Statt einer Umsetzungskultur herrscht in Unternehmen oft eine Ausredenkultur! Demzufolge werden immer weniger Ergebnisse erreicht, die das Unternehmen in der notwendigen hohen Geschwindigkeit nach vorne bringen. Strategien laufen ins Leere, Ziele werden verpasst und sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter haben das Gefühl, immer wieder zu scheitern. Von Elmar Lesch und Ralf Koschinski…

Die jährlich erstellte Benchmark Studie Vertriebskompass der Vertriebsberatung Siers & Collegen in Zusammenarbeit mit der FH Aachen, zeigt, dass 43 Prozent der Projekte an der Umsetzung scheitern. Die bekannte Gallup-Studie belegt außerdem, dass jede dritte Arbeitsstunde verschwendet wird, also keine Ergebniswirkung hat. Wunder ist das keines, schließlich wird heute eher mit Fokus Ziel als mit Faktor Mensch geführt. Wirtschaftlich und menschlich betrachtet, führt dies in den meisten Fällen nicht nur zu keiner Lösung, sondern sogar zur Lähmung.

Schnelle Umsetzung ist gefragt

Um als Unternehmen in der VUCA-Welt überlebensfähig zu bleiben, ist eine schnelle Umsetzung notwendig. Es gilt, Chancen und Potenziale zu erkennen, agil zu denken und zu handeln, sich persönlich kontinuierlich weiterzuentwickeln und möglichst flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Voraussetzung dafür sind Menschen, die in der Lage sind, je nach Bedarf zu führen und folgen, mal Coach und mal Coachee, immer aber für den jeweiligen Prozess, das Projekt oder eine Aufgabe verantwortlich – und damit beteiligt – zu sein. 

Mensch statt Ziel

Umsetzung scheitert häufig, weil sich sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte oder Projektleiter nicht selbst reflektieren und nicht kontinuierlich an ihrer Verbesserung bzw. Erneue­rung arbeiten. Aufgrund von Überlastung durch das Tagesgeschäft verharren sie in der Gegenwart sowie im Status quo.

Es fehlt häufig das richtige Mindset für eine erfolgreiche und dauerhafte Umsetzung. Dabei müsste dafür einfach nur der Mensch in den Mittelpunkt der Zielerreichung rücken – und nicht das sachliche Ziel an sich. Zugegeben, das geht nicht immer so schnell, wie wir es vielleicht erwarten. Und manchmal tut es auch weh. Aber ohne diese notwendige weitere Veränderung keine Umsetzung – und ohne Umsetzung kein Erfolg!

Ursachen für Scheitern: Die 6 S.A.U.-Fallen

Gestatten, S.A.U.-Prozess – ich beschreibe das „Scheitern AUmsetzung“. Meine Auswirkungen sind dramatisch. Schaffen es Unternehmen nicht, den S.A.U.-Fallen zu entkommen, ist der wirtschaftliche Erfolg in Gefahr. Tappen einzelne Führungskräfte in die S.A.U.-Fallen, hat dies schädliche Auswirkungen sowohl auf deren Leben als auch auf das ihrer Mitarbeiter.

  • Die erste S.A.U.-Falle ist die Positionierung aufgrund der fehlenden Beschäftigung mit der Ausgangsfrage: „Wo stehen wir heute und warum?“.
  • Die zweite S.A.U.-Falle ist die Perspektive durch eine fehlende klare Vision sowie genaue Zukunftsideen für Unternehmenswachstum und Fortschritt. „Wo wollen wir hin?“ wird nicht ausreichend diskutiert.
  • Die dritte S.A.U.-Falle ist das Personal. Hier geht es um das Verharren in der Komfortzone und die mangelnde Motivation für Umsetzung. Der Grund? Immer weniger Mitarbeiter sind emotional an das Unternehmen gebunden.
  • Die vierte S.A.U.-Falle ist der Plan. Es fehlt die Orientierung. Zu viele oder nicht messbare Ziele, keine Priorisierung und Auf­tragsklärung führen zur Verunsicherung, sodass die Umsetzung erst gar nicht in Gang kommt.
  • Die fünfte S.A.U.-Falle ist der Prozess. Hier geht es um die zu geringe oder fehlende Transparenz hinsichtlich der Verantwort­lichkeit und um die erforderlichen Kompetenzen. Wie ist der Prozess genau definiert und welche Teilschritte – das Was – sind konkret zu tun?
  • Die sechste S.A.U.-Falle ist das Potenzial. Aufgrund schwacher Analysen werden Zukunftspotenziale nicht erkannt, es fehlt Kreativität und kein Innovationsprozess kommt in Gang. Mangelnde Selbstkritik sowie eine schlechte Fehlerkultur im Unter­nehmen führen zusätzlich zu einer grundlegenden und weitreichenden Stagnation.

Die 8A-Umsetzungsmethode

Es fehlt ein Lösungsansatz, mit dem Unternehmen und Menschen Verände­rungen nachhaltig bewältigen können. Die Vielzahl an Werkzeugen und Methoden verwirrt mehr, als dass sie hilft. Es gibt keine Instrumente, die im kontinuierlichen Change-Prozess wirklich die Mitarbeiter als Menschen in den Mit­telpunkt stellen, damit diese dauerhaft mitgenommen und motiviert werden.

Das Gute ist: Jeder hat immer die Möglichkeit, Bedingungen zu verändern! Wie dies gelingt? Mit der 8A-Umsetzungsmethode – nachzulesen im Buch „Umsetzen statt Scheitern“ (ISBN 978-3-648-12270-9)

Elmar Lesch, Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), ist international zertifizierter Unternehmensberater BDU/CMC sowie erfolgreicher Führungs- und Verkaufstrainer, Businesscoach, Projektmanager und Lehrbeauftragter für Projektmanagement.
Ralf Koschinski, Dipl.-Kaufmann, begeistert Führungskräfte und Verkäufer als Vortragsredner und Erfolgstrainer. Er ist zertifizierter Management- & Business-Coach sowie Mittelstandsberater. Mehr über beide Autoren unter www.umsatzmeister.de

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