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Drei Viertel der jungen Angestellten lernen gerne für den Beruf. Doch ab 46 Jahren sinkt deren Engagement rapide. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 Angestellte befragt hat. Wir berichten…

Lebenslanges Lernen und das Teilen von Wissen sind mittlerweile im Privatleben, aber auch am Arbeitsplatz selbstverständlich geworden. Dass Weiterentwicklung nicht nur wichtig ist, um im Job voranzukommen, sondern auch Spaß macht, haben mittlerweile viele erkannt: Knapp zwei von drei Angestellten würden sich gern häufiger fortbilden, so ein Ergebnis der Umfrage. Sie sind auch bereit, dafür Freizeit zu opfern oder in die eigene Tasche zu greifen.

Keine Lust aufs Lernen?

Besonders der Wissens- und Erfahrungsschatz der älteren Mitarbeiter wird für die Unternehmen bald erfolgsentscheidend sein, nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels.

Die Lust aufs Lernen nimmt bei ihnen aber rapide ab: Während sich noch 72 Prozent der Arbeitnehmer unter 35 Jahren auf Weiterbildungen freuen, trifft dies nur noch auf 50 Prozent der Befragten ab 46 Jahren und auf 42 Prozent der Mitarbeiter ab 56 Jahren zu.

Anders als oft angenommen scheint dies nicht unbedingt an fehlenden oder schlechten Angeboten der Arbeitgeber zu liegen: Acht Prozent der 46- bis 55-Jährigen geben zu, einfach kein Interesse an Weiterbildung zu haben. Bei den Arbeitnehmern ab 56 Jahren sind es sogar neun Prozent.

Weiterbildung nach Lebensphasen

„Während die jungen Arbeitnehmer es gewohnt sind, sich ständig weiterzuentwickeln und dazu zu lernen, fällt es ihren erfahrenen Kollegen noch deutlich schwerer, den Wert von Weiterbildung zu erkennen“, sagt Torsten Bittlingmaier, Geschäftsführer von Haufe Akademie Inhouse-Training und Consulting. „Hier sind natürlich auch die Arbeitgeber gefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten.“

Sie können zum Beispiel die Zusammenarbeit von jüngeren und erfahreneren Kollegen stärker unterstützen und für alle Lebensphasen passende Weiterbildungen anbieten. 30-Jährige benötigen andere Weiterbildungsangebote als ihre Kollegen 50+: Für die älteren Arbeitnehmer geht es in erster Linie darum, die Beschäftigungsfähigkeit weiterhin zu sichern, ihr Wissen weiterzugeben und auch am Arbeitsplatz gesund zu bleiben.“Jüngere Arbeitnehmer wollen vor allem neue Kompetenzen erwerben, Stärken betonen und sich gegebenenfalls als Führungskraft weiterentwickeln“

„Freizeit – opfern oder investieren…“

Viele Angestellte sind bereit, in der Freizeit zu lernen – auch wenn es der Arbeitgeber gar nicht explizit erwartet. Nur jeder Vierte (25 Prozent) sagt, der Arbeitgeber erwarte von ihm, dass er sich außerhalb der Arbeitszeit für den Job weiterbildet.

Dennoch würde fast jeder Zweite (45 Prozent) zumindest unter der Woche Freizeit für Weiterbildung opfern. Fast jeder Dritte (31 Prozent) zieht es sogar in Betracht, am Wochenende oder im Urlaub zu lernen. Auch hier liegen die jungen Arbeitnehmer vorne: Bei den Befragten bis 35 Jahre sind 42 Prozent dazu bereit; bei den Angestellten ab 56 Jahren sind es nur noch 24 Prozent. 21 Prozent möchten sich hingegen nur während der Arbeitszeit weiterbilden.

Hohe Erwartungen befeuern Lernfreude

Eine hohe Erwartungshaltung des Arbeitgebers hat keine negativen Auswirkungen auf das Lernengagement der Mitarbeiter: Bei Unternehmen, die erwarten, dass ihre Mitarbeiter sich auch außerhalb der Arbeitszeiten weiterbilden, ist die Investitionsbereitschaft der Mitarbeiter sogar deutlich höher als in weniger anspruchsvollen Unternehmen; mehr Mitarbeiter sind bereit, sich am Wochenende oder sogar im Urlaub weiterzubilden (44 Prozent gegenüber 26 Prozent in Unternehmen, die dies nicht erwarten).

Eine deutliche Mehrheit der deutschen Angestellten ist bereit, für berufliche Weiterbildung auch in die eigene Tasche zu greifen: 13 Prozent würden einen kleinen Betrag, nämlich bis zu hundert Euro im Jahr, beisteuern. Weitere 15 Prozent würden bis zu 200 Euro zahlen, 33 Prozent sogar bis zu 1.000 Euro. Gut jeder vierte Angestellte (28 Prozent) meint hingegen, die Finanzierung beruflicher Weiterbildung sei ausschließlich Sache des Arbeitgebers.

In der Umfrage ermittelte Forsa den Stellenwert beruflicher Weiterbildung beim aktuellen Arbeitgeber. Die meisten Unternehmen, nämlich 69 Prozent, schaffen Gelegenheiten für den Wissens- und Erfahrungsaustausch. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) bekommt konkrete Weiterbildungsangebote. In einigen Unternehmen gehen die Führungskräfte mit gutem Beispiel voran: 55 Prozent der Angestellten vermuten, dass sich ihre Vorgesetzten selbst weiterbilden. „Führungskräfte haben beim Lernen eine Vorbildfunktion“, sagt Torsten Bittlingmaier. „Ihr eigenes Verhalten hat einen starken Einfluss auf die Bereitschaft ihrer Mitarbeiter, sich weiterzubilden.“

Die Umfrage zeigt auch, dass eine gute Lernkultur die Eigeninitiative der Mitarbeiter fördert: Können sie regelmäßig während der Arbeitszeit voneinander lernen, sind 33 Prozent der Befragten bereit, sich auch in der Freizeit neues Wissen anzueignen. Bei Arbeitgebern, die den Wissens- und Erfahrungsaustausch der Angestellten nicht fördern, sind Mitarbeiter deutlich weniger bereit, sich auch an Wochenenden oder im Urlaub weiterzubilden (25 Prozent im Vergleich zu 33 Prozent in lernfreundlichen Unternehmen). Das Ergebnis beruflicher Weiterbildung? Vielleicht ein besser bezahlter Job, der in zahlreichen Stellenanzeigen online zu finden ist, zum Beispiel im Bereich der IT und Entwicklung. Und sei es nur eine inhaltlich spannendere Aufgabe.

Über den Autor: Torsten Bittlingmaier ist Experte im Talentmanagement. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte im Auftrag der Haufe Akademie im Februar 2013 bundesweit 1.000 Angestellte anhand computergestützter Telefoninterviews…

Artikelbild: ImageFlow/ Shutterstock

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