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Gefrustet, blödes Feedback,  ein dummer Fehler. Gründe um im Job (un)zufrieden zu sein gibt es viele. Also, im Unternehmen bleiben oder wechseln? Ein paar Entscheidungshilfen auf dem Weg, deiner Berufung zu folgen. Leseprobe von karrierebibel-Gründer und Bestseller-Autor Jochen Mai…

Alle vier Jahre – so oft wechseln Fachkräfte im Durchschnitt ihren Job und Arbeitgeber. Das gilt für Fachkräfte aus betriebswirtschaftlichen Berufen, der IT, dem Ingenieur- und Gesundheitswesen sowie der Forschung und Entwicklung – und es sind mehr Jobwechsel als im Bundesdurchschnitt aller Arbeitnehmer, wonach in Deutschland jeder zweite Arbeitnehmer frühestens nach zehn Jahren den Arbeitgeber wechselt.

Zunehmend mehr Biografien gleichen dabei einem Mosaik. Die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber spielt bei der Wechselbereitschaft erwartungsgemäß die größte Rolle. Überraschender aber ist: Das zweite Jahr ist offenbar das kritischste. Danach verlässt nahezu jede dritte Fachkraft (30 Prozent) ihren Arbeitgeber wieder. Knapp jeder Vierte plant, den Job nach zwei bis fünf Jahren zu wechseln. Und rund 15 Prozent springen schon nach weniger als einem Jahr wieder von Bord.

„Jeder dritte wechselt ab dem 3. Jahr die Firma“

Hier und da können die Zahlen natürlich variieren. Solche Umfragen sind ja nur Momentaufnahmen. Die Ergebnisse aber bedeuten: Wir stehen in regelmäßigen Abständen vor dem Dilemma: bleiben oder gehen?

Klar, es gibt dabei ziemlich eindeutige Faktoren, die einem die Entscheidung abnehmen können: Akutes Mobbing etwa oder eine chronische Unverträglichkeit gegenüber dem eigenen Chef können dafür sorgen, dass man nur allzu schnell das Weite sucht. Zu Recht übrigens.

Unzufriedenheit nicht gleich ein Kündigungsgrund!

Allerdings ist es nicht immer so offensichtlich und einfach. Viel häufiger ist da nur dieses dumpfe Gefühl, das sich nicht so recht definieren oder greifen lässt. Direkt bei der ersten Unzufriedenheit zu kündigen – das erscheint den meisten dann aber doch zu überhastet und impulsiv. Auch zu Recht. Denn wer gedanklich mit einem Jobwechsel liebäugelt, sollte seine eigene Motivation und die Gründe hinter diesem Vorhaben genau analysieren.

Hierbei gibt es sowohl gute als auch schlechte Gründe, über die man sich im Klaren sein sollte. Die Kündigung ist im Zweifelsfall schnell verfasst und eingereicht, doch sind die damit verbundenen Konsequenzen leider oft viel weitreichender und vor allem langfristiger als manch schlechte Laune nach einer anstrengenden Woche im Job. Daher und gedacht als Entscheidungshilfe:

Gute Gründe für einen Jobwechsel

  1. Frei nach Arthur Schopenhauer: »Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.« Wenn ein Job krank macht – egal, ob durch die Atmosphäre, den Stress oder die Kollegen –, sollte man die Notbremse ziehen und sich auf seine Gesundheit konzentrieren.
  2. Nicht jede Aufgabe im Job kann eine Herausforderung sein, doch sollte Langeweile auch kein Dauerzustand sein. Jeder Job braucht Herausforderungen, an denen man wachsen kann.
  3. Wir streben nach Entwicklung, wollen etwas erreichen und Ziele verwirklichen. Ist dies beim aktuellen Arbeitgeber nicht möglich, weil nahezu keine Beförderungen oder Fortschritte absehbar sind, geht schnell jeglicher Anreiz verloren – den ein anderes Unternehmen möglicherweise bieten kann.

