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Wer ist Putin? Ein Playboy, Ex-Geheimdienstler, gar ein Faschist? Wir sollten die aktuelle Wirtschaftskrise als Anlass nehmen, um unsere westliche Arroganz abzulegen. Kurzum: mehr Verständnis für die russische Kultur entwickeln. Und die erklärt uns ein Harvard-Professor…

Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater von US Präsident Jimmy Carter, hat Putin ohne Beweis als Faschisten bezeichnet. Es liegt am Westen dieses Missverständnis aufzuklären. Als ehemaliger Offizier des Geheimdienstes der Sovietunion (KGB) und späterer Leiter der Bundesagentur für Sicherheit der Russischen Föderation, hat sich Putin optimal auf seine Karriere als Politiker vorbereitet.

Eine Geheimdienst-Vergangenheit macht Putin nicht automatisch zum Diktator oder Tyrann. George H. W. Bush leitete den amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA bevor er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Niemand würde ihn deshalb als Faschist bezeichnen.

„Karriere optimal vorbereitet“

Gorbachev und Yeltsin haben eine ideale Ausgangsposition für Putin geschaffen. Mit seinen missglückten Reformen “Perestroika” und “Glasnost” hat Gorbachev maßgeblich zum Untergang der ehemaligen Soviet Union beigetragen. Yeltsin’s anschliessende Privatisierungsprogramme sorgten für soziale Ungerechtigkeit und allgemeine Unzufriedenheit.

Als Putin an die Macht kam stand Russland kurz vor dem Untergang. Soziale Unruhen und mangelnde Stabilität zwangen Yeltsin zur Ernennung eines Nachfolgers. Putin galt als besonnener, politisch gemäßigter Kandidat. Gleichzeitig wirkte er charismatisch und stark.

Putin, eine Erfolgsgeschichte?

Putin ist es gelungen dringend benötigte soziale Reformen durchzusetzen, und Russland zu stabilisieren. Er hat den Prestigedes Landes auf internationaler Ebene wiederhergestellt, und dem Volk Zuversicht gegeben. Außerdem hatte er den Mut gegen Oligarchen vorzugehen, und bessere Wachstumschancen für die russische Mittelklasse zu schaffen.

Auch wenn laut Weltbank und Transparency International die Korruptionsrate in Russland weiterhin erschreckend hoch ist, darf nicht in Vergessenheit geraten, dass Putin seine Aufgaben erfüllt hat. Er ist entschieden gegen Oligarchen wie Khodorkovsky vorgegangen. Für das Versagen der russischen Staatsanwaltschaft kann Putin nur sehr bedingt verantwortlich gemacht werden.

Statt über Putin’s Fehler zu lästern, sollten sich amerikanische Regierungsberater wie Zbigniew Brzezinski eher auf seine kapitalistischen Erfolge konzentrieren: Putin wusste als erster russischer Präsident die Öl und Gas Reserven des Landes zu seinem Vorteil zu nutzen. Er versteht es die Preise für Rohstoffe konstant hoch zu halten, und hat eine faire Besteuerung der Exportgewinne eingeführt.

Der richtige Mann für Russland

75 Prozent der russischen Bevölkerung bevorzugen Ordnung gegenüber Freiheit. Das Volk sehnt sich nach Stabilität. Putin ist nicht nur ein äußerst charismatischer Politiker, sondern überzeugt vor allem durch sein starkes und diszipliniertes Auftreten.

Schon Benjamin Franklin war sich der Bedeutung seiner Reputation bewusst, und erläuterte eindrucksvoll in seiner Autobiografie, wie er sein Image pflegte. Putin scheint von seinem nordamerikanischen Leidensgenossen gelernt zu haben. Er fliegt Militärjets über Tschetschenien um zu zeigen, dass er den Streitkräften verbunden ist, und lässt sich bei Karatewettkämpfen fotografieren, um seine Willenskraft und Disziplin hervorzuheben.

Anschließend lässt er sich beim Angeln oder Jagen fotografieren. Er reitet auf Pferden über die Wiesen Russlands, und betäubt vor laufender Kamera einen Tiger. Damit zeigt er sich als großer Naturliebhaber, und gewinnt die Sympathie der ländlichen Bevölkerung.

Natürlich möchte Putin auch die Stimmen der Motorradfahrer seines Landes gewinnen. Deshalb ist er regelmäßig auf Bikertreffen zu sehen, und fährt mit seiner Harley Davidson voraus. Er zeigt sich als dynamischer Präsident, der sich für nichts zu Schade ist, und gewinnt damit die Herzen der jüngeren Bevölkerung.

Auf Schatzsuche

Im August 2011 ging er allerdings etwas zu weit. Während eines Tauchausfluges hat er “zufällig” einen Schatz gefunden. Später wurde bekannt, dass Putin’s Schatz tatsächlich schon einige Tage vorher entdeckt worden war. Trotzdem scheint seine Glaubwürdigkeit nicht gelitten zu haben.
Der ewige Präsident

Seit Mai 2012 ist Putin wieder offiziell Präsident der Russischen Föderation. Inoffiziell war er allerdings auch während seiner Zeit als Ministerpräsident an der Macht. Damit sein Mandat als Präsident nicht bereits nach vier Jahren unterbrochen werden könnte, hat er die Verfassung geändert. Nun bleibt er mindestens sechs Jahre, vermutlich aber eher zwölf Jahre an der Macht. Die größte Herausforderung dieser Legislaturperiode besteht in der momentanen Wirtschaftskrise. Sollte der Euro untergehen, könnten auch Russland’s Handelsbeziehungen mit dem Westen unter Druck geraten.

Über den Autor: Professor Bruno Sergi ist Gastdozent für Russische und Chinesische Wirtschaftspolitik an der Harvard University und Senior Fellow am Davis Center in Boston. Fabian Teichmann studiert bei ihm Wirtschafts- und Finanzwissenschaften……

Artikelbild: faithie/ Shutterstock  

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