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Bist du eher ein Radler oder Blocker? Viele Büroangestellte finden sich in ihr wieder, in der Sandwichposition. Und manchen Ausflüchten a la: „Aber der Chef hat gesagt“. Wie du rauskommst? Timo Hinrichsen und Boris Palluch liefern einige Tipps…

Wenn Sie als Führungskraft zwischen zwei Stühlen sitzen, haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder Sie radeln mit und versuchen die Interessen des Unternehmens umzusetzen oder Sie blocken, machen zu und schlagen sich auf die Seite des Teams. In beiden Fällen, ob Sie nun Radler oder Blocker sind, können Sie vieles richtig, aber auch vieles falsch machen. Wie Sie als Radler auf keinen Fall reagieren sollten: „Always look on the bright side of life.“

Das Problem durch die rosarote Brille zu betrachten, hilft vielleicht dem Songwriter Eric Idle, Führungskräften leider nicht. Auch wenn Sie ein Problem „Challenge“ nennen, bleibt es ein Problem. Mitarbeiter und Unternehmen brauchen keine Durchhalteparolen und Schönmalerei, sondern Klarheit und ein realistisches Vorgehen.

Eine Möglichkeit: „Augen zu und durch“

Alle Unternehmensentscheidungen ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen, egal ob sie Sinn machen oder nicht, ist definitiv keine gute Entscheidung. Loyalität dem Unternehmen gegenüber ist für Führungskräfte selbstverständlich. Das heißt aber auch, Bedenken anzumelden und Stolpersteine aufzuzeigen, wenn die eigenen Chefs sie übersehen haben. Durchregieren, ohne den Kopf anzuschalten? Das ist höchstens eine Methode von gestern – oder sollte es sein.

Oder: „Modell Kruppstahl“

So mancher Chef, der eine unliebsame Entscheidung umsetzen muss, tarnt sich als harter Knochen. Häufig will er damit der Gegenseite der Wind aus den Segeln nehmen und unangenehme Diskussionen vermeiden. Meistens bringt die Methode Holzhammer mehr Schaden als Nutzen. Das Problem dabei: Bedenken werden dann gar nicht mehr geäußert! Kleine Anmerkung der Redaktion: Fachliteratur gibt es im Internet genug, für Juristen und andere Experten. Man muss sie nur lesen, besser noch: umsetzen.

Wie Sie als Blocker auf keinen Fall reagieren sollen: „Gemeinsam in den Abgrund.“ Frei nach dem Motto „Ich hab die da oben noch nie verstanden“ wettert der Chef gegen die Entscheidung oder macht sich über einzelne Projekte lustig. Die Mitarbeiterinteressen stellt er selbstverständlich in den Vordergrund, auch wenn es zu Lasten des Unternehmens geht. Doch indem sich die Führungskraft mit den Mitarbeitern verbündet, bringt sie das ganze Projekt zu Fall.

„Kommt Zeit, kommt Rat“

„Kommt Zeit, kommt Rat.“ Manche Probleme erledigen sich von selbst, wenn man nur lange genug wartet. Ein ehemaliger Bundeskanzler hat ein ganzes Land so geführt. Leider funktioniert dieses Prinzip nicht beim Sandwichdilemma. Eher früher als später fällt es Ihnen auf die Füße. Deshalb nehmen Sie die Situation besser gleich selbst in die Hand, anstatt nur auf Impulse von oben oder unten zu reagieren. So haben Sie die Chance, Prozesse im Sinne Ihres Teams und des Unternehmens zu beeinflussen.

Grundsatz: „Love it, change it or leave it“

So manche Führungskraft zieht bei schwierigen Entscheidungen lieber die Reißleine. Das kann in einem Fall eine Versetzung sein oder im Extremfall die Kündigung. Aber bitte nicht, bevor Sie „change it“ probiert haben! [pullquote align=“right“]Sie haben mehr Einflussmöglichkeiten, als Sie glauben. Machen Sie nicht den Fehler, der Situation auszuweichen.“[/pullquote] Denn eines ist sicher: Das Sandwichdilemma wird Ihnen auch in der nächsten Position begegnen.

„Sie werden schon sehen …“, was sie davon haben. Innerlich auf stur zu schalten ist eine verbreitete Methode, um Veränderungen abzubügeln. Die Entscheidung wird einmal subtil und unauffällig, dann wieder ganz offen sabotiert. Informationen werden zurückgehalten oder Bedenken nicht geäußert. Der Blocker genießt es ungeniert, wie das Projekt gegen die Wand fährt. „Schadenfreude ist die schönste Freude“, heißt es ja im Volksmund.

Leider wird dabei häufig vergessen, dass Schaden, den die Unternehmung erleidet, am Ende von den Mitarbeitern ausgebadet wird. Trauen Sie sich, Chef zu sein, und helfen Sie Ihren Leuten aus der Trotzphase.

