Es ist kein Geheimnis, dass die Pandemie die Bedürfnisse und die Anforderungen von Arbeitnehmer:innen an Unternehmen verändert hat. Man braucht sich nur vor Augen zu führen, wie die damalige Einzelerscheinung des Homeoffice oder dem mobilen Arbeiten inzwischen zum wichtigsten Schritt für die gesundheitliche Sicherheit der Mitarbeitenden geworden ist. Der Wunsch nach flexibler Arbeit nimmt Unternehmen in die Pflicht, passende Strategien zu entwickeln, die möglichst allen Wünschen gerecht werden…

Die Workplace-Analytics-Lösung Locatee hat vor kurzem in einem Whitepaper die 10 strategischen Dimensionen, die die Zukunft der Arbeit prägen werden von der Worktech Academy geteilt. Diese Dimensionen, können die Unternehmen als Basis nutzen, um die Zukunft der Arbeit bereits heute zu verwirklichen und um Experimente zu wagen. Hier sind die vier wichtigsten davon:

#1 Das Wann und das Wo

Viele Führungskräfte erkennen heute, dass traditionelle Strukturen, dem eigentlichen Potenzial der Mitarbeitenden eher hinderlich sind. Weltweit wird die Reduzierung der Arbeitszeit auf eine Vier-Tage-Woche getestet und  sowohl mit der Belastung als auch mit der Leistung der Arbeitnehmer:innen verglichen. Auch der klassische Arbeitsort verändert sich. Bereits heute glauben 40 Prozent der deutschen Büroangestellten daran[1], dass das klassische Büro in den nächsten Jahren Schritt für Schritt durch Homeoffice oder andere Alternativen ersetzt werden wird. Das bedeutet konkret: Unternehmen, die dies nicht als Teil ihrer Arbeitsplatzstrategie verankern, riskieren den Verlust von neuen und bestehenden Talenten. 

#2 Wohlbefinden und emotionale Intelligenz

Anhaltende Angst um den Verlust der Anstellung oder die negativen Folgen des Social Distancings haben die Bedeutung von Empathie am Arbeitsplatz deutlich erhöht. Dabei geht es nicht darum, kostenlose Getränke anzubieten, sondern vielmehr darum, ein Klima zu schaffen, dass diese negativen Gefühle auffängt. Zudem muss ein Unterschied zwischen Face-to-Face- und einer komplett digitalen Kommunikation deutlich gemacht werden.

Zu den Nebenwirkungen bei der Arbeit in einem digitalen Team gehören verzögerte Reaktionszeiten, unklare Rollen und das Fehlen eines gemeinsamen Kontextes. Menschen können schneller überlastet, ermüdet oder abgelenkt werden. Das muss durch ein gutes, empathisches Management abgefangen werden. 

#3 Büroentwicklung:  Der Mensch im Fokus

Knapp 42 Prozent der deutschen Büroangestellten halten ihr Büro für nicht gut genug ausgestattet, um hybrides Arbeiten zu ermöglichen.[2] Das kann vor allem daran liegen, dass Unternehmen den Menschen für die Nutzung ihrer Räume bisher nicht in den Mittelpunkt gestellt haben. Das klassische Büro, wie man es sich vorstellt, ist eigentlich eine veraltete Vorstellung der meist männlichen Arbeitswelt der 60er-Jahre. Wer sich damals fleißig bemühte, schaffte es irgendwann in das Einzelbüro.

Werbung

Diese Grenzen sind heute aufgeweicht, aber noch vorhanden. Moderne Büros müssen nicht nur inspirieren und motivieren, sie müssen auch unter Frage funktionieren: Was brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um hier bestmöglich tätig zu sein? 

#4 Vertrauenskultur als neue Grundlage der Zusammenarbeit

Unternehmen standen und stehen vor der großen Herausforderung, ihre Organisation radikal zu dezentralisieren und das Konzept des Leistungsmanagements zu überdenken. Die positiven Folge dieses Wandels war, dass Unternehmen und Führungskräfte begonnen haben, zu lernen, ihren Mitarbeitern wirklich zu vertrauen, während sich das Homeoffice mehr und mehr durchsetzte. Wer seinen Teams mehr Vertrauen schenkte, schuf adaptive Teams und sparte dem Unternehmen Mikromanagement, Frustration und letztlich auch Geld.

Remote für ein Unternehmen zu arbeiten kann zudem negative Folgen auf das Zugehörigkeitsgefühl und die Kultur des Unternehmens haben. Dabei ist es die Kultur, die das Engagement und somit letztlich auch die Ergebnisse fördert. Unternehmen müssen neue Ansätze nutzen – auch technologische -, um über Bildschirme hinweg ein gemeinsames Gefühl zu schaffen und zu wahren. 

Thomas Kessler (Foto: NN/Privat)
Thomas Kessler (Foto: NN/Privat)

Fazit: Daten als Konstante in der Zeit der Experimente

Alle bisher skizzierten Denkanstöße beginnen mit der Bereitschaft, altbekannte Muster aufzubrechen und sich auf Experimente einzulassen. Um die Erfolge zu evaluieren, brauchen Unternehmen und Führungskräfte jedoch auch solide Daten. Das kann nur gelingen, wenn die Mitarbeitenden mit einbezogen werden und auch verstanden wird, was die Menschen wirklich brauchen und wie sie die Räume, die ihnen zur Verfügung stehen wirklich nutzen. So können Messungen einen großen Unterschied ausmachen:

Zum Beispiel können eine kurzfristige Abgleichung von sicheren Auslastungsniveaus oder ein langfristiges Monitoring der Anforderungen bei Hybrid-Arbeit wichtige Kennzahlen für Entscheidungen liefern. Daten sind also die wichtigste Konstante in einer Zeit, in der Unternehmen viel experimentieren müssen, um effizient und nahe an den Mitarbeitenden zu bleiben. 


Über den Autor: Thomas Kessler gründete zusammen mit Benedikt Köppel das Proptech-Unternehmen Locatee. Das Unternehmen bietet die führende Workplace-Analytics-Lösung an, die Unternehmen dabei hilft, zu verstehen, wie Mitarbeitende die bestehenden Büroräume wirklich nutzen. Zuvor arbeitete Kessler in der Finanzindustrie (Credit Suisse, Inventx, GKB), nachdem er einen Bachelor in Banking and Finance an der Universität Zürich und einen Master in Business Innovation an der Universität St. Gallen absolviert hatte. Heute setzt er sich beruflich und privat für Innovation ein, besonders dort, wo sie die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Technologie ist. 

[1] Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2055 Personen zwischen dem 22. und dem 24.06.2021 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. 

[2] ebd.

Artikelbild: Didecs/ Shutterstock