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Mach doch was du liebst. Und werde richtig gut darin, statt es im Arbeitsleben einfach immer nur anderen recht zu machen. Das ist die Formel von Anja Förster und Peter Kreuz. Ihre Plädoyers im neuen Buch: Sei außergewöhnlich, leidenschaftlich, unbequem, anspruchsvoll, wertvoll. Gespräch mit dem Duo…

Diese Lebenserkenntnis teilen Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem neuen Buch „Macht, was ihr liebt!“ mit jedem, der bereit ist aufzubrechen, Neues zu wagen und sein Leben in die Hand zu nehmen.

Was hat Sie zu diesem Buch motiviert?

Eine sehr ernüchternde Beobachtung, die wir immer wieder im Arbeitsalltag gemacht haben: Viele Menschen schleichen wie Zombies zur Arbeit und der Höhepunkt ihres Tages ist die Vorfreude auf den Feierabend oder das nahende Wochenende.

Was für eine Verschwendung von Lebensenergie! Unsere Botschaft ist eine andere: Keiner von uns muss ein Opfer der Umstände sein. Jeder von uns hat die Wahl, seine Talente zu entdecken und etwas daraus zu machen – oder vor sich hinzudämmern, als Teil der Kulisse auf eines Anderen.

Wer sollte das Buch lesen?

Menschen, die Lust haben, die beste Version ihrer selbst zu werden. Also alle, die heute noch das Gefühl haben, nach den Regeln anderer leben zu müssen. Die sich gefangen fühlen in einer Arbeit, die bestenfalls mittelmäßig ist.

Welche persönlichen Erfahrungen sind in dieses Buch mit eingeflossen?

Bis zum Jahr 2000 drehte sich unser Leben im Kreis. Anja war Managerin bei einer großen Unternehmensberatung und Peter war Assistant Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Unser Denken und unser Handeln waren geprägt von der oft sehr eintönigen Normalität in großen Organisationen.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes zum Thema strategische Innovation hatte Peter die Chance, ungewöhnliche Menschen kennen zu lernen. Echte Querdenker, die Konventionen in Frage stellen, ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen haben und damit viel glücklicher waren als alle Leute um sie herum. Nach und nach begannen wir beide, uns mit diesen Menschen zu umgeben. Der Funke sprang auf uns über und hat uns seitdem nicht mehr losgelassen.

Das Buch in zwei Sätzen

Das höchste Ziel in unserem Leben ist zu sein, wer wir sind.

Ihr Buch enthält kurze Kolumnen – ist es nun eine Lesebuch oder doch eher ein Business-Ratgeber?

Es ist beides, ein Lesebuch und ein Business-Ratgeber für Menschen, die im Arbeitsleben stehen.

Wenn es eine Kernaussage gäbe, die sich der Leser an einen gut sichtbaren Ort hängen sollte, um immer wieder daran erinnert zu werden, welche wäre das?

„Sucht die Chance, nicht die Hindernisse! Brecht die Regeln! Gebt mehr als ihr nehmt! Macht, was ihr liebt! Lasst alles andere sein! Seid besser die erstklassige Version eurer selbst, als die zweitklassige Version eines anderen.“

Wie sähe eine Welt aus, in der viele Menschen die Ideen aus Ihrem Buch umsetzen?

Menschen trennen dann nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit, denn Arbeit ist für sie eine gute Zeit, in der sie Sinnvolles gemeinsam mit anderen Menschen gestalten können. Das hat auch Auswirkungen auf Unternehmen, die sehr viel innovativer und wandlungsfähiger und letztlich auch erfolgreicher sind, weil sie das volle Potenzial ihrer Mitarbeiter nutzen. Und last but not least: Es wäre eine andere Gesellschaft, eine die sehr lebendig ist.

Fällt es Ihrer Erfahrung nach Männer oder Frauen leichter, Neuland (auch gedankliches) zu betreten?

Der Mut, Neuland zu betreten, hat weder etwas mit dem Geschlecht, noch mit der Ausbildung, dem Alter, der Hautfarbe oder der Schuhgröße zu tun. Was es dafür braucht, sind zwei Dinge: Leidenschaftliche Neugierde und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Diese beiden Eigenschaften sind essentiell, denn Sie können nur dann Neuland entdecken, wenn Sie neugierig sind und kluge Risiken eingehen, sozusagen wohlinformierte und durchdachte Wetten, die sich auf der Entdeckungsreise auszahlen.

Sie sind vielgebuchte Speaker, erfolgreiche Buchautoren, erfahrene Unternehmensberater, wie motivieren Sie sich, jeden Tag aufs Neue Topleistungen abzuliefern?

