Keine Zeit zum Lesen? Mach' dir nen Kaffee und gönne dir 4 Minuten...

Ein neuer Geist im Management muss her. Ein neuer „Spirit“. Buddhismus kann helfen, Wirtschaften menschlicher zu machen. Findet Anna Matzenauer…

[dropcap]D[/dropcap]ass dies Skepsis hervorruft, ist verständlich. Wie bitte, sollte sich ein System, das sich per se durch stetiges Wachstum, durch knallharten Wettbewerb und kurzfristiges Denken definiert zu solchem Verhalten durchdringen?

Bedroht dieser Wunsch doch bisherige Maximen. Wir brauchen dieses Wirtschaftssystem. Wir wollen unseren Lebensstandard, unsere Lebensqualität, unseren Drang uns selbst zu verwirklichen nicht reduzieren. Was also bewegt Manager dazu, sich der Meditation als einem „Königsweg“ zuzuwenden.

Achtsamkeit zu trainiern, die Wahrnehmung zu schulen, um Verantwortung zu übernehmen für das eigen Handeln und die Selbststeuerung, die emotionale Intelligenz zu fördern und somit anders zu führen? Nach meiner Erfahrung ist es schlicht die Sehnsucht nach Sinn:

Sinnvolle Arbeit wichtiger als schnödes Geld

Trotz der Globalisierung hat sich dieser archaische Wunsch, seinem Leben einen Sinn zu geben, nicht erübrigt. Auch Manager wollen sich in ein größeres Ganzes einbinden.

Und manch einer mag es richtig satt haben eine einflussreiche Position und ein ansehnliches Salär zu haben, wenn eben damit nicht eine sinnvolle Arbeit einhergeht. Eine buddhistische Lehrerin sagte mir einmal bezüglich einer Freundin, die in einem wunderschönen Haus ohne Arbeit herumsaß: „Auch von den schönsten Möbeln geht keine Inspiration aus“.

Menschen wollen etwas Sinnvolles tun, einen Beitrag leisten in dieser Welt, das habe ich hundertfach in Coachings erlebt, in Seminaren oder in Dialogen.

Ich sage aus Spaß immer, eines Tages werden wir keine Lehrer, Floristinnen oder Pfleger und Zahnärzte mehr haben, sondern nur noch Coaches.

Ich erlebe im Coaching sehr viele Berufstätig, die sich einen Wechsel weg von ihrem Herkunftsberuf wünschen, weil dieser sinnentleert ist, hin zu z.Bsp. einer begleitenden, andere in ihrem Wachstum unterstützenden Tätigkeit – Sprich, das, was man sich landläufig unter Coaching vorstellt.

Achtsamkeit für Chancen, Job-Opportunitäten mal anders

So ist es nicht verwunderlich, dass ManagerInnen sich auf der Suche nach dem Sinn im Beruf einem spirituellen Weg zuwenden.

Nicht selten ist dies der Buddhismus. Denn der Buddhismus bietet in Sachen Sinn und der Umsetzung einer ethisch ausgerichteten Haltung im Alltag einige Chancen.

  • Buddhismus ist eine Religion, aber auch ein Weg der Sichtweisen. Von Buddha wird gesagt, er sei der gewesen, der ohne Schnörkel oder Verzerrung aufzeigte, wie die Dinge sind und dazu dann noch klare Methoden lieferte, damit auch jeder andere erleben kann wie die Dinge wirklich sind. (Hinter dieser einfachen Formulierung steckt ein umfassendes Konzept über Wirklichkeitsdefinition, Wahrnehmungstheorie etc.)
  • Buddhismus gibt klare Antworten auf Fragen wie: Was ist Glück? Was ist Leid? Sprich: was ist Gewinn, was ist Verlust? Was ist ein Selbst? Was ist Bewusstsein?
  • Buddhismus erklärt, was Achtsamkeit ist und wie diese trainiert werden kann. Ohne diese ist eine Selbstreflexion und Selbststeuerung nicht möglich – Schlüsselfähigkeiten im heutigen Management.
  • Buddhismus definiert Karma – Ursache und Wirkungszusammenhänge. Mehr Klarheit darüber führt dazu, dass Verantwortung für das eigene Handeln übernommen wird. Daraus erwächst innere Freiheit. Stellen Sie sich vor, alle Entscheidungsträger der Wirtschaft würden konsequent nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung handeln, sprich negatives Handeln vermeiden, Positives ausführen, weil sie wüssten, dass ihr Handeln nicht nur für andere sondern auch für sie selbst gravierende Folgen hat
  • Doch es darf auch schlichter sein. Schauen wir uns zum Beispiel einmal die 10 Prinzipien an, die Buddha lehrte: 3 beziehen sich auf den Körper, 4 auf die Rede, wiederrum 3 auf den Geist. Modern übersetzt heißt dies: Das Verhalten, die Kommunikation und die Sicht oder Einstellung werden fokussiert.

