Wie einen Reinfall vermeiden und die Mitarbeiter erreichen. Normalerweise ist irgendwann zwischen dem Weihnachtsessen und dem Smalltalk mit den Kollegen der Zeitpunkt für die Weihnachtsansprache des Chefs gekommen. Doch Pandemie bedingt fällt diese jährliche Prozedur aus…

Was übrig bleibt: Mitarbeiter vor den Kameras mit dem Chef als Alleinunterhalter. Was Sie bei Ihrer Online-Weihnachtsrede nicht machen sollten, erklärt Rhetoriktrainer Peter Flume. 10 Tipps, wie es besser klappt. Nur Mut. Und auf Los gehts los…

Tipps vom Rhetorik-Profi, Peter Flume spricht Klartext…

  1. Eintönigkeit. Die Rede geht schon viel zu lange, der Sprecher liest monoton seinen Text vom Bildschirm ab. Endlich ist die Tortur vorbei und die Mitarbeiter strahlen vor Freude in ihre Webcam. „So bitte nicht“, rät der langjährige Rhetoriktrainer Peter Flume. 15 Minuten sind laut Experten genug. Abwechslung im Programm sei außerdem der Schlüssel, um einen Reinfall zu vermeiden. Gerade schwache Redner sollten zu dieser Option greifen, um die Mitarbeiter nicht zu langweilen.  
  2. „Alle 60 bis 90 Sekunden darf eine Veränderung stattfinden“, weiß der Nürtinger. Abwechslung im Redestil ist auch hinter dem Bildschirm essenziell. Monotones Reden hilft Mitarbeitern zwar vor den PC einzuschlafen – aber dies sollte nicht Ihr Ziel sein. Auf dem Programm stehen also die drei treuen Begleiter für gute Redner: deutliche Aussprache, gute Pausen und richtige Betonung setzen. Ein zusätzlicher Tipp von Flume für die Online-Situation: genügend Distanz zur Kamera schaffen, damit Sie mit den Händen arbeiten und gestikulieren können.
  3. Alle Online-Feature ausnutzen. Für viele sind Meetings in Zoom und Co. Neuland. Da möchte man gerne jedes Feature ausnutzen. „Behalten Sie im Hinterkopf, dass es immer noch eine klassische Weihnachtsrede sein soll“, so Flume. Ein dramaturgischer Wechsel präventiert zwar Langeweile, kann aber auch schnell „too much“ werden.
  4. Für die Mitarbeiter zuhause vor den Bildschirmen sind Sie in den 15 Minuten zwar das abendliche Unterhaltungsprogramm – schon fast wie beim Fernsehen – jedoch gilt es die Balance zu finden zwischen abwechslungsreicher, interessanter Rede und einer Witz-Show: Zwei Redner, die sich wie in einer Nachrichtensendung immer wieder den Ball zu spielen sind für die Abwechslung sinnvoll. Einspieler mit kurzen Videosequenzen zu dem Unternehmen sind für die Mitarbeiter relevant. Spaßig gemeinte Corona-Witzvideos, die Sie zuvor auf Whatsapp bekommen haben, gänzlich unpassend.  
  5. Auf der Situation rumreiten. Corona hat so ziemlich jedem Unternehmen das Jahr schwerer gemacht. Auch in den Privatleben hat die Pandemie einiges durcheinandergebracht. Kein Grund jedoch, auf dem Thema rumzureiten und allen noch einmal die Unsicherheit der momentanen Situation vor Augen zu halten. Stattdessen ist Lob angebracht für den Zusammenhalt und das Durchhaltevermögen aller Mitarbeiter. Führen Sie allen noch einmal vor Augen, was alles geschafft wurde trotz veränderter Gesamtumstände.
  6. „Die Highlights des zurückliegenden Jahres kurz anzusprechen ist sinnvoll und nötig, aber der Blick in die Zukunft ist essenzieller“, so der 55-Jährige. Mitarbeiter wollen wissen, wie es nach der Weihnachtspause weitergeht. Ein perfekter Zeitpunkt also, um über Ziele zu reden und den Grundstein für Neues zu legen. 
  7. Der Technik nicht gewachsen sein. Nach Monaten im Homeoffice mit verzögerten Antworten und „kannst du mich sehen?“, sollten bei der Online-Weihnachtsrede keine Unsicherheiten gegenüber der Technik mehr bestehen. Ein technischer Probelauf inklusive Aufzeichnung kann hilfreich sein, um ohne Komplikationen und selbstsicher in die Aufgabe des Redners zu wachsen. So können Sie auch im Voraus sehen, ob die Rede für den Zuhörer visuell und virtuell ästhetisch ist. „Wie im Home-Office ist die stabile WLAN-Verbindung nützlich“, schmunzelt Flume. 
  8. Wichtig auch: achten Sie sorgfältig darauf, dass alles was Sie sagen auch in die Öffentlichkeit darf. Im Zeitalter von Social-Media könnten Sie durch Aufzeichnungen von den Mitarbeitern und falsch gewählten Aussagen sonst schnell zum Meme auf Instagram und Co. – und somit zur Lachnummer – werden.  
  9. Falsches Set-Up. Der Chef sitzt gemütlich auf dem Sofa, der Hund schläft neben ihm, überall funkeln Weihnachtslichter, das Baby schreit im Hintergrund. „Bedenken Sie, dass für die Weihnachtsrede ähnliche Regeln gelten, wie für Online-Meetings“, erinnert der Rhetorik-Experte. Sicherlich darf das Ganze eine etwas persönlichere, private Note beinhalten, Professionalität ist jedoch großgeschrieben. Sorgen Sie für ein passendes Raum-Set-Up – „Wie als würden Sie eine Bühne bilden.“ Mit einem Platz zuhause am Schreibtisch mit Mini-Weihnachtsbaum oder im dezent weihnachtlich geschmücktem Büroraum kann nichts schiefgehen. Nicht nur der Raum sollte vorbereitet sein, auch Sie selbst sollten sich rausputzen. Jogginghose und Jeans dürfen dabei im Schrank bleiben. Eine gute Belichtung bringt Sie zusätzlich in Szene.
  10. Rede als Anfang und Ende. Die Online-Weihnachtsrede ist beendet, am besten noch ein „danke fürs Zuhören“ und weg ist der Chef. Zurück bleiben 100 verdutzte Mitarbeiter vor dem Bildschirm, die nicht wissen was passiert. „Obwohl keine richtige Weihnachtsfeier stattfinden kann, ist ein virtuelles Beisammensein nach der Rede empfehlenswert“, sagt Flume. Für das digitale Get-Together sind Breakout-Sessions oder Tools, wie Wonder, perfekt. Denn so wird im wahrsten Sinne des Wortes Raum zum Feiern geschaffen und kleine Gruppen können sich zum klassischen Party-Geplänkel „versammeln“. Hier können Sie mit ihren Mitarbeitern auf das tolle Jahr anstoßen – am besten mit Getränken aus dem Care-Paket, das sie zuvor allen zukommen lassen haben – und mit leiser Hintergrundmusik den Abend ausklingen lassen.  

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