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Simone und Jochen Stargardt pfeifen schon lange darauf: auf die viel umjubelte Work-Life-Balance. Das erfolgreiche Unternehmerehepaar vermischt Job und Privates lieber – denn wer Arbeit und Leben trennt, hat am Ende weder vernünftig gearbeitet noch richtig gelebt. Im Interview verraten die Stargardts euch ihr Erfolgsrezept und wie ihr die Arbeit nie mehr als lästige Unterbrechung der Wochenenden empfindet…

Karriere-Einsichten: Sie teilen Ihr Privatleben und sehen sich zusätzlich jeden Tag im Job. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass gerade Sie ein dringendes Bedürfnis nach einer guten Work-Life-Balance haben.

Simone Stargardt: Ja, das bekommen wir öfter zu hören: „Ihr sitzt den ganzen Tag aufeinander – wie schaltet ihr da denn nach der Arbeit ab?“ Wir lösen das Problem, indem wir sagen: Gar nicht!

Jochen Stargardt: Das heißt nicht, dass wir Workaholics sind. Im Gegenteil. Auch wir nehmen uns gerne mal eine Auszeit, um Polo zu spielen oder in Ruhe ein Glas Wein zu trinken. Aber die strikte Trennung von Arbeit und Leben halten wir für falsch.

Simone Stargardt: Der Begriff „Work-Life-Balance“ suggeriert immer, dass man zwei verfeindete Lebensbereiche in ein Gleichgewicht bringen muss. Zufriedenheit stellt sich aber nicht ein, wenn wir diese Bereiche voreinander schützen.

Privat beruflich, beruflich privat?

Karriere-Einsichten: Sie leiten gemeinsam eine Akademie für berufsbegleitende Weiterbildungen, sind als Consultants und Trainer in Unternehmen aktiv, halten Vorträge, unterstützen Start-ups … Wollen Sie sich da nach einer langen Woche nicht einfach nur noch auf Ihr Privatleben konzentrieren?

Jochen Stargardt: Wir kennen einige Menschen, die genau so leben. Die den Stress im Büro lassen und sich nach Feierabend in ihr wahres Leben stürzen. Und sind sie einmal weg vom Schreibtisch, dann sprechen sie um Gottes Willen nicht mehr über die Arbeit.

Simone Stargardt: Sie leben dann ja schließlich – bis zum nächsten Morgen. Diese Betrachtungsweise finden wir extrem traurig. Denn sie heißt ja im Umkehrschluss, dass die Menschen alles tun, damit diese lästige Arbeit nicht ihr schönes Leben unterbricht. Ergo kommen mindestens acht Stunden am Tag der Hölle gleich.

„Arbeit? Die Hälfte des Lebens“

Jochen Stargardt: Das ist die Hälfte eurer Lebenszeit! Wie anstrengend muss es sein, die Hälfte meiner alltäglichen Tätigkeiten aus meinem privaten „Leben“ herauszuhalten? Zumal die Zweiteilung in Arbeit und Leben vollkommen künstlich und konstruiert ist.

Simone Stargardt: Eben. Schließlich hat doch jeder Mensch unterschiedlich viele Bereiche, die ihm wichtig sind. Arbeit und Leben, ja. Aber auch Individuelles, Familiäres, Soziales … Da eine Balance von Fifty-fifty zu verordnen, wie die Work-Life-Balance es impliziert, kann gar nicht den individuellen Bedürfnissen entsprechen.

Unternehmerehepaar: die Stargardts… (Foto: privat)

Karriere-Einsichten: Wenn Sie also strikt keine Work-Life-Balance leben – haben Sie dann auch keinen Urlaub?

Jochen Stargardt: Oh doch, den gönnen wir uns natürlich! Die Vermischung aus Beruflichem und Privatem, die wir leben, bedeutet nicht, dass wir nie eine Pause einlegen. Aber ja, wir checken auch im Urlaub unsere Arbeits-E-Mails. Weil wir wissen wollen, was läuft. Um im Bilde zu sein. Und damit uns nicht dauernd die Angst im Hinterkopf plagt, dass bei der Rückkehr ein Desaster auf uns wartet.