Glücklich sein, als Chef für andere da sein

Zusammengefasst heißt das: Fördern Sie das Wohl anderer. Achten und schützen Sie den Besitz anderer. Behandeln Sie Menschen gleich. Vermitteln Sie nur wahre Eindrücke. Schaffen Sie Verbindung zwischen Menschen. Sprechen Sie qualifiziert und respektvoll. Sprechen Sie nur über Bedeutsames. Finden Sie Freude an dem, was Sie haben. Feiern Sie die Erfolge anderer. Erkennen Sie das verborgene Potenzial in allem:

Nun wollen wir nicht übertreiben. Aber stellen Sie sich vor, eine Managerin würde nur eines dieser Prinzipien konsequent im Blick haben und immer wieder neu den Versuch machen, danach zu handeln, zu sprechen oder so zu denken.

Oder ich will mal bei mir selbst anfangen. Stellen Sie sich vor, ich würde als Trainerin auf Prinzip 4 achten: Kein Foto auf meiner Website, das 6 Jahre alt ist. Keine künstlich aufgeblähten Begriffe, die meine Arbeit hochstilisieren, sondern eine ehrliche, solide Selbstdarstellung.

Nicht Blenden als Devise, sondern ehrliche Haltung

Keine Schummelei im Sinne von ‚Ich hatte keine Zeit, bin derart eingespannt!‘, wenn Konzepte aus anderen Gründen nicht termingerecht eingereicht wurden. Kleinigkeiten?

Meine These (und Erfahrung) ist, dass diese Kleinigkeiten eine enorme Auswirkung haben. Probieren Sie es aus. Es ist gar nicht so einfach dies im Alltag konsequent durchzuführen, aber sehr lohnenswert. Was sich dadurch verändert? Zunächst wird der Blick für das eigene Handeln geschärft.

Langfristig und gerade, wenn es sich um Führungspositionen handelt, führt dies zu einer Kulturveränderung im kleinen oder auch größeren System. Dies wird ein „Rolemodel“ für andere.

Ziehen wir dann noch die Idee von Karma, von Ursache und Wirkung hinzu, ist nicht auszuschließen, dass mein Verhalten in absehbarer Zeit zu positivem Erleben führt. Und vielleicht zu einer Arbeit, die Erfüllung und Erfolg ist.

Lesen Sie hier auch den zweiten Teil der Serie über Christliches Management, im dritten Teil über Jüdisches Management Teil 1 einer Serie über Glauben, Spiritualität und Ethik im Job. Weitere Plädoyers von Führungskräften in der Wirtschaft aus Judentum, Christentum, Islam aber auch dem Atheismus folgen.

Die Hoffnung bleibt ähnlich: Werte und Weisheit, Mitgefühl und Nächstenliebe, Gelassenheit und Achtsamkeit – um ein paar Kernbegriffe zu nennen.

Seit 21 Jahren befasst sie Anna Matzenauer sich mit dem Buddhismus, neben ihren Coachings. Zum Thema „Sinn im Beruf“ hat sie auch ein Buch mit Kollegen herausgegeben. Titel: Ich arbeite, also bin ich?

