Online-Semester und Homeschooling gehen in die nächste Runde. Für die 16- bis 24-Jährigen der „Generation Lockdown“ steht die Zeit still: Kein Auslandsjahr, fehlende Berufsorientierung, soziale Isolation, zurück im Kinderzimmer. Wie es der Generation geht und warum vor allem Hochschulen und Unternehmen stärker gefordert sind als je zuvor, erklärt uns Svenja Rausch im Interview…

Die Recruitingplattform JobTeaser verbindet vier Millionen Studierende, 80.000 Personaler:innen und 700 Hochschulen in 25 Ländern. In einer Umfrage im September hat JobTeaser rund 1600 Studierende und Unternehmen in Deutschland und Österreich online zum Studium und Recruiting in der Pandemie befragt. Kurzum: Die Expert:innen von JobTeaser kennen die Anforderungen der Generation Z genauso wie die der Unternehmen.

Karriere-Einsichten: Frau Rausch, Ihnen geht es gut. Und der Generation Z? 

Svenja Rausch: Die Generation Z trifft der Lockdown und die soziale Isolation in einer sehr wichtigen Phase. Dementsprechend kann man sagen, dass es einem Großteil der Generation Z alles andere als gut geht. Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Mindestens zehn Prozent der Studierenden sind zurück zu ihren Eltern ins eigene Kinderzimmer gezogen. Ich glaube wir erinnern uns alle, dass das zu Studienzeiten nicht das ist, was man sich vorstellt.

Neben dem Verlust der Unabhängigkeit und finanziellen Sorgen plagt die Generation zudem die soziale Isolation und die Sorge vor der beruflichen Zukunft. Ich würde zusammenfassend sagen: Zweckoptimismus ist noch vorhanden, aber es fehlt Orientierung. Wie sollen sich Studierende am Arbeitsmarkt orientieren, wenn Praktika und Werkstudentenstellen wegfallen, Karrieremessen nicht stattfinden und sie sich nichtmal mit Kommiliton:innen auf dem Flur über Erfahrungen austauschen können? 

Karriere-Einsichten: Sie haben in einer Umfrage mit Studierenden und Unternehmen gesprochen. Was sind die Ergebnisse?

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Svenja Rausch: Bereits im September haben 30 Prozent der Studierenden angegeben, durch die Entwicklungen der Krise ihren Praktikumsplatz verloren zu haben. Das bedeutet Schwierigkeiten, sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren und teilweise auch Verzögerungen im Studienablauf. Dennoch muss man sagen, dass die Befragten zu diesem Zeitpunkt erstaunlich optimistisch waren. Das liegt sicherlich auch darin begründet, dass man im Spätsommer glaubte, das Ende der Pandemie fast erreicht zu haben. Wir führen aktuell eine neue Umfrage durch und sind gespannt inwiefern sich diese Einstellung geändert hat. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Sorgen der Studierenden inzwischen größer sind. 

Karriere-Einsichten: Und die Generation Z, gerade auf dem Arbeitsmarkt? Haben Sie Veränderungen beobachtet… 

Svenja Rausch: Die Generation Z gilt hinsichtlich ihrer Arbeitgeber als eine anspruchsvolle Generation. Im War for Talents konkurrieren Unternehmen um die besten Absolvent:innen renommierter Hochschulen. Mit diesem Wissen haben viele der Talente ihr Studium absolviert. Die jetzige Situation ist aber geprägt von Unsicherheit. In der Konsequenz ist die Generation auf der Suche nach Sicherheit im Job.

Waren bis vor ein paar Jahren vor allem Start-Ups beliebt, geht der Trend derzeit vor allem in Richtung großer Unternehmen und öffentlichem Dienst. Vermeintlich sichere Arbeitgeber gewinnen an Attraktivität. Zusammenfassend kann man sagen: Eine Generation, die sehr fordernd auf Arbeitgeber zugegangen ist, ist jetzt unsicher. Vermutlich wird sich das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und jungen Talenten in Folge dessen wieder mehr auf Augenhöhe einpendeln.  

Svenja Rausch (Foto: NN/ Privat)

Karriere-Einsichten: Was raten Sie jungen Talenten denn, die in dieser schwierigen Situation auf Jobsuche sind? 

Svenja Rausch: Ich denke es ist wichtig, im Rahmen des Möglichen Präsenz zu zeigen und ein Netzwerk aufzubauen. Das geht zum Beispiel über berufliche Netzwerke wie LinkedIn oder soziale Medien, auf denen immer mehr Unternehmen aktiv sind. 

Darüber hinaus ist es ratsam, sich an den Career Service der Universitäten zu wenden. Diese arbeiten mit vielen Arbeitgebern und auch mit uns als Recruitingplattform zusammen und sind über aktuelle Angebote informiert. Beispielsweise über virtuelle Karrieremessen, die eine gute Option für die erste Kontaktaufnahme mit Unternehmen sind. Für alle die, die noch nicht genau wissen, wo die Reise hingehen soll, gibt es die Möglichkeit, über den Career Service oder auch online Angebote zur Selbstfindung und Berufsorientierung zu nutzen. 

„digitale Alternativen für die klassische Karrieremesse“

Ansonsten gilt: Dran bleiben. Seid mutig, zeigt Präsenz und schaut euch immer wieder auf Recruitingplattformen um. Lasst euch von der Situation nicht entmutigen! 

Karriere-Einsichten: Wie können Personaler:innen Studierende und Absolvent:innen unterstützen? 

Svenja Rausch: Aktuell bleibt ja leider nur der digitale Kontakt, aber den sollten Unternehmen halten. Es ist daher wichtig, digital an den Hochschulen präsent zu sein, beispielsweise über den Career Service oder virtuelle Karrieremessen. Zusätzlich sollten Unternehmen die jungen Talente dort adressieren, wo sie sich zur Zeit sehr intensiv aufhalten und das ist primär in den sozialen Medien. Hier sollten sie ansprechbar sein, sich als Berater positionieren und der Generation die gewünschte Hilfe und Führung bieten.

Wichtig ist es authentisch zu sein und realistische Eindrücke von dem Arbeitsumfeld zu bieten. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich nach digitalen Alternativen für die klassische Karrieremesse umzuschauen und zum Beispiel an virtuellen Formaten teilzunehmen, um den Kontakt zur Generation Z nicht zu verlieren. 

Karriere-Einsichten: Danke fürs Interview!

Über Svenja Rausch: Svenja Rausch verantwortet die deutschsprachige Kommunikation der paneuropäisch vernetzten Recruitingplattform JobTeaser. Sie arbeitet eng mit Hochschulen und Unternehmen zusammen, um Karriereberatung und Berufsorientierung für junge Absolvent*innen digital zu ermöglichen. Sie begleitet seit 2020 die europaweite Umfrage “Studieren in der Pandemie”.
Über JobTeaser: JobTeaser ist führende Plattform im Recruiting und Karriereorientierung für Studierende und Hochschulabsolvent*innen in Europa. Das Netzwerk verbindet vier Millionen Studierende, 80.000 Personaler*innen und 700 Hochschulen in 25 Ländern. Dafür sind rund 250 Mitarbeiter*innen und Expert*innen in Deutschland und Frankreich täglich im Einsatz…

Artikelbild: TierneyMJ/ Shutterstock