Schlechte Gründe für einen Jobwechsel

  1. Akuter Frust. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben, von der Arbeit genervt sein und keinen Bock auf gar nichts haben. Diese Phasen können sogar länger Doch sollte man nie aus der Wut heraus dem Chef vorschnell die Kündigung auf den Schreibtisch donnern – schon gar nicht, wenn diese mit deftigen Worten garniert wird. Dabei zerstört man leicht Brücken, über die man vielleicht noch mal gehen muss (und sei es nur für ein gutes Zeugnis).
  2. Negatives Feedback. Die Standpauke vom Chef, das sogenannte Come-to-Jesus-Meeting, hört sich niemand gerne an. Kritik ist immer unangenehm, besonders wenn sie zutrifft oder sich an etwas richtet, das einem wichtig ist. Doch Kritik ist kein Kündigungsgrund, sondern sollte sportlich genommen werden. Auch wenn sie im Kleid eines Ausrufungszeichens daherkommt, ist sie ein Doppelpunkt: Danach geht es weiter – vorzugsweise besser. Anders sieht es nur aus, wenn der Chef immer grundlos meckert, persönlich wird oder tagtäglich kein einziges gutes Haar an seinen Mitarbeitern lässt. Das wäre dann wieder ein veritabler Grund zum Abschied.
  3. Grobe Fehler. Einige Patzer im Job sind wirklich schwerwiegend. Der Arbeitgeber verliert eventuell einen wichtigen Kunden, und es war sogar die eigene Schuld. Vor Scham möchte man im Boden versinken und sich auf und davon machen. Besser nicht! Es zeugt von mehr Größe, die Verantwortung zu übernehmen, daraus zu lernen und dafür zu sorgen, den Fehler nie wieder und wiedergutzumachen.

Ärger – macht Entscheidungen rationaler

Man mag es kaum glauben, da Wut mit Rationalität eigentlich rein gar nichts zu tun hat. Doch Wissenschaftler um Maia Young von der Anderson School of Management in Kalifornien fanden heraus: Wer sich ärgert und sich richtig aufregt, bis das Blut kocht, trifft im Anschluss rationalere Entscheidungen.

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Das dazugehörige Experiment ist zugegeben etwas gemein: Die ausgewählten Testteilnehmer sollten darüber diskutieren, ob eine Freisprechanlage das Autofahren beim Telefonieren sicherer mache. Zuvor wurden jedoch einige Kandidaten manipulativ auf die Palme gebracht. Als man die Diskutanten  anschließend  aufeinander  losließ,   hätte man ein einziges Hauen und Stechen erwarten können. Doch es kam anders.

Wer sich vorher aufgeregt und geärgert hatte, griff bereitwilliger zu den konträren Texten und differenzierten Argumenten und war auch eher bereit, seine bisherige Meinung zu hinterfragen oder gar zu ändern. Die Forscher glauben, dass es für das Nervenkostüm zwar durchaus eine Belastung darstellt, bis zur Weißglut getrieben zu werden, der Ärger unterdrücke aber wiederum klassische Fehlfaktoren bei einer Entscheidung: Statt unbewusst nach Bestätigung der eigenen Ansicht zu suchen, sind wütende Menschen neuen Meinungen und Standpunkten gegenüber offener.

Falls Sie sich also gerade über den Job ärgern: Die Entscheidung – bleiben oder gehen – könnte dadurch nur durchdachter ausfallen.

Gleichwohl sind die schlechten Gründe kein Appell, sich mit der aktuellen Situation einfach abzufinden. Unzufriedenheit im Job sollten wir vielmehr als Signal oder Symptom erkennen, die Lage reflektieren und uns fragen:

  1. Wie lange besteht das Problem schon?
  2. Glaube ich, dass es ein vorübergehender Zustand ist?
  3. Haben meine Kollegen ähnliche Beschwerden?
  4. Kann ich mit meinem Chef darüber sprechen?
  5. Habe ich eine berufliche Alternative?

Wer hier ehrlich mit sich selbst ins Gericht geht – aber auch dem Arbeitgeber und der Situation gegenüber fair bleibt –, erkennt meist schnell, ob der Wunsch nach einem Jobwechsel nur temporärer Unzufriedenheit entspringt oder ob wirklich eine berufliche Veränderung notwendig ist.

Bewegung hilft beim Entscheiden

Die negativen Auswirkungen durch stundenlanges Sitzen am Arbeitsplatz sind Ihnen wahrscheinlich schon bekannt. Eine deutsche Studie setzt aber noch einen drauf: Nicht nur der Rücken leidet darunter, den ganzen Tag zu sitzen – die Entscheidungen leiden ebenso.

Frank Fischer von der Münchner LMU kam zu diesem Ergebnis, als er Probanden in einer Reihe von verschiedenen Testbüros arbeiten ließ – mal an ergonomischen Stühlen, mal an Pinnwänden oder an höhenverstellbaren Tischen. Dabei beobachtete er das Arbeitsverhalten und siehe da: Wer öfter mal im Stehen arbeitete, hatte 24 Prozent mehr Ideen und traf in 25 Prozent der Fälle auch bessere Entscheidungen als die sitzen gebliebene Fraktion…

Exklusiver Auszug/ Serie in 5 Teilen aus: Jochen Mai: Warum ich losging, um Milch zu kaufen, und mit einem Fahrrad nach Hause kam. Was wirklich hinter unseren Entscheidungen steckt, © 2016 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München – andere Teile der Serie hier lesen!

Artikelbild: Jack Frog/ Shutterstock

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