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Von der Krankenschwester zur Klinikberaterin mit sechsstelligem Jahresumsatz. Nicht immer verlief der Weg von Christiane Fruht steil bergauf; sie musste einige Hindernisse und Niederlagen überwinden. Ihr Fazit nach zehn Jahren als Kommunikationstrainerin und Führungskräfte-Coach: „Kein Job, den ich gemacht habe, war umsonst oder überflüssig.“ Wir haben mit der Ex-Krankenschwester gesprochen…

Karriere-Einsichten: Um als selbstständige Trainerin und Coach für Ärzte zu arbeiten, beendeten Sie nach 16 Jahren Ihr Krankenschwester-Dasein. Wie verliefen Ihre Anfänge als Unternehmerin im neuen Beruf?

Christiane Fruht: Meine ursprüngliche Idee, als Kommunikations-Trainerin Ärzte dabei zu unterstützen, ihre „Arzt-Patienten-Gespräche“ zu optimieren, war damals nicht attraktiv genug. Häufig bekam ich die Antwort „Klingt interessant, aber wir haben derzeit andere Probleme.“ Deshalb nahm ich jeden Job an, der sich mir bot: Von der Volkshochschule, über

„Tschaka“-Verkaufstrainings bis hin zu Integrations-Seminaren von Langzeitarbeitslosen. Zwischendurch gab ich bei Unternehmen wie Danone, Audi, Apollo und Birkenstock Verkaufs- Schulungen,  Business-Knigge-Kurse  und Rhetorik-Workshops.

Karriere-Einsichten: Hatten Sie Zweifel, dass Sie den richtigen Weg damit eingeschlagen haben?

Christiane Fruht: Damals wie heute ist der Markt mit Trainern, Coaches und Beratern überfüllt. Glücklicherweise bin ich ein positiv denkender Mensch und glaube fest daran, dass sich harte Arbeit früher oder später auszahlt – vor allem, weil ich liebe, was ich tue. Coach zu sein, ist definitiv mein Traumjob. Wenn ich einmal Zweifel hatte, dann nur für kurze Zeit. Mit 36 Jahren hatte ich bereits einige Lebenserfahrungen gemacht und wusste, was ich wollte.

Durch Netzwerken Kunden gewinnen

Karriere-Einsichten: Wie ist Ihnen der Einstieg in die Gesundheitsbranche trotzdem gelungen?

Christiane Fruht: Über mein berufliches Netzwerk öffnete mir ein langjähriger Freund die Tür zur Chefetage eines renomierten Klinik-Konzerns. Wenig später stand ich als Trainerin vor Klinikgeschäftsführern, Ärztlichen Direktoren und Pflegedienstleitern. Die heuerten mich prompt für Team-Workshops für ihr eigenes Klinikpersonal an. Später folgten weitere Aufträge in anderen Krankenhäusern, Reha-Kliniken und medizinischen Versorgungszentren.

Karriere-Einsichten: Dass Sie gerne Netzwerken und Social Media Kanäle bedienen, ist sicher ein Grund, warum Ihr Ratgeber für die patente Krankenschwester „Ich komme gleich“ gute Resonanz hat – oder?

"Ich komme gleich!" - Wer kennt diesen Satz nicht aus dem Alltag. Tipps für alle, die dabei nicht die Nerven verlieren im Buch von Christiane Fruht...
„Ich komme gleich!“ – Wer kennt diesen Satz nicht aus dem Alltag. Tipps für alle, die dabei nicht die Nerven verlieren im Buch von Christiane Fruht

Christiane Fruht: Heutzutage kommt kaum noch jemand an den sozialen Medien vorbei. Sie helfen, sichtbar zu werden und viele Interessenten zu erreichen. Und es freut mich natürlich, dass der Ratgeber für viele Krankenschwestern eine hilfreiche Lektüre ist.

Toll finde ich auch, dass die bekannte Video-Bloggerin Pipapueppo sämtliche Szenen aus dem Buch regelmäßig auf ihrem YouTube-Kanal als Serie darstellt. Mittlerweile hat sich eine Fangemeinde von 33.000 Followern gebildet und der Ratgeber im Kitteltaschenformat hat sich inzwischen fast dreitausend Mal verkauft.

Karriere-Einsichten: Wie haben Sie es erreicht, als Führungskräfte-Coach für Klinikmitarbeiter erfolgreich zu sein?

Christiane Fruht: Ich habe großen Respekt vor der dem, was meine Teilnehmer unter Zeitdruck leisten. Daher specke ich große Theorien extrem ab und serviere sozusagen leicht verdauliche Häppchen. Diese sind gezielt so aufbereitet, dass sich die Führungskräfte in herausfordernden Situationen an die vorgeschlagenen Lösungen gut erinnern können.

Generell steht bei mir der Nutzen für die Führungskraft über allem. Deshalb kam ich auch auf das Thema „Gesundes Betriebsklima, gesunde Mitarbeiter“, was in den Klinken aktuell eine überlebenswichtige Rolle spielt. Durch meine 16-jährige Erfahrung als Krankenschwester weiß ich genau, wo dem Klinikpersonal die krankmachenden Faktoren im Alltag auflauern und vermittle entscheidende, wertvolle Strategien.

Mitarbeiter zu Spitzenleistungen motivieren

Karriere-Einsichten: Wie funktioniert gesundes Führen?

