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Von den meisten unbemerkt und doch von großer Bedeutung für weite Teile der Bevölkerung: Die Zeitarbeit hat in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag gefeiert! Eine Bestandsaufnahme…

Das sogenannte entgeltliche Vermitteln von Arbeitskräften wurde erstmals 1922 geregelt. Auch damals gab es schon Unternehmen, die kurzfristig auf Veränderungen der Wirtschaftslage reagieren mussten und mit Zeitarbeit als Flexibilisierungswerkzeug auf Schwankungen im Auftragsbestand schnell reagieren konnten.Teilzeit

Die Überlassung von Leiharbeitnehmern wurde in der Bundesrepublik erst 1972 verbindlich geregelt. Da die Gesetzesvorgabe anfänglich nur eine maximale Überlassung von Leiharbeitnehmern für drei Monate zuließ, entwickelte sich daraus im Volksmund der Begriff „Zeitarbeit“.

Die gesetzlichen Grundlagen für die Zeitarbeit in Deutschland wurden in den letzten 40 Jahren mehrfach modifiziert und den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen angepasst. Heute ist Zeitarbeit eine wichtige Größe am deutschen Arbeitsmarkt – Mitte 2012 zählte die Branche erstmals knapp eine Million Beschäftigte.

Beide Seiten profitieren davon. Denn die Kooperation zwischen Unternehmen und Personaldienstleistern schafft Arbeitsplätze und stützt die Wirtschaft, da auf Arbeitsspitzen und zusätzlichen Fachkräftebedarf deutlich flexibler reagiert werden kann. Arbeitnehmer, die für Personaldienstleister arbeiten, gelten als besonders flexibel, hochmotiviert und erfahren. Kein Wunder, dass bei großen Personaldienstleistern wie Randstad jährlich viele Mitarbeiter von Unternehmen abgeworben werden.

Teilzeit und Zeitarbeit: langfristige Perspektive?

Weitgehend unbekannt ist, dass renommierte Zeitarbeitsunternehmen heute sogar Teilzeitstellen vermitteln. Wer flexible Arbeitszeiten braucht, sollte daher in jedem Fall auch mit einem erfahrenen Personaldienstleister sprechen. Volker Enkerts, Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister: „Für alle, die nach der Elternzeit oder nach längeren Pausen im Erwerbsleben den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt suchen, bietet Zeitarbeit viele Perspektiven.

Die Vielfalt unserer Kundenunternehmen ermöglicht es Zeitarbeitnehmern, einen Job zu finden, der zu ihrer individuellen Situation passt.“ Insbesondere Mütter können sich quasi im geschützten Rahmen auf dem Markt umsehen, Berufserfahrungen sammeln und sowohl verschiedene Branchen als auch Arbeitsplätze kennen lernen.

Mit einem Personaldienstleister werden in der Regel unbefristete Arbeitsverträge mit allen Sozialleistungen geschlossen. Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind selbstverständlich. Und sollte zwischen zwei Einsätzen kurzzeitig keine Einsatzmöglichkeit bestehen, zahlt das Zeitarbeitsunternehmen die Vergütung weiter. „Nicht wenige hoffen, von einem der Kundenbetriebe in ein konventionelles Beschäftigungsverhältnis übernommen zu werden.“

Deutsche Wirtschaft im Umbruch

In vielen deutschen Unternehmen gibt es bereits ein breites Angebot flexibler Arbeitszeitmodelle. Allerdings wissen bisher nur wenige Beschäftigte um diese Möglichkeiten – eine Informationslücke, die den Arbeitgebern zu schaffen machen wird. Denn für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen wird eine familienbewusste Arbeitszeitgestaltung immer wichtiger.

Flexibilität – FÜR und WIEDER“

Die unternehmerischen Begehrlichkeiten zielen künftig deutlich stärker auf die dauerhafte Einbindung gut ausgebildeter, erfahrener Fachkräfte – und dazu gehören immer mehr Mütter, die nach der Babypause wieder zurück in einen Job wollen. Bisher kaum umworben, wird sich ihre Verhandlungsposition für eine Arbeit in Teilzeit in den nächsten Jahren deutlich verbessern.

„Denn Flexibilität ist nicht nur eine Bringschuld der Mitarbeiter, sondern steht angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels auch Arbeitgebern gut zu Gesicht, die sich ihre Marktposition dauerhaft sichern wollen“, fügt Petra Timm, Unternehmenssprecherin bei Randstad Deutschland, an.

Erst die Kinder, dann das Gehalt

Daher verwundert es nicht, dass Familienfreundlichkeit eines Unternehmens für 90 % aller Mütter mindestens genauso wichtig wie das Gehalt. Dies liegt vor allem an den erheblichen Mehrfachbelastungen, denen Arbeitnehmerinnen mit Kindern permanent ausgesetzt sind. Mütter müssen viel koordinieren und managen – und zwar dauerhaft über viele Jahre. Daher brauchen sie in der Arbeitswelt einen besonders verlässlichen Rahmen, um diese Aufgaben sicher meistern zu können.

Geschäftsführung und Personalleitung sollten angesichts zukünftiger Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften den Müttern in ihrem Unternehmen besondere Aufmerksamkeit schenken. Den offenen Dialog beispielsweise in Mitarbeitergesprächen zu führen und hierbei betriebliche sowie private Ziele herauszufinden, trägt dazu bei, individuelle Rahmenbedingungen für den Arbeitsplatz zu schaffen.

Unterstützen und fördern

Vor allem weibliche Angestellte sind dankbar für kleine Hilfen in der Alltagsbewältigung wie beispielsweise die spontane Freistellung von der Arbeit in Notfallsituationen. Eine gezielte Personalentwicklung für Teilzeitführungskräfte anzubieten oder Sozialfonds für Mitarbeiter einzurichten, trägt zusätzlich zu einer höheren Loyalität des Mitarbeiters zum Arbeitgeber bei. Die Arbeit in Teilzeit und unter familienfreundlichen Bedingungen wird zukünftig in den Leitbildern und Unternehmensphilosophien fest verankert.

Petra Timm, weiß allerdings auch: „Die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten anzunehmen und diese in modernen Arbeitsplatzmodellen zu integrieren, stellt die größte Herausforderung für viele Unternehmen dar.“ Mitunter ist der Weg also mühsam, aber er lohnt sich – denn Fach- und Führungskräfte bleiben dem Unternehmen länger erhalten, wenn sie konsequent gefördert und ernst genommen werden. Diese Unternehmenstreue der qualifizierten Mitarbeiter ist heute schon ein echter Wettbewerbsvorteil und schafft deutlich mehr Flexibilität und Entscheidungsspielräume.

Artikelbild: determined/ Fotolia.com

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