammertal

Worte über Worte, deprimierend. Das zieht runter… (Foto: PathDoc/ Shutterstock.com)

Der Verlust der alten Umgebung und anfängliche Schwierigkeiten im neuen Job führen zu regelrechter Trauer. War das Alte wirklich so schlecht?

4. Akzeptanzphase

Annahme – irgendwie muss es ja weitergehen… (Foto: pathdoc/ Shutterstock)

Hoppla, am neuen Arbeitsplatz funktioniert es auf einmal – der Blick wird wieder nach vorn gerichtet.

5. Ausprobierphase

Keine Frage, du hast es drauf. Aber: Wissen die anderen schon davon? (Foto: pathdoc/ Shutterstock)

Neue Verhaltensweisen, interessantere Aufgaben, erste Kontakte zu Kollegen wirken beflügelnd.

6. Erkenntnisphase

Vieles im Kopf, aber wo geht die Reise hin? (Foto: PathDoc/ Shutterstock.com)

Die Bedeutung der Veränderung für die persönliche Entwicklung erschließt sich und bringt Stolz auf die Entscheidung.

7. Integrationsphase

Yuppie! Es geht aufwärts… (Foto: pathdoc/ Shutterstock)

Das Neue ist Alltag geworden, die Gedanken an die frühere Stelle verblassen, der Veränderungsprozess ist erfolgreich abgeschlossen

Veränderung kostet Nerven

Veränderungen sind mit Mühe verbunden. Sie erfordern Zielklarheit, Ausdauer und Frustrationstoleranz. Aber wer die sieben Phasen der Veränderung erst einmal bewältigt hat, weiß, was er geleistet hat und erfährt in aller Regel, dass es sich gelohnt hat und dass das eigene Leben in die Hand genommen werden kann – in privaten, wie in beruflichen Belangen.

Wer sich dessen bewusst ist und bereit ist, die Umstände in Kauf zu nehmen, die mit Veränderungen verbunden sind, wird Umbrüche nicht mehr als Bedrohung empfinden sondern als Bereicherung. Und darum geht es – allen Ängsten, Mühen und Bedenken zum Trotz.

Über den Autor: Roland Jäger ist selbständiger Unternehmensberater und Coach mit den Schwerpunkten Führung, Change- und Selbstmanagement – entdeckte früh sein Talent, Probleme offensiv anzugehen. In seinem Buch „Ausgesessen – Warum uns die Kultur des Nichtentscheidens unsere Zukunft kostet“ appelliert er zu mehr Entscheidungsfreude in Wirtschaft, Gesellschaft und im privaten Kontext…

Artikelbild: olly/ Fotolia.com

7 Kommentare

Kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here