Die Lösungsfinder-Methode

Gestatten? Mein Name ist Hiob, ich habe eine Nachricht für Sie. Egal ob Sie Mitarbeiter abbauen müssen, Überstunden gut verkaufen, ein neues EDV-System einführen oder ein ungeliebtes Leitbild umsetzen sollen – in allen diesen Fällen geht es darum, unangenehme Entscheidungen umzusetzen. Sie müssen unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen und darauf achten, dass Sie eventuelle Schäden klein halten.

Das gilt übrigens auch für Sie selbst. Wir wissen nur zu gut, wie schwierig das häufig sein kann und wie gerne man als Chef die Flinte ins Korn werfen oder den Kopf in den Sand stecken würde. Um Ihnen das Leben bei Sandwichdilemmata zukünftig leichter zu machen, empfehlen wir folgendes Vorgehen:

Machen Sie sich Ihre Rolle klar!

In der Sandwichposition zu sein heißt, dass Sie beiden Seiten gegenüber loyal sein müssen. Den Mitarbeitern, aber eben vor allem dem Unternehmen gegenüber. Das bedeutet mitunter, dass Sie schlechte Nachrichten überbringen oder harte Entscheidungen treffen und umsetzen müssen.

Von einer Führungskraft wird erwartet, dass sie Projekte, Strategien und Meinungen kritisch durchleuchtet, das heißt aber nicht, dass sie zum Dauernörgler und Blocker werden soll. Vielmehr geht es darum, Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg einzuschätzen: Was wurde eventuell übersehen?

Gibt es noch Möglichkeiten, die Entscheidung zu verbessern? Eine Führungskraft meinte unlängst zu uns: „Da hänge ich selber am Fliegenfänger“, und meinte damit, dass sie dieser Entscheidung hilflos ausgeliefert sei – alles Zappeln hilft nichts.

Wenn Sie immer wieder das Gefühl haben, Sie könnten nichts mehr bewegen, ist es vielleicht an der Zeit, sich etwas Neues zu suchen. Mitunter müssen Sie „die Kröte schlucken“, damit es im Großen weitergehen kann. Akzeptieren Sie diese Konsequenzen für Ihre Führungsrolle!

… und damit verbundene Optionen !

Führungskräfte neigen dazu, schnelle Entscheidungen zu treffen und diese sofort umzusetzen. Kein Wunder, das wird schließlich von ihnen erwartet. Häufig schränken sie damit aber selbst ihre Handlungsoptionen ein. Die Gefahr ist groß, sich für die erstbeste Lösung zu entscheiden. Mitunter fallen deshalb unnötigerweise Beteiligte unter den Tisch, und die Führungskräfte verbauen sich den Blick auf völlig andere Optionen, wenn sie sich zu sehr auf die zunächst offensichtliche Lösung beschränken.

Ein einfaches Modell kann Abhilfe schaffen: Klären Sie zunächst das Ziel der Maßnahme. Warum wird ein neues System eingeführt oder weshalb muss Personal abgebaut werden? Wieso stehen Überstunden an? Nur so können Sie Alternativen entwickeln oder hilfreiche Hinweise geben. Schreiben Sie dann die offensichtlichen Optionen auf einen Zettel.

Schauen wir uns das an einem Beispiel an: Ich sollte die Erlöse aus Verkäufen erhöhen und dafür den Mitarbeitern Sonderschulungen, von diesen liebevoll „Alcatraz-Stunde“ genannt, aufbrummen. Um festzustellen, wer das Glück haben würde, geschult zu werden, nahm ich mir die Verkaufserlöse vor und erstellte eine Rangliste. Eine Mitarbeiterin führte die Loser-Liste unangefochten an.

Anstatt ihr sofort die Schulung zu verpassen, nahm ich mir zwei Minuten Zeit und schrieb zunächst „Provisionserlöse erhöhen“ auf die Kopfseite eines Notizblatts. Dann notierte ich mir die Option „Schulung für Petra“ auf der linken und „Option keine Schulung – Begründung: Unruhe im Team – sind schon am Maximum“ auf der rechten Seite. Ich überlegte dann, ob es einen Kompromiss geben kann, um die Situation zu entschärfen.

In meinem Fall notierte ich mir: „Fahrtstrecken überarbeiten, mehr Zeit zum Kundenkontakt“ und „Nachverhandeln mit Zulieferern“ dazu. Viel zu oft lassen wir uns auf Optionen festnageln, ohne nach Alternativen zu suchen, die den gleichen Zweck erfüllen.

Über die Autoren: Timo Hinrichsen und Boris Palluch arbeiten als Lösungsfinder, in diesem Fall für Karriere-Einsichten. Mehr in ihrem neuen Buch “Als unser Kunde tot umfiel …”. Ihr Buch wurde im Ranking der Online-Bibliothek getAbstract unter die Top-Ten-Wirtschaftsbücher gereiht.

Artikelbild: Rawpixel.com/ Shutterstock

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