Karriereplanung, von der Produktentwicklung zur Personalentwicklung: So hilft dir „Design Thinking“ beim nächsten Schritt…

Links oder rechts? Und manchmal sind Karrierefragen weniger binär codiert. Design Thinking hilft...

0

Karriere-Einsichten: Design Thinking ist eine Methode, wie viel Wissen brauche ich trotzdem?

Christine Mark: Die Teilnehmenden in den Workshops oder im Online Kurs brauchen gar kein Wissen dazu. Das ist einer der Vorteile von Design Thinking Prozessen: Inhalt und Prozess sind getrennt. Die Teilnehmenden konzentrieren sich auf die inhaltliche Arbeit und die Beraterin führt konsequent durch den Prozess. Weil die Lösung nicht von „Außen“ zugeführt wird, wie in manch anderen Beratungsansätzen, entstehen hier auch sinnvolle, individuelle Ergebnisse.

Karriere-Einsichten: Und Ihre Rolle als Beratende?

Christine Mark: Als Beraterin muss ich im Prozess natürlich sicher verankert sein und wenn ich Design Thinking in der Berufsplanung einsetzen möchte, brauche ich außerdem Coachingerfahrung und ein systemisches Verständnis.

Karriere-Einsichten: Design Thinking kommt aus der Produkt Entwicklung. Bin ich denn selbst ein Produkt?

Werbung

Christine Mark:Ich bin als Individuum natürlich kein Produkt, aber ich suche nach Lösungen für ein Problem oder eine Fragestellung. Und auf dieser Ebene gibt es dann gar nicht mehr so viel Unterschied zum Design Thinking in der Produktentwicklung.

„Alles eine Frage der Perspektive – Die Point of View Frage“

Denn auch hier steht die Lösung für ein Problem im Vordergrund, das Produkt ist nur eine Konsequenz daraus. Hier wie dort stelle ich eine Point of View Frage und entwickle Lösungsmöglichkeiten dafür. Während eine mögliche Frage in der Produktentwicklung lautet: „Wie kann ich sicherstellen, dass meine User einfach und sicher Online Überweisungen durchführen?“ könnte die PoV Frage in der Karriereplanung so lauten: „Wie kann mein Berufsleben aussehen, damit ich meine Werte Freiheit, Kreativität und Sicherheit ausleben kann?“

Karriere-Einsichten: Design Thinking kommt aus der Produktentwicklung. Und jetzt, Personalentwicklung?

Christine Mark: Gerade der Design Thinking Ansatz unterscheidet sich ja von der klassischen Produktentwicklung. Es geht nicht darum, ein möglichst cooles Produkt herzustellen, sondern eine Lösung für ein Kundenbedürfnis zu finden. Das Produkt darf nie reiner Selbstzweck sein. Und deshalb funktioniert dieser Prozess auch so gut in der Persönlichkeitsentwicklung.

Karriere-Einsichten: Denn was sich schon in der Produkt- und Innovationsentwicklung bewährt hat…

Christine Mark: … das lässt sich auch auf die eigene Berufsplanung übertragen: Bedürfnisse erkennen, Reflektieren, Ideen generieren, schnell ins Tun kommen, Ausprobieren, Anpassen und Testen sind typische Phasen im Design Thinking Prozess. Und durch dieses aktive Vorgehen entsteht Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung. Beides ist unablässig für eine bewusste Planung des beruflichen Vorankommens. 

Karriere-Einsichten: Wie kann ich mir die Struktur des Design Thinking Prozesses in der Karriereplanung vorstellen?

Christine Mark:Anhand des 4-stufigen Design Thinking Prozesses kreieren die Teilnehmenden ihre eigene berufliche Wunschzukunft. Dies beinhaltet das Entwickeln einer beruflichen Vision, das Entwerfen von beruflichen Szenarien, die Konzeption eines klaren Umsetzungsplanes und der Festlegung von konkreten nächsten Schritten. 

Die 4 iterativen Design Thinking Phasen in der Karriereplanung

  • Empathize – Reflexion über bisherige Erfahrungen

Was war bisher gut? Was hat für mich nicht funktioniert? Welche Werte habe ich im Berufsleben? Was will ich wirklich?

  • Define – Vorstellung über die Zukunft

Wie sieht meine Vision für meine berufliche Zukunft aus? Welche Tätigkeiten möchte ich ausüben? Unter welchen Umständen möchte ich arbeiten? Was ist mir für mein Arbeitsleben wichtig?

  • Ideate – Entdecken von Möglichkeiten

Welche Optionen werden sichtbar? Was habe ich bisher noch nicht gesehen? Wie machen es andere? Was gibt es noch?

  • Prototype & Test – Kreieren von Berufsszenarien

Darstellung von verschiedenen beruflichen Prototypen. Ausformulierung der konkreten Wege. Ausprobieren, anpassen, testen…

Karriere-Einsichten: Inwieweit ist Design Thinking (überhaupt) vermittelbar, wenn es weder reines Wissen noch Methode ist 

Christine Mark: Meine Erfahrung ist, dass sich alleine durch die Teilnahme an einem Future Lab Workshop und das Erarbeiten des persönlichen Karriereweges mit Design Thinking ein Mindshift ergibt. Die Teilnehmenden erkennen ihre Selbstwirksamkeit und sie entdecken ihre Macht in Bezug auf ihre Berufs- und Lebensplanung. Durch das aktive Tun, Ausprobieren, neu Denken, Hinterfragen, Ideen sammeln usw. kommen sie ganz automatisch in eine pro-aktive Haltung. Ich glaube, wenn man einmal erlebt hat, mit wie viel Freude und Leichtigkeit die Gestaltung des eigenen Lebens möglich ist, dann kann man nie mehr zurück gehen in ein passives Abwarten und darauf hoffen, dass sich etwas ändert. Sondern man schafft sich seine Möglichkeiten zukünftig selbst. In allen Lebensbereichen. Und das ist viel mehr als man durch das Lernen einer Methode oder durch reines Wissen erreichen kann. 

Mehr zur Interviewpartnerin: www.christine-mark.com

Artikelbild: Song_about_summer/ Shutterstock