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Der demographische Wandel führt zu Fachkräftemangel. Unternehmen greifen deswegen zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Wir haben uns einige davon angeschaut…

Manche Firmen werben beispielsweise mit einer Pizza Digitale um qualifizierte Bewerber. So werden neue Mitarbeiter gewonnen und neuer Schwung ins Team gebracht. Das Problem dabei: Die größte Schwierigkeit liegt für die meisten Unternehmen selten in der Gewinnung der Arbeitskräfte, sondern vielmehr darin, diese zu halten und so nachhaltig eine Stammbelegschaft aufzubauen.

Sogenannte „Benefits“ oder „Goodies“ sollen dem Abhilfe schaffen. Ein Beispiel dafür ist der Betriebskindergarten. Das heißt die Kinder der Angestellten werden nicht in Kindergärten der Kommunen oder zu Hause von einem Elternteil betreut, sondern gehen in einen Kindergarten, der vom Arbeitgeber eingerichtet wurde.

Damit soll der Verlust von weiblichen Fach- und Führungskräften verringert werden. Oft verlieren Firmen qualifizierte Frauen, da diese nach der Mutterzeit sehr spät, nur in Teilzeit oder gar nicht mehr zurückkehren.
Doch hilft ein Betriebskindergarten wirklich diese Problematik zu lösen? Ja, sagen Unternehmen wie Daimler, Bosch und die Max-Planck-Gesellschaft. Alle haben sie in Betriebskindergärten investiert und sind überzeugt, dass sich diese Investition ausgezahlt hat.

Die Kinderbetreuung rechnet sich, da sie zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führt. Wird Frauen ermöglicht schneller wieder in den Beruf einzusteigen, können sie mehr Erfahrung sammeln, schneller aufsteigen und aktiv dazu beitragen die Verdienstlücke zu ihren männlichen Kollegen zu schließen.

Außerdem führt ein unternehmensinterner Kindergarten dazu, dass Mütter, oder auch Väter, nach der Elternzeit schneller in den Betrieb zurückkehren. Dies spart dem Unternehmen Kosten. Fortbildungen können gespart werden und die Einarbeitungszeit, um wieder im Job anzukommen, wird verkürzt.

Kindebetreuung, ein Geschäftsmodell?

Aufgrund des grundsätzlichen Mangels an Kita-Plätzen spart ein Betriebskindergarten nicht nur Geld, sondern oft auch Zeit. Finden Eltern in einem Kindergarten ihrer Kommune oder ihres Stadtteils keinen Kindergarten, müssen sie weite Fahrten auf sich nehmen. Dies führt zu einem Zeitaufwand, der unnötig und stressig ist. Befindet sich der Kindergarten im Unternehmen oder in der Nähe des Arbeitgebers, wird dieser Mehraufwand verhindert.

Beim Kampf um Fach- und Führungskräften gewinnt zudem Mitarbeiterzufriedenheit immer mehr an Bedeutung. Laut einer aktuellen Umfrage des Allensbach-Instituts und der Managementberatung Kienbaum legen vor allem Studentinnen großen Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zusammen mit dem Wunsch nach beruflicher Sicherheit steht dieser Faktor für die jungen Frauen an erster Stelle.

Der Wunsch Familie und Karriere vereinbaren zu können ist somit größer, als der, Karriere zu machen. Auch die richtige Bezahlung findet sich in der Wertung der Studentinnen erst hinter der Familienplanung ein.

Die Einrichtung eines Betriebskindergartens bringt somit nicht nur Vorteile für die aktuellen Arbeitnehmer, sondern auch für die potentiellen. Die Unterstützung bei der Kinderbetreuung kann ein entscheidender Faktor für die Arbeitgeberwahl sein. Nachhaltiger und sinnvoller als eine digitale Pizza.

Warum haben dann so wenige Unternehmen einen Betriebskindergarten? Weil es auch genug Argumente gegen die Einrichtung gibt. An erster Stelle stehen die Kosten.

„30.000€ pro Kind, pro Jahr“

Für kleine und mittelständische Unternehmen steht nicht nur die Frage im Raum, ob sich die Investition letzendlich rentiert, wichtig zu beantworten ist vor allem, ob die Investition möglich ist. Schätzungen geben an, dass die Einrichtung eine firmeneigenen Kindergarten 25.000 – 30.000 € kostet. Pro Betreuungsplatz! Hinzu kommen Jahresbeiträge die zum größten Teil vom Unternehmen getragen werden. Oft tragen zwar auch die Eltern einen Teil zu Finanzierung bei, dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass diese wiederrum auch vom Unternehmen entlohnt werden.

In der bereits erwähnten Kienbaum-Studie folgt der Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Karriere bei Männern außerdem auf den hinteren Plätzen. Wäre der Betriebskindergarten somit eine überaus teure Investition, die letztendlich vom Großteil der Belegschaft gar nicht gewünscht wird? Sollte man dann nicht lieber in Benefits investieren, die mehrheitlich befürwortet werden? Oder das Budget für Gehalterhöhungen nutzen?

Langfristige Bindung von Mitarbeitern

Fakt ist: Gehaltserhöhungen führen nicht langanhaltend zu höherer Motivation und die Zahl von karrieremotivierten, qualifizierten Frauen nimmt zu. Aufgrund des Fachkräftemangels benötigen Unternehmen diese Kräfte. Großunternehmen, die mit den zu hohen Investitionskosten argumentieren, denken zu kurzfristig. Durch die Einsparungen bei Fortbildungen, Einarbeitung, der Suche nach neuem Personal und dem Ausfall einer Kraft während der gesamten Elternzeit, rentiert sich ein Betriebskindergarten im Regelfall langfristig.

Bei kleinen Unternehmen ist dies jedoch nicht so, jedoch gibt es hier Möglichkeiten, sich mit anderen Unternehmen zusammen zu schließen oder mit Kindergärten der Kommune zusammen zu arbeiten. Weitergehende Informationen und Unterstützung bei der Umsetzung eines Betriebskindergartens bietet das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an.

Über die Autorin: Mara Brinkmann studiert gerade, ein Kinderwunsch scheint in weiter Ferne. Trotzdem wünscht sie sich jetzt schon, dass ihr späterer Beruf es ihr ermöglichen wird, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen…

Artikelbild: Aude proyect/ Shutterstock

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Mara Brinkmann (geb. 1992) studiert General Management mit den Studienschwerpunkten Wirtschaftspsychologie und Marketing Management. Sie arbeitet für das Portal karrierefaktor.de, welches über die Themen Bewerbung, Karriere, Weiterbildung und Social Media informiert. Mara betreut die Seite redaktionell und ist für Kooperationen mit anderen Karriere-Experten zuständig…

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