Vermischung aus Privat- und Berufsleben

Simone Stargardt: Wir sparen uns auf diese Weise auch das typische Spiel vor dem Urlaub: den Ausnahmezustand, wenn man händeringend versucht, vor dem Urlaub noch schnell den Schreibtisch leerzuarbeiten. Wenn wir diesen Draht zur Arbeit halten, haben wir schlicht und einfach keine Unsicherheiten. Weil wir wissen, dass in unserer Abwesenheit nichts anbrennt.

Wir kennen die Probleme und können entscheiden, ob wir sie gleich lösen wollen oder erst nach unserem Urlaub. Und praktisch verbringen wir damit höchstens eine Stunde pro Tag. Wir lesen, was läuft, geben einige Rückmeldungen, treffen ein paar Entscheidungen. Fertig!

Jochen Stargardt: Das Schöne daran ist, dass uns nach unserer Rückkehr kein Chaos erwartet, sondern ein sauberer Schreibtisch. Würden wir Arbeit und Leben erbittert trennen, würden wir nach einem Urlaub überrollt von liegengebliebenen To-dos und Tasks. Dann ist das Stresslevel innerhalb weniger Stunden wieder auf einem Niveau, dass man sich wünscht, man wäre nie in Urlaub gefahren.

Karriere-Einsichten: Dass Sie Ihre Arbeit mit in den Urlaub oder nach Hause nehmen, lässt Sie also ingesamt entspannter leben?

Simone Stargardt: Absolut. Eine strikte Trennung käme meiner Meinung nach sogar einer Persönlichkeitsspaltung gleich. Es ist die Mischung, die uns den Alltag erleichtert. Das heißt, dass wir auch nach Feierabend mal noch in unsere Mails schauen.

Im Büro auch mal „Privatkram“ machen

Aber umgekehrt genauso, dass wir auch bei der Arbeit mal „Privatkram“ erledigen oder ein bisschen Zeit auf Facebook verplempern, wenn der Kopf gerade nicht mehr recht denken will. Und das ist übrigens kein Privileg für uns als Unternehmer! Das Prinzip gilt gleichermaßen für unsere Mitarbeiter. Wir fordern nur, dass sie ehrlich mit uns darüber sprechen.

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Jochen Stargardt: Dass Mitarbeiter in der Pause auch mal privat etwas am Rechner tun, finden wir nämlich völlig okay. Doch wir wünschen uns, dass sie mit offenen Karten spielen.

Wenn sie heimlich am Firmencomputer ihren Wochenendausflug recherchieren oder die Unterlagen für den Sportverein ausdrucken, kommt das ganz schnell einem Vertrauensbruch gleich, allein schon arbeitsrechtlich. Kommunizieren sie solche Tätigkeiten hingegen ihrem Chef, wird sich wohl kaum jemand über solche Kleinigkeiten empören.

Simone Stargardt: Und das würde ich übrigens jedem Arbeitnehmer empfehlen: Falls ihr euch unsicher sind, was bei euch erlaubt ist und was nicht, fragt nach. So setzt ihr euer gutes Verhältnis zur Geschäftsleitung schon nicht der Gefahr aus, dass eine Lappalie sich zum Vertrauensbruch aufschaukelt. Wenn ihr offen kommuniziert, kommen Missverständnisse nicht so rasch auf.

Über die Interview-Partner: Simone und Jochen Stargardt führen ein Leben als Profis. Ihre Definition von Erfolg: Er ist die Folge intelligenter Arbeitsweisen. Die Autoren verkörpern eine moderne, radikal selbstbestimmte Lebensweise – im gemeinsamen Arbeits- und Privatleben. Die Devise des Unternehmerehepaares: Arbeit ist Leben und Leben ist Arbeit. Denn mit der Qualität der Arbeit steigt auch die Lebensqualität…

Artikelbild: magann/ Fotolia.com

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