Wie können Unternehmen nicht nur anders, sondern besser und erfolgreicher sein? Sabine Hübner und Carsten Rath beschäftigen sich in ihrem Buch „Das beste Anderssein ist Bessersein“ unter anderem mit Talentauswahl und der Frage, ob Fachkräftemangel auch Talentemangel impliziert. Ein Auszug…

[dropcap]N[/dropcap]un: Wir könnten jetzt einstimmen in das große Gejammer namens „Fachkräftemangel“ und Ihnen versichern, dass Sie nur deshalb noch keinen exzellenten Service bieten, weil es sie in unserer mindestens vom Aussterben bedrohten Bevölkerung gar nicht gibt, die exzellenten Fachkräfte. Dass Sie gar nichts dafür können, wenn Ihr Unternehmen noch meilenweit weg ist von Service-Excellence. Dass die Lage also aussichtslos ist. Das tun wir aber nicht.
Sag mir, wo die Fachkräfte sind

Denn zum Glück wissen wir genau wie Sie, dass das Unsinn ist. Fachkräftemangel gibt es zwar tatsächlich. Aber nur in wenigen Branchen und Regionen, ansonsten handelt es sich um Medienrummel und um ein wunderbares PR-Argument für alle, die ihre Brötchen mit Personalfragen und Demografieprognosen verdienen – und das sind viele.

Fakt ist: Exzellente Fachkräfte sind da

Sie schauen nur manchmal ein wenig anders aus als die Klischeevorstellung einiger Personaler. Wir hatten zum Beispiel einmal einen Bewerber aus China, der kaum ein Wort Deutsch sprach. Alles, was er konnte, hatte er sich selbständig mit Online-Programmen beigebracht. Doch er war wild entschlossen, in Deutschland eine Ausbildung und dann Karriere in der Hotelbranche zu machen. Er überzeugte uns.

Und nach der Ausbildung zeigte sich: Er war nicht nur in Sachen Service sehr viel besser als seine einheimischen Kolleginnen und Kollegen, sondern übertrumpfte sie außerdem im Fach Rechtschreibung – und schloss seine Prüfungen als bester Absolvent des gesamten Bundeslandes ab. Zugegeben: Hier waren wir ein Risiko eingegangen – und es hat sich gelohnt. Wir haben gewagt und gewonnen. Und einmal mehr gesehen: Leidenschaft und Passion sind ein enorm starker Motor. Alles lässt sich trainieren, aber nicht diese Haltung. Der junge Kandidat hat übrigens wirklich Karriere in der Hotelbranche gemacht.

[pullquote align=“right“]“Gewöhnliche Methoden spülen gewöhnlich geföhnte Bubis und Barbie-Puppen im Business-Look ins Unternehmen. Durchschnitt statt Excellence.“[/pullquote]Um es einmal zuzuspitzen: Die Zahl der rasend gut aussehenden, blutjungen, top ausgebildeten Bewerber aus gutem Hause mit reichlich Auslandserfahrung, vier verhandlungssicheren Sprachen und Doppelstudium ist begrenzt. Und: Außergewöhnliche Bewerber lassen sich nicht mit gewöhnlichen Recruitingmethoden finden. Denn gewöhnliche Methoden spülen gewöhnlich „geföhnte Bubis und Barbie-Puppen im Business-Look“ ins Unternehmen. Durchschnitt statt Excellence.

Auswahlkriterien nach Unternehmensrelevanz

Nun gibt es Unternehmer, die denken sich: „Okay, dann wähle ich Kandidaten möglichst quer gedacht aus, vielleicht bei einer Wanderung in den Alpen, auf einer Lego-Baustelle oder in einem Internet-Ballerspiel!“ Alle diese Fälle gibt es tatsächlich! Nur fürchten wir, dass Unternehmen auch damit nicht wirklich weiter kommen. Denn quer gedacht ist noch lange nicht richtig gedacht. Kreativ gedacht ist nicht zwingend relevant gedacht. Und anders denken heißt noch lange nicht, den Nagel auf den Kopf treffen. Anders ist nicht gleich relevant. Denn was sagt ein Gipfelsturm, eine Legomonumentalbauplanung oder der Sieg über den endboss über Excellence im Job aus? Nichts. Gar nichts.

