Wie wäre es mit Ehrlichkeit? Eine Lücke im Lebenslauf. Per se kein Ausschlusskriterium, denn den perfekten Bewerber gibt es ohnehin nur in den seltensten Fällen. Ein professioneller Personaler wird einfache Tricks auch direkt durchschauen bzw. gegenprüfen. Wir haben dazu mit Michael Grotherr gesprochen…

Es ist daher meist vergebens, Angaben zu verkürzen oder aus der Arbeitslosigkeit eine Weltreise zu fantasieren. Viel problematischer wird es meiner Auffassung nach, wenn der Personaler Sie bei falschen oder arg geschönten Angaben erwischt. Dies schädigt natürlich direkt das Vertrauen in die Person. 

Karriere-Einsichten: Was sind geschickte oder eben auch sehr ungeschickte Synonyme, um gewisse Dellen zu beschreiben? So können zum Beispiel Auslandsaufenthalte ja sehr unterschiedlich sein. Der eine hat nur Urlaub gemacht, der andere ein Praktikum oder ein Auslandsstudium.

Michael Grotherr: Das lässt sich so kaum pauschalisieren. Natürlich gehört ein dreiwöchiger Urlaub auf Mallorca nicht in den Lebenslauf. Das dürfte jedem Bewerber klar sein. Aber eine längere Rucksackreise – auch ohne Studium oder Fokus auf Fremdsprachen – lässt für den Personaler natürlich interessante Rückschlüsse zu. Der Kandidat ist Neuem gegenüber offen, kann in unsicheren Situationen improvisieren, findet sich zurecht etc. – das kann durchaus als Plus gewertet werden. 

Karriere-Einsichten: Was wäre DER Tipp, einen Lebenslauf so zu verfassen, dass er idealerweise durch möglichst viele Roboter und Crawler durchfließt und eine Einladung zum ersten Bewerbungsgespräch eröffnet?

„Soft Skills machen den Unterschied“

Michael Grotherr: Mein Tipp wäre, ehrlich zu sein. Fallen Fehler bei den Angaben im Lebenslauf auf, die beim Abgleichen mit den Scans Widersprüche aufwerfen, kann dies ein Ausschlusskriterium sein. Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie Revue passieren, welche Fähigkeiten, Kenntnisse und Soft Skills Sie bei Ihren Stationen erworben haben. Kurz und knapp komprimiert sind das die Punkte, die für den Personaler wichtig sind. 

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Karriere-Einsichten: Das Problem beim „Überlisten“ von Programmen für den Bewerber?

Michael Grotherr: Besteht schon darin, dass er die Grundeinstellungen der Algorithmen nicht kennt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Recruitingsoftware auf dem Markt, welche alle mit unterschiedlichen Ansätzen arbeiten. Ein Bewerber kann kaum vorhersehen, welche Spezifika und welches Programm ein Unternehmen hier einsetzt. Es ist damit kaum machbar, die Technik zu überlisten.

Für meine Begriffe muss man aber auch ganz klar sagen: die Technologie macht den Bewerbungsprozess weitaus fairer und objektiver. Vor zwanzig Jahren landeten Bewerbungsmappen im Altpapier, weil dem Personaler die Farbe nicht gefiel. Diese Zeiten sind vorbei, die Technologie hilft, große Mengen Daten zu verarbeiten und vorzusondieren. Den Personaler unterstützen Bewerber am besten, wenn sie einfach das machen, was das Unternehmen von Ihnen verlangt: keine ausgefallenen Designs, logischer Aufbau etc.

Karriere-Einsichten: Bei der Auswertung von sogenannten sozialen Netzwerken, um Abweichungen im Lebenslauf zu erkennen, handelt es sich um eine juristische Grauzone. Wie können Bewerber peinliche Fauxpas verhindern, gibt es hier schon Tools, um sich zu wappnen und die Sicht der Personaler zu imitieren? 

Michael Grotherr: Beim Umgang mit sozialen Netzwerken ist generell Vorsicht geboten. Denken Sie zweimal nach, bevor Sie Meinungen posten, Fotos hochladen etc. Der Satz „das Netz vergisst nicht“ ist wenig originell – aber immer aktuell. Jugendsünden sind nicht mehr witzig, wenn sie nach zehn Jahren noch anhängen. In besonders harten Fällen ist dann die Hilfe professioneller Agenturen erforderlich, um bestimmte Inhalte nachhaltig zu löschen. 

Michael Grotherr (Foto: NN)
Michael Grotherr (Foto: NN)

Für die Bewerbung bleibt kaum mehr übrig, als sich einmal kritisch zu googlen. Was findet sich dabei? Personaler selber haben auch nur begrenzt Zeit. Zugängliche Daten dürfen sie verwenden. Ein schneller Hintergrund-Check gehört zum Standardprozedere. 

Karriere-Einsichten: Haben Sie sonst noch irgendwelche Tipps, was Bewerberinnen und Bewerber in Zeiten von Blockchain-Technologie, sogenannter Künstlicher Intelligenz und Robotern bei der Bewerbung berücksichtigen sollten?

Michael Grotherr: Arbeiten Sie ehrlich und stringent. Ungereimtheiten fallen dank Algorithmen noch schneller auf und werden häufig als Ausschlusskriterien gewertet. Der Versuch, schlauer zu agieren als die Algorithmen ist in meinen Augen Zeitverschwendung. Verwenden Sie diese Energie doch lieber, um sich aktiv fortzubilden, neue Zertifikate zu erwerben. Diese machen sich im Lebenslauf gut und Tricksereien sind somit nicht mehr nötig. 

Karriere-Einsichten: Das Thema Ethik ist nicht unwichtig. Auch der Datenschutz. Haben Sie hier noch Ergänzungen? 

Michael Grotherr: Bei der Auswertung von Informationen im Netz sind den Personalern tatsächlich regulatorische Grenzen gesetzt. Aber ich muss jedem Bewerber zur Vorsicht raten. Zwar darf ein Unternehmen nur öffentlich zugängliche Daten prüfen – aber das Risiko besteht natürlich immer. Geraten Bilder, Veröffentlichungen etc. doch in falsche Hände, wird der Personaler im Zweifel Begründungen für eine Absage finden. 

Über den Gesprächspartner: Michael Grotherr ist seit 2017 Vice President Central Europe bei Cornerstone OnDemand. Grotherr verfügt über umfassende Branchenkenntnisse und detailliertes Wissen in den Bereichen Strategic Leadership, Unternehmensentwicklung und Human Capital Management…

Artikelbild: sianstock/ Shutterstock