Entscheidend für unsere Selbstmotivation ist es, zu erkennen, wofür wir brennen und sich ein Spielfeld zu suchen, wo das auch gewollt wird. Das haben wir getan und arbeiten nun jeden Tag daran, dass das auch so bleibt. Was wir geradezu irrsinnig finden, ist, dass viele Menschen sagen:

„Freizeit begeistert, und dein Job?“

Die Momente, in denen ich mich total für etwas begeistern kann, gibt es nur in meiner Freizeit. Dahinter steht die Denkhaltung: Es gibt ein Freizeit- und ein Arbeits- Ich. Beides sollte man in seinem Leben zusammenführen.

Ist das nicht ein bisschen simpel zu sagen: Macht, was Ihr liebt – und schwups, seid Ihr glücklich und alles wird gut?

Nehmen Sie einfach das Gegenteil von „Macht, was ihr liebt“. Das ist „Macht, was von euch erwartet wird“. Und genau daran halten sich die meisten Menschen. Sie arbeiten fleissig, schließen Versicherungen ab, konsumieren, bedienen Kredite, erfüllen ihre Pflicht – und fallen nie unangenehm auf.

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Das kann man so machen, aber es ist ein sehr begrenztes Leben. Unser Leben kann dramatisch reicher sein, wenn wir eine Sache kapieren: All die großartigen Dinge um uns herum sind von Menschen erschaffen worden, die keinen Tick intelligenter sind als wir. Es sind einfach nur Menschen, die dieses begrenzte Leben nicht akzeptiert haben.

Die fünf Plädoyers in Ihrem Buch lauten: Sei außergewöhnlich, sei leidenschaftlich, sei unbequem, sei anspruchsvoll und sei wertvoll. Was meinen Sie damit?

Unser Leben ist kein Zufallsprodukt. Wir alle haben die Chance, zu machen, was wir lieben und dem Leben unseren Stempel aufzudrücken. Wir müssen nur die irrige Vorstellung abschütteln, dass man das Leben eben so hinnehmen muss, anstatt es mit offenen Armen zu empfangen. Wer das erst mal begriffen hat, wird nie mehr derselbe sein.

Wie setze ich das konkret für mich um?

Alles beginnt damit, präsent und wach zu sein und ganz bei dem, was ich gerade tue. Das hört sich selbstverständlich an, aber die meisten Menschen eilen fleißig und geschäftig wie Roboter durch ihr Leben, sind aber nie wirklich da. Der zweite wichtige Aspekt ist, dass ich mir meiner Freiheit zur Wahl bewusst werde. Wo immer wir im Leben stehen, wir können jeden Tag neu wählen.

Mal angenommen, jemand sagt Ihnen, er hätte bereits eine Menge Verpflichtungen als Familienvater oder -mutter und könne die Sicherheit nicht über Bord werfen und einfach „machen, was man liebt“. Was antworten Sie?

Jedes Risiko zu vermeiden, den frustrierenden Job hinzunehmen anstatt den Mut aufzubringen, etwas zu ändern und lieber den planierten Weg zu gehen als seinen eigenen Weg zu suchen, das alles ist ein freiwilliges Einverständnis, am Ende die Hälfte des Lebens ungelebt zurückzugeben, seinen Cocktail nicht auszutrinken, sondern angenippt stehen zu lassen.

Wie gestalten Sie ihr Lebensumfeld?

Wir versuchen, unser Umfeld bewusst zu gestalten. Was uns dabei hilft, ist unsere Not-To-Liste, die wir seit über einem Jahr führen. Dadurch ist uns erst so richtig bewusst geworden, wie viele alltägliche Kleinigkeiten uns den Kopf verstopfen. Nach jedem „Na, das hätten wir uns aber echt sparen können“ oder „Das hat’s doch wirklich nicht gebracht“ wird eben dieses misslungene Stückchen Alltag auf die Liste gesetzt: Bekanntschaftsmüll, Reizmüll, Konsummüll, News-Müll, Nahrungsmüll. Der Effekt ist gewaltig! Das Lähmende, Energiesaugende, Fremdbestimmte wegzulassen, hält den Kopf frei fürs Wesentliche.

Leben und Arbeiten zu zweit – geht das gut?

Die Vorstellung, nicht nur privat, sondern auch beruflich ein Paar zu sein, ist für viele weniger Wunsch als Alptraum. Zumindest scheint es uns so, wenn wir die vielen erstaunten Fragen nach dem Muster ‚Wie haltet Ihr das bloß aus?’ als Maßstab nehmen. Wir sehen das anders: Wir schreiben seit über einem Jahrzehnt Bücher zusammen und arbeiten zusammen. Wir lieben uns und das, was wir tun. Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren. Finden wir.

Artikelbild: bikeriderlondon/ Shutterstock

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