Artikelbild: © Jan Thomas Otte

12 Kommentare

  1. Was will uns die Überschrift sagen? „Nicht immer Männer“ Männer sind genauso Buddhisten wie Frauen auch. Oder sollen Männer nicht immer buddhistisch denken? Oder ist dies hier ein Eyecatcher für Emanzen? Schön wäre eine Übertragung der Prinzipien auf ein konkretes Beispiel gewesen – ich hätte mich gefreut, einen der Manager zu sehen, die sich dem Buddhismus zuwenden, was sicher eine interessante „Corporate-Governance Ausprägung“ ist! Und letztlich? Was ist ein „Trainer und Coach“? Eine etwas präzisere Darstellung der Qualifikation hätte der Sache mehr Seriösität verliehen.

  2. Danke für den Kommentar! Nicht immer nur die Männer, will sagen: Bisher kommen auf unserem Magazin nur Männer vor. Dies stellt zwar noch die Realität im Management dar. Doch manche Unternehmen werben ja auch mit 25% Frauenquote oder mehr. Katholische Kirche mit Papst Benedikt und Buddhisten mit dem Dalai Lahma mal ausgenommen.

  3. Lieber Chris,

    ein angewandtes Beispiel findet sich im Text: Prinzip 4: Vermitteln Sie nur wahre Eindrücke. „Kein Foto auf meiner Website, das 6 Jahre alt ist. ….“. Die zehn Prinzipien werden von mir im Seminar „Erfüllung und Erfolg“ dargelegt und anhand der Praxisbeispiele der Teilnehmer angewandt. Die Anonymen Insolvenzler haben übrigens ihr „Business“ auf den 10 Prinzipien aufgebaut, Sie können Hr. Attila v. Unruh, den Erfinder, googeln. Und das dollste Beispiel ist natürlich Geshe Miachael Roach mit seinem Buch Die Weisheit des Diamanten. Lesenswert.
    Viele Grüsse, A. Matzenauer

  4. Liebe Frau Matzenauer,
    Ihr Artikel spricht mir aus der Seele – endlich fomuliert einmal jemand eine Verbindung zwischen sinnvollem Management und buddhistischen Sichtweisen. Viele Managementratgeber greifen buddhistische Gedanken auf ohne sie beim Namen zu nennen. Danke für Ihre Inspiration.

  5. […] Sie hier auch den zweiten Teil der Serie über Christliches Management, den ersten Teil über Buddhistisches Management  Karriere-Einsichten drucken […]

  6. Was den Buddhismus so attraktiv und unserer Ansicht nach einzigartig für das Management macht, ist das Prinzip der Eigenverantwortung. Das bedeutet, dass ich sämtliche Konsequenzen zu trage habe, die aus meinen Handlungen resultieren – und zwar langfristig. So mag schnelles Geld auf Kosten anderer im ersten Moment für manch einen wunderbar sein. Im Endeffekt führt es aber bereits mittelfristig zu Misstrauen, Einsamkeit, Neid, Zorn und noch mehr Gier. Ein Teufelskreislauf beginnt, der aus einer Mischung aus Lügen, dem Verstecken der Lügen und – daraus resultierend – aus massiven unangenehmen Gefühlen besteht. Ein Teufelskreislauf, der letztlich unter anderem auch zu schweren gesundheitlichen Schäden, wie zum Beispiel Infarkten, führt.

    Das ganze funktioniert aber auch in die andere Richtung: Werte wie Großzügigkeit und Ehrlichkeit haben eine entspannende Wirkung. Denn im Gegenteil zum narzisstischen Blender hat man nichts zu verbergen. Und es geht noch einen Schritt weiter: es gibt mir auch ein gutes Gefühl und ganz schön viel Selbstsicherheit zu wissen, dass ich voll und ganz hinter dem stehen kann, was ich tue: es beruhigt, hält fit und motiviert.

    Im Buddhismus gibt es sechs ganz konkrete Handlungsweisen, die Paramitas, die darauf abzielen, in Einklang mit sich selbst zu gelangen. Dazu gehören Großzügigkeit, ethisches Verhalten, energisches Bemühen, Ausdauer, Meditation/Konzentration und Weisheit. Würde sich in einem Unternehmen jeder – vom Management bis zum Reinigungspersonal – diese Prinzipien zu Herzen nehmen, bräuchte es weder Stechuhren noch andere Kontrollinstanzen. Das Unternehmen würde ganz von selbst funktionieren. Eine Utopie? Mag sein. Aber eine, für die es sich lohnt, sich einzusetzen und sich ihr anzunähern.

Kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here