Christiane Fruht: Meine Mission ist es, den Führungskräften den transformationalen Führungsstil zu vermitteln. Damit gelingt es, dass sich Mitarbeiter gern und freiwillig von ihnen leiten lassen. Markante Merkmale sind beispielsweise, dass Führungskräfte ein glaubwürdiges Vorbild abgeben, selbst positive Ziele vertreten, zum kreativen Denken anregen und Mitarbeiter individuell fordern und fördern. Nur dann sind Mitarbeiter zu Spitzenleistungen bereit. Es ist der nachweislich erfolgreichste Führungsstil.

Karriere-Einsichten: Welche Fehler machen die Führungskräfte in Kliniken aus Ihrer Sicht?

Christiane Fruht: Sie haben selbst sportliche Vorgaben. Um diese umzusetzen, wird Mitarbeitern gegenüber nur wenig Empathie zum Ausdruck gebracht, obwohl sie eigentlich dazu in der Lage wären. Die Folge ist, dass sich Führungskraft und Mitarbeitergefolge entkoppeln und die Führungskraft nur noch isoliert agiert.

„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“

Das ist schade, weil sie damit der Basis die Bereitschaft entzieht, die Vorgaben umzusetzen. Mit erhöhtem Druck verschlimmert sich die Lage zusätzlich. Gelingt es Führungskräften, gekonnt zu vermitteln, folgen Mitarbeiter dem Aufruf und erbringen Spitzenleistungen – auch unter widrigen Umständen.

Karriere-Einsichten: Welche Empfehlung geben Sie Führungskräften mit auf ihren Weg?

Christiane Fruht: Ganz einfach: Führungskräfte sollten ihre eigenen Grenzen kennen, gut für sich selbst sorgen und sich Unterstützung holen, wenn Fragezeichen zu häufig auftauchen.

Coachings geben Handlungssicherheit

Karriere-Einsichten: Aus diesem Grund sind Führungskräfte-Coachings unentbehrlich?

Christiane Fruht: Ja, weil der Druck auf die Kliniken kontinuierlich wächst und kompetente Leute überzeugend und nachhaltig agieren müssen. Mittlerweile nehmen ein Großteil von Mitarbeitern in leitenden Positionen professionelle Coachings in Anspruch, weil sie den Nutzen für sich erkannt haben.

Karriere-Einsichten: Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrem bisherigen beruflichen Erfolg als Unternehmensberaterin und Coach?

Christiane Fruht: Alles hatte seinen Sinn und hilft mir bei aktuellen Aufträgen. Wenn mich beispielsweise Führungskräfte nach Tipps für Bewerbungsgespräche fragen, kommen meine Erfahrungen aus den Bewerbungs-Coachings mit den Arbeitslosen von damals zum Tragen. Arbeite ich mit Teilnehmern, die unfreiwillig in den Workshops sitzen, habe ich nötige Fingerspitzengefühl entwickelt, Trotzreaktionen binnen kurzer Zeit in Begeisterung zu verwandeln.

Kunden-Magnet sein

Karriere-Einsichten: Wie gelingt es Ihnen, sich aus der Masse von Coaches abzuheben?

Christiane Fruht: Ich investiere viel Zeit und Geld in Öffentlichkeitsarbeit, um meine Kompetenz und den Nutzen meiner Dienstleistung darzustellen. Ich feile stets an der eigenen Positionierung. Ich möchte als Expertin für Führung und Zusammenarbeit in Kliniken wahrgenommen werden und wie ein Magnet potenzielle Kunden anziehen.

Außerdem spüren meine Kunden, dass ich meinen Job liebe und mit Leidenschaft ausübe. Trotz aller Visionen darf niemals die Leichtigkeit und der Spaß an der Arbeit zu kurz kommen. Erfolg misst sich nicht nur in Zahlen, sondern vor allem durch die positiven Gefühle, die man durch seine Arbeit bekommt. Wenn man merkt, dass die freudvolle Beschäftigung außerdem gutes Geld einbringt, hat man das Richtige gefunden und sich glücklich schätzen.

Karriere-Einsichten: Sie haben in den letzten Jahren sechsstellige Jahresumsätze erwirtschaftet. Welche Pläne verfolgen Sie in Zukunft?

Christiane Fruht: … da war ich wohl goldrichtig (lacht). Ich habe mir das Ziel gesetzt, Deutschlands Expertin für Führung und Zusammenarbeit in Kliniken zu sein. In diesem Sinne schreibe ich an meinem Buch „Transformationale Führung in Klinken“, das in diesem Jahr erscheinen wird. Und mit meinen Workshops und Trainings möchte ich weiterhin Ideen und Perspektiven aufzeigen, die die Zusammenarbeit der Mitarbeiter in den Kliniken wirklich bereichern.

Über die Gesprächspartnerin: Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester arbeitete Christiane Fruht drei Jahre in Halle in der Abteilung Gefäßchirurgie und weitere zehn Jahre auf einer herzchirurgischen Intensivstation in München. Danach absolvierte sie erfolgreich die Magisterstudiengänge Sprechwissenschaft, Psychologie und Politik an der LMU München. Seit 2006 ist Fruht selbstständige Kommunikationstrainerin, Mediatorin, systemische Beraterin und Führungskräfte-Coach in Kliniken. Im Jahr 2015 erschien ihr Ratgeber für die patente Krankenschwester „Ich komme gleich“.

Artikelbild: Poprotskiy Alexey/ Shutterstock

 

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