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Wer will das nicht: gut aussehende, überaus motivierte Strahlemänner (und -frauen) im Büro. Was man dafür unternehmen bzw. unterlassen muss…

Besser erscheinen uns da die Strategien, die anders mit relevant verbinden: So sucht das Softwareunternehmen SAP aktuell gezielt nach begabten Autisten für spezielle Programmierarbeiten. Und das Projekt „discovering hands“® setzt den überlegenen Tastsinn blinder und sehbehinderter Frauen im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung ein.

Das Problem: In vielen Unternehmen wurden weder relevante Kriterien noch strategische Konzepte rund um das Thema Talentauswahl festgelegt. Vor lauter Ratlosigkeit werden dann Bewerber eingestellt, die gute Noten mitbringen. Nach dem Motto: Ein gutes Testsiegel ist ein guter Anfang. Aber heißt eine volle Punktzahl in Altgriechisch, dass der Kandidat Sinn für Service-Excellence mitbringt? Natürlich nicht.

Immer wieder werden auch Bewerber eingestellt, die so sind wie alle anderen Mitarbeiter. Insbesondere so, wie der auswählende Interviewer. Oder wie der Chef. Stellen Sie sich das mal auf dem Fußballfeld vor: Elf Stürmer, oder noch schlimmer, elf Torwarte. Der Moment des Wiedererkennens eines alten Musters löst ein angenehmes Gefühl im Personalerbauch aus – dem ein oder anderen reicht das schon als Indiz.

Gleich und Gleich gesellt sich (nicht) immer gern

So kommt es, dass in einer Firma lauter erbsenzählende Biedermänner unterwegs sind und in der nächsten Firma lauter innovative Chaoten – und sich die Ersten über ihre geringe Innovationskraft beklagen, während sich die Zweiten wundern, warum sie die Finanzen nicht in den Griff bekommen. Das ist auch der Grund dafür, dass in vielen Unternehmen alle Mitarbeiter aus der gleichen sozialen Schicht stammen. Sie bekommen auch mit schlechteren Qualifikationen die Jobs, „weil sie den richtigen Anzug getragen und gewusst haben, auf welche Art von Small Talk der Personalchef anspringt“.42

Fakt ist: Mit dem Prinzip „Musterschüler“ und mit der Methode „Gleich und gleich gesellt sich gern“ – manche sprechen auch von „ähnlichem Stallgeruch“ – finden Unternehmen gerade nicht solche Kandidaten, mit denen sich Service-Excellence leben lässt. Nur mehr vom Gleichen.

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[acc title=“Infofilmchen (Agentur)“]
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[acc title=“Lexikonlese (Wikipedia)“]

„Talentmanagement kann als Reaktion auf veränderte Bedingungen in den globalen Märkten verstanden werden, die insgesamt zu einem schärfer werdenden Wettbewerb um qualifizierte und talentierte Mitarbeiter beitragen:

  • Der demografische Wandel führt zunehmend zu einem Mangel an Fach- und Führungskräften vorwiegend in den westlichen Industrieländern.
  • Der Wandel hin zur Wissensgesellschaft weckt einen gesteigerten Bedarf an qualifizierten und kreativen Mitarbeitern
  • Innovation und Innovationsfähigkeit entwickelte sich in den westlichen Industrieländern zum entscheidenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit. Damit einher geht ein besonderer Bedarf an innovationsfähigem Personal

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[acc title=“Sichtweise (Autor/in)“]Sabine Hübner und Carsten K. Rath sind das Gründerduo von RichtigRichtig.com – einer Management- und Unternehmensberatung mit Fokus auf Leadership- und Service-Excellence. Als Impulsgeber steht RichtigRichtig.com Unternehmen von der Beratung über die Strategieentwicklung bis hin zur Umsetzung und Qualitätsmessung zur Seite…
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Artikelbild: © Andriy Petrenko – Fotolia.com

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