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Absagen sind frustrierend und die beste Lerngelegenheit, findet Jens Gieseler. In den nächsten Absätzen verrät er, warum…

Kai Dillmann (Name geändert) ist frustriert: Der junge Ingenieur hat seine vierte Absage nach einem Bewerbungsgespräch bekommen. Inzwischen ist der Uniabgänger bereit, jede Stelle anzunehmen und haut gleich weitere Bewerbungen raus. Verständlich finden Karriereberater, aber grottenfalsch. 

Berufsanfänger haben es besonders schwer“, findet Roman Czychi, weil aus der Perspektive der Unternehmen Erfahrung und oft eine Spezialisierung fehlen. Das gelte auch für Absolventen eines Maschinenbau-Studiums wie Dillmann, um die sich die Firmen angeblich reißen, so der Personalberater aus Hannover.

„Absagen kratzen am Selbstwert“

Doch: Wenn viele Absagen am Selbstwert kratzen, sollte man sich Unterstützung holen – zunächst bei Freunden und Kommilitonen, eventuell sogar bei einem Coach. „Es ist fatal, wenn sich Kandidaten so schwächen, dass sie das Gefühl bekommen, alles nehmen zu müssen“, so der 39-Jährige.

Selbst wenn auf diesem Ich-mach-alles-Weg ein Job rausspringen sollte, der Erfolg wird nur kurzfristig sein. Denn um wirklich Freude an der Arbeits-Beziehung zu haben, kommt es auf das Matching an – Stelle und Unternehmen müssen zu den Kompetenzen und der Person passen.

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Selbst Personaler machen in ihrer Verzweiflung einen Facharbeiter zu finden, oft den Fehler zu schnell einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen.

Umso mehr Berufsanfänger, weiß Czychi: Sie setzen sich zu wenig mit dem Unternehmen, den Anforderungen der Stelle und mit der Arbeitskultur auseinander. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, die eigenen Fähigkeiten und Persönlichkeit herauszustellen.

Blindlinks Bewerbungen raushauen, wie Kai Dillmann das macht, hält er deshalb für den falschen Weg.

Sich nicht entmutigen lassen

Das sieht Katharina Hain genauso. Erhält man Absagen im Bewerbungsprozess, ist es wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, rät die Rekruiterin des Personaldienstleisters Hays enttäuschten Bewerbern. Der Bewerbungsprozess sei immer ein Lern- und Wachstumsprozess.

Denn es bedeutet, selbstkritisch Unterlagen und oder wenn man so weit gekommen ist, Bewerbungsgespräche zu analysieren. Kostenlose professionelle Unterstützung, um Bewerbungsschreiben und Lebenslauf mit erfahrenen Personalern durchzugehen, gibt es etwa an Universitäten und auf Bewerber-Messen. Auch Hays mit bundesweit 24 Niederlassungen bietet gezielt Kurse und Beratungen an.

Die räumen nicht nur mit No-Gos auf, wie orthografischen und grammatikalischen Fehlern, ersten Sätzen wie „Hiermit bewerbe ich mich …“ oder offensichtlichen Copy&Pace-Anschreiben, die Personaler wahlweise als lieblos oder schlampig empfinden. Dort wird auch gezielt an authentischen Formulierungen gearbeitet.

Kürzlich hatte Katharina Hain die Bewerbung eines Grafik-Designers in der Hand, das Anschreiben war eigentlich eine Bastelanleitung. Der IT-Entwickler, der über einen QR-Code auf bisherige Projekte hinweist. Oder der Uniabgänger, der einem Start-Up schreibt: „Ich finde es cool, wie ihr zusammenarbeitet. Ich möchte Teil dieser Familie werden.“ Alles Beispiele für Authentizität. 

Roman Czychi: „Bleiben Sie souverän und freundlich in Erinnerung, man sieht sich oft ein zweites Mal im Arbeitsleben“ (Foto: NN/ Privat)
Roman Czychi: „Bleiben Sie souverän und freundlich in Erinnerung, man sieht sich oft ein zweites Mal im Arbeitsleben“ (Foto: NN/ Privat)

Kommt eine Absage nach einem Bewerbungsgespräch, empfiehlt Czychi, der derartige Prozesse seit zehn Jahren begleitet, sich zu bedanken, so schwer es auch fallen mag: „Bleiben Sie souverän und freundlich in Erinnerung, man sieht sich oft ein zweites Mal im Arbeitsleben“.

Hat der Bewerber das Gefühl, er ist knapp gescheitert und die Stelle ist wirklich interessant, kann zudem ein Anruf lehrreich sein. Hin und wieder nehmen sich Personaler von kleinen und mittelständischen Betrieben gerade bei jüngeren Bewerbern Zeit für ein Feedback.

Die Erfahrung macht auch Katharina Hain: „Man kann dadurch zusätzlich prüfen, ob der eigene Eindruck des Gespräches, dem des Unternehmens entspricht“. Vielleicht fand der Personaler ganz andere Passagen gut. Vielleicht hat er auf eine Standardfrage eine völlig falsche Antwort gegeben.

Hat an einer Stelle nicht zuhört oder selbst keine guten Fragen zum Unternehmen parat gehabt. Die Hays-Recruiterin empfiehlt auf das Bewerbungsgespräch besonderes Augenmerk zu legen: „Die Unterlagen lassen sich leicht verbessern, aber sie machen lediglich die Tür auf.“

Persönliches Gespräch entscheidet

Erst im persönlichen Gespräch entscheide sich, ob jemand die Stelle tatsächlich bekommt. Bewerbern wie Kai Dillmann empfiehlt sie, Gespräche mit Freunden zu trainieren, denn wenn man selbst nicht merken sollte, wann es hakt: Der Freund merkt genau, wann sein Gegenüber ins Schwimmen kommt. Typische Fragen findet man im Internet. (z.B. https://bewerbung.net/vorstellungsgespraech-fragen/)

Eben weil Unternehmen so dingend Fachkräfte suchen, organisieren IHKs, HWKs und Branchenverbände diverse Messen, Tagungen oder Seminare. „Gehen Sie auf die Aussteller zu“, empfehlen beiden Experten. Zum einen sind diese Unterhaltungen ein gutes Training für Vorstellungsgespräche, findet Czychi. Sich kurz und präzise vorstellen – den so genannten Elevator Pitch –, können die Uniabsolventen mehrfach üben und verbessern.

Mehr Selbstbewusstsein, auf Augenhöhe bleiben

Zum anderen lernen sie, welche ihrer Fragen über das Unternehmen zu einem Gespräch führen, wie sie nachhaken können und damit Interesse zeigen. Diese Erfahrungen steigern auch das Selbstbewusstsein: „Junge Ingenieure sind noch nicht auf Augenhöhe mit einem Arbeitgeber, aber sie sind auch keine Bittsteller“. 

Wichtig auch, die Interessenten bekommen einen ersten Eindruck von dem Unternehmen: Will ich dort wirklich arbeiten? Aber stimmt die Chemie, soll man den Kontakt pflegen, sich etwa auf Xing oder LinkedIn vernetzen, empfiehlt Katharina Hain. Voraussetzung dafür: Man hat ein aussagekräftiges Profil aufgebaut.

Ist man unzufrieden mit dem derzeitigen Job, ist es sinnvoll, diese Kontakte zu aktivieren. Vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen kann sich initiativ ein Telefonat lohnen, weil die Betriebe in ihren Prozessen nicht so streng durchgetaktet sind. 

Artikelbild: HQuality/ Shutterstock

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