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Vor knapp einem Jahr hat der 30-jährige Medieninformatiker seinem Chef die Kündigung auf den Schreibtisch gelegt. Nach drei Jahren will er zurück. Wie die Geschichte für ihn und den Ex-Arbeitgeber ausgeht, berichtet Jens Gieseler…

Zwei Monate residierte Hendrik Schuster im Zentrum Zwickaus allein auf 180 Quadratmetern. Seit Anfang Juli hat der Softwareentwickler und Spezialist für User Experience mit Andreas Weizel einen Kompagnon in dem großzügigen Büro. In der ersten Stufe hat ihr Brötchengeber itdesign in der neuen Zweigstelle vier Arbeitsplätze für IT-Fachkräfte vorgesehen. Insgesamt sollen es mindestens acht werden. 

Die Kündigung: auf zu neuen Ufern

Vor knapp einem Jahr hat der 30-jährige Medieninformatiker seinem Chef die Kündigung auf den Schreibtisch gelegt. Nach drei Jahren im württembergischen Tübingen wollte der gebürtige Sachse zurück in die Heimat – Familiengründung und Hausbau sowie engerer Kontakt zu Familie und Freunden bekamen Vorrang.

„Einen guten Entwickler lassen wir nur ungern gehen – das sind gesuchte Spezialisten, und es ist nicht einfach, ihre Stellen neu zu besetzen.“

Christoph Adamczyk, einer der vier Geschäftsführer von itdesign, fiel zunächst aus allen Wolken: „Einen guten Entwickler lassen wir nur ungern gehen – das sind gesuchte Spezialisten, und es ist nicht einfach, ihre Stellen neu zu besetzen.“ Deshalb entwickelte das Geschäftsführer-Quartett eine Idee: Schuster bleibt im Unternehmen und gründet eine neue Niederlassung in Zwickau. „Aus unserer Sicht ist er der Richtige, um den Spirit von itdesign in einem eigenständigen Entwicklungs-Hub weiterzutragen“, so der Diplom-Betriebswirt. 

Die Konjunktur: Surfen auf der Welle

Dass einige Arbeitnehmer auf Grund der positiven Wirtschaftsentwicklung nach Sachsen, speziell nach Zwickau zurückkehren, ist nichts Neues. Doch dass Firmen diese Rückkehr als Geschäftschance begreifen, findet Torsten Spranger sehr ungewöhnlich. Neben den Tübingern kennt der Geschäftsführer der IHK Zwickau lediglich die EDAG, die das ähnlich gemacht hat.

Doch der Automobilzulieferer ist mit mehr als 8000 Mitarbeitern kein kleines mittelständisches Unternehmen wie itdesign. Für Zwickau sprechen neben moderaten Wohn- und Baupreisen die flächendeckende Versorgung mit Kindergartenplätzen und die ordentliche Situation in den Schulen, sagt der Industrie- und Handelsvertreter: „Die Wirtschaft hat sich zudem in den vergangenen Jahren sprunghaft entwickelt.“ 

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Industrie- und Handelsvertreter: „Die Wirtschaft hat sich zudem in den vergangenen Jahren sprunghaft entwickelt.“ 

Das haben auch die Tübinger recherchiert: VW steckt vor Ort geschätzte 1,2 Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Autos. Dazu sollen Zulieferer weitere 800 Millionen Euro investieren. „In der Region bewegt sich etwas“, urteilt Adamczyk, auch angesichts des leichten Bevölkerungswachstums. Hinzu kommt, dass mit den TUs in Chemnitz und Freiberg, den FHs in Zwickau und Mittwerda sowie der Berufsakademie gleich fünf Hochschulen in unmittelbarer Umgebung qualifizierte Fachkräfte ausbilden.

Der Boom: Elektromobilität

Die benötigt das Unternehmen, das Komponenten entwickelt für Kundenbeziehungsmanagement (CRM), für die Strategie und Führungen der aktuellen Projekte (PPM) sowie die eigene Cloud-Applikation „Meisterplan“. Mit den entsprechenden Lehrstühlen hat Hendrik Schuster Kontakt aufgenommen und der ein oder andere Vortrag ist bereits fest vereinbart. Genauso ist das Unternehmen bei Hochschulmessen oder während der „Langen Nacht des Codings“ vertreten. 

„Es ist auch in dieser Region nicht einfach, die passenden Mitarbeiter zu finden“, gibt der Rückkehrer zu, schließlich ist die Konkurrenz um Spitzenkräfte groß. itdesign kann als ausgezeichneter Arbeitgeber punkten – im vergangenen Jahr gewann das 150-Mitarbeiter-Unternehmen die Auszeichnung Great Place to Work. Und auch die Bewertung von 4,5 und Empfehlungsquote von 81 Prozent auf dem Mitarbeiterprotal kununu lassen sich sehen. „Der Entwicklungs-Hub sieht genauso aus wie in Tübingen – von den Arbeitstischen über das rote Sofa bis zur Kaffeemaschine“, freut sich Schuster. Es soll das gleiche Arbeits- und Lebensgefühl wie im Stammhaus herrschen. 

„Durch den Daily Scrum – ein Teammeeting über Skype – spreche ich täglich mit meinen Kollegen“

Vereinsamt ist der Zwickauer seit seiner Rückkehr nicht. „Durch den Daily Scrum – ein Teammeeting über Skype – spreche ich täglich mit meinen Kollegen“, so Schuster. Durch die agile Arbeitsweise ist eine regelmäßige und enge Kommunikation notwendig. So kommen weitere Videokonferenzen oder Besprechungen über entsprechende virtuelle Kommunikationstools hinzu.

Außerdem freut er sich über die Quartalsmeetings sowie die Weihnachtsfeier in Tübingen oder kürzlich den Firmenausflug nach Paris. „Für uns ITler ist der virtuelle Kontakt völlig selbstverständlich“, erzählt Hendrik Schuster lächelnd, „aber manchmal ist der persönliche Kontakt eben auch sehr wertvoll“. 

Artikelbild: Privat/ itdesign

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