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Karrieregeile, pickelige Absolventen mit gerade mal zwanzig Jahren Lebenserfahrung drängen auf den Bewerbermarkt. Nicht wenige Berufsanfänger prostituieren sich, machen für Karriere (fast) alles. Jörg Kopp nervt so was! Nicht weil er ihnen nichts zutraut. Sondern weil der Unternehmer mit seinem eher schrägen Lebenslauf bei diesen Bewerbern mit linearen Lebenslauf etwas vermisst. Hier erzählt er euch, was es ist…

Karriere-Einsichten: 21 Jahre alt, fünf Praktika im Rucksack, Studium abgeschlossen und heiß aufs Arbeitsleben – solche Absolventen würden Sie am liebsten wieder nach Hause schicken, wenn Sie bei Ihnen aufschlagen, oder?

Jörg Kopp: Oh ja! Ich muss zugeben, das ist mein persönliches Lieblingsthema. Es gibt da eine Tendenz, die zusätzlich noch einmal durch die Politik befeuert wurde: erst das verkürzte Abitur, dann die Abschaffung der Wehrpflicht.

Am Ende sitzen mir im Bewerbungsgespräch dann Leute gegenüber, die durch die Schule gepeitscht wurden, aber nicht wissen, wie das Leben funktioniert. Danach geht’s ins Studium, das dank Bachelor und Master auch nicht mehr so lange dauert, und fertig ist die Generation „Ich kenne alles, aber tatsächlich kann ich nichts“.

Karriere-Einsichten: Eine provokative Ansicht, das müssen Sie zugeben!

Jörg Kopp: Ja, durchaus. Ich weiß, dass es immer wieder Ausnahmen gibt. Wenn junge Leute tatsächlich zu Hause ausziehen, jobben, sich finanziell selbst über Wasser halten und neben dem Studium so manches ausprobieren, kommen in der Regel feine Berufsanfänger dabei heraus.

Regelstudienzeit ersetzt keine Lebenserfahrung

Das sind dann meist aber auch nicht die, die alles in der Regelstudienzeit durchgetankt haben. Vielleicht sollte ich kurz klarstellen, dass ich junge Bewerber nicht hasse. Ich habe eher Mitleid mit ihnen, weil sie nicht gelebt haben, bevor sie sich in den Job stürzen.

Karriere-Einsichten: Das heißt, mit dem Beginn der Karriere endet das Leben?

Jörg Kopp: Haha, das ist hart formuliert. Nein, das tut es natürlich nicht. Aber ihr müsst zugeben, dass es schwer ist, die eigene Persönlichkeit auszubilden, wenn man erst mal in der 9-to-5-Maschinerie feststeckt. Bewerber, die vor ihrem Karrierestart mit dem Rucksack auf dem Rücken um die Welt gezogen sind, kommen vielleicht nicht mit umwerfenden Topnoten in die Firma – dafür aber mit ganz anderen Persönlichkeiten.

„Das Leben kennen – statt prostituTION“

Die haben schon mindestens einmal Dreck gefressen, sich durchgeboxt, Neues entdeckt. Kurz: Sie kennen das Leben. Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, ist meiner Meinung nach schlicht zu jung, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu prostituieren.

Karriere-Einsichten: Wie können Berufsanfänger, junge Absolventen denn zu mehr Lebenserfahrung gelangen?

Jörg Kopp: Ich fände es super, für alle – geschlechtsunabhängig – ein soziales Jahr einzuführen. Und dann dürfen die Jungen ruhig auch im Anschluss, um es mal in ihrer Sprache zu sagen, noch ein Weilchen „hart abchillen“. Mal an sich und ihre Wünsche denken statt immerzu nur an die Karriere.

„ziemlich geil, aber manchmal auch abstoßend“

Karriere-Einsichten: Denn…

… das Leben ist eine Hure – ziemlich geil, aber manchmal eben auch echt abstoßend. Und das sollten die jungen Bewerber live mitbekommen, bevor sie in die Gemengelage eines Konzerns tappen, dort gebrochen und wieder ausgespuckt werden. Schließlich gibt es ein Leben vor dem Tod. Und das findet nicht nur am Arbeitsplatz statt – und bitte erst recht nicht erst dann, wenn ihr in Rente geht.

Über den Interview-Partner: Jörg Kopp langweilt nichts mehr als Konsens und Mainstream. Der schwarzhumorige Keynotespeaker, Freiheitsextremist und notorische Unternehmensgründer irritiert und provoziert deshalb mit Leidenschaft, um seine Leser so auf neue Wege zu leiten. Und wenn sich Menschen schnell auf eine Meinung einigen, ist er mit Garantie derjenige, der alles nochmal hinterfragt. Seine meinungsstarken Beiträge veröffentlicht er auch regelmäßig auf seinem Blog.

Artikelbild: studio1901/ Shutterstock

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