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Consultant nach der Uni? Für viele Studis (immer noch) ein Traumjob. Verspricht das Berufsbild doch neben einem überdurchschnittlichen Verdienst  Abwechslung, die Möglichkeit zum schnelleren Auftstieg, auch „Verantwortung übernehmen“ genannt. Neben den externen Beratungshäusern, in Deutschland sind alle Global Player vertreten, gibt es zunehmend auch das interne Consulting. Moritz von Franz berichtet…

Im Namen der Initiative „dichter dran“, einem Zusammenschluss von 16 internen Beratungseinheiten von Unternehmen in Deutschland erzählt Moritz von Franz bei BASF Management Consulting, der internen Managementberatung der BASF Gruppe. Er berichtet von seinem Alltag, den Unterschieden zwischen externem und internem Consulting und gibt einige Tipps und Tricks für Berufs- und Quereinsteiger.

Externes vs. internes Consulting: was ist was?

Auf den ersten Blick könnte das interne Consulting weniger spannend wirken, da es sich nur mit einem Unternehmen befasst und es nicht die Vielfalt an Kunden wie das externe Consulting bietet. Die Tatsache, dass man in ein und demselben Unternehmen arbeitet, hat jedoch noch lange nichts mit Eintönigkeit zu tun. Schließlich verfügen große Unternehmen über verschiedenste Bereiche, die wiederum unterschiedliche Märkte bearbeiten, anders aufgestellt und unterschiedlich regional vertreten sind. Interne Berater haben somit die Möglichkeit die verschiedensten Facetten innerhalb eines Unternehmens kennen zu lernen.

Es hat zudem viele Vorteile, „denselben Ausweis“ wie der Kunde zu tragen. Von Beginn an besteht eine Vertrauensbasis und auch nach Beendigung eines Projekts fühlt man sich weiterhin verantwortlich für die erarbeiteten Ergebnisse. Erfolgreiche Projekte sprechen sich zudem schnell herum, so dass einem die internen Kunden oftmals direkt ansprechen, um ein vergleichbares Projekt starten zu können.

Konzernpolitische Aspekte spielen ebenso eine wichtige Rolle. Es kann vorkommen, dass man sich in einer zwiespältigen Situation wiederfindet: denn einerseits arbeitet man im und andererseits für das Unternehmen. Ein herausfordernder und nicht zu vernachlässigender Aspekt im Alltag eines internen Consultants. Es ist somit wichtig, dass dem internen Consulting die volle unternehmerische Unabhängigkeit zugesichert ist. Nur so hat ein Berater die Möglichkeit seine neutrale und unabhängige Meinung in Projekten zu vertreten.

Qualität und Professionalität sind das A und O, sowohl bei externen, als auch bei internen Beratungen. Es kommt auch durchaus vor, dass interne Beratungsabteilungen mit den externen konkurrieren, was abhängig vom Thema ist. Daher ist es keineswegs der Fall, dass interne Beratungseinheiten außer Konkurrenz sind.

Auch die Profile der Berater im internen und externen Consulting ähneln sich. Vom Direkteinsteiger nach der Uni,  über den Quereinsteiger aus externen Beratungshäusern oder Unternehmen oder aber Mitarbeiter aus dem eigenen Konzern ist alles dabei. Die Ansprüche an die Bewerber sind vergleichbar.

Einstieg ins Inhouse Consulting

Der Weg ins interne Consulting beginnt bei BASF Management Consulting mit einer Onlinebewerbung über das Karriereportal. Bewerber werden dann zu Gesprächen nach Ludwigshafen oder Hong Kong eingeladen. Bis zu acht Interviews mit zukünftigen Kollegen und Vorgesetzten werden geführt. Jedes Interview besteht üblicherweise aus dem gegenseitigen Kennenlernen und einer Fallstudie aus dem Berateralltag.

„Soft- und Social Skills, wichtig!“

Neben den Soft- und Social Skills ist die Herangehensweise an die (jeweilige) Fallstudie entscheidend. So geben Fallstudien nicht nur Aufschluss darüber wie strukturiert und analytisch der Bewerber an eine Aufgabe herangeht, sondern zeigen auch, was für ein Verständnis der Bewerber für den Gesamtkontext hat und ob er fähig ist Lösungen außerhalb bekannter Pfade zu erarbeiten.

Wenn der Bewerbungsprozess erfolgreich durchlaufen wurde, steht dem Vertrag nichts mehr im Wege.  Das erste Projekt im neuen Job unterstützt man normalerweise als Projektmitglied. Je nach vorheriger Erfahrung, entwickeln sich die Berater im Lauf der Zeit zum Teilprojektleiter bis hin zum Projektleiter.

Aufstieg im Inhouse Consulting

Weiterbildung spielt eine große Rolle in den internen Beratungen. Die Berater profitieren hier von einer Vielzahl an Seminaren die im Unternehmen angeboten werden, sowie von zusätzlichen Seminaren welche speziell auf die Anforderungen der Beratungseinheit zugeschnitten sind. Bei der BASF durchlaufen beispielsweise alle neueingestiegenen Berater eine einwöchige Veranstaltung in welcher sie die BASF kennen lernen,  als auch beratungsspezifische Seminare zu den Themen Präsentation und Kommunikation. Ein weiterer wichtiger Baustein der Personalentwicklung ist das Sammeln von Erfahrungen in den unterschiedlichsten Projekten.

Nachdem man in verschiedenen Rollen Projekte unterstützt bzw. geleitet hat, wechselt man bei der BASF nach ca. vier Jahren in eine Linienfunktion. Dies kann beispielsweise die Übernahme von Verantwortung im Bereich Marketing, Produktmanagement, Finanzen oder im Einkauf sein, oder auch die Übernahme von Projekten in einem spezifischen Unternehmensbereich.

Tipps und Tricks

Fallstudien spielen eine wichtige Rolle bei der Bewerberauswahl. Bei der Vorbereitung helfen Bücher wie „Ace your case!“, Newsletter, Blogbeiträge wie beispielsweise von Victor Cheng, aber auch Webseiten wie Squeaker.Net (Anm. d. Red. Karriere-Einsichten gibts natürlich auch). BASF Management Consulting veröffentlicht zudem mit weiteren internen Unternehmensberatungen Fälle aus vergangenen Projekten auf der Seite „Dichter Dran“.

Während des Interviews sollte man sich Stichpunkte notieren und strukturiert an Problemstellungen herangehen. Die Anwendung von Frameworks (wie beispielsweise Porter’s 5 Forces, SWOT Analyse etc.) kann helfen den roten Faden nicht zu verlieren und alle wichtigen Aspekte einer Problemstellung zu beleuchten.  Es ist wichtig, neutral und unvoreingenommen an alle Problemstellungen heran zu gehen und den Interviewpartnern mit offenem Visier zu begegnen. Das Stellen von Fragen sollte ebenso nicht unterschätzt werden. Der Bewerber signalisiert so Interesse und zeigt Engagement.

Wie bei jedem Bewerbungsgespräch, geht es auch im Inhouse Consulting darum, zu schauen, ob die Chemie stimmt. Daher sollte man sich nicht verstellen und nach dem Gespräch auch sein eigenes Bauchgefühl konsultieren – passt das oder passt es nicht?

Über den Autor: Moritz von Franz arbeitet seit über einem Jahr bei BASF Management Consulting und ist schwerpunktmäßig im Themenfeld „Industry Dynamics“ tätig. Davor war er in einer operativen Einheit des Geschäftsbereiches Pflanzenschutz der BASF sowie für eine namhaften externen Unternehmensberatung tätig…

Artikelbild: alphaspirit/ Fotolia.com

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