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Wertebasierte Unternehmensführung wirkt sich positiv auf das wirtschaftliche Ergebnis aus. Christlich fundiert: Vertrauen, Verantwortung oder Authentizität. Findet Markus Warode…

[dropcap]W[/dropcap]erte schaffen Werte – gutes Wirtschaften leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt. Unsere Werte befähigen den Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen. Diese Aussage des Vorstandsvorsitzenden eines großen deutschen Medienunternehmens ist nicht nur zur Zeit der Wirtschaftskrise höchst aktuell.

Wichtig sind dabei die tatsächliche Umsetzung von Werten und die persönliche Haltung, die Spiritualität der Führungskräfte.

„Wenn ich nur so tue, als ob ich werteorientiert führe, darf ich sicher sein, dass mich Kunden und Mitarbeiter rasch enttarnen.“

Wertschätzung verbindet Management und Spiritualität

Menschen bringen ihre Leistung, wenn man sie lässt und wenn man sie wertschätzt. Den Menschen Orientierung und Sinn bzw. das Vertrauen zu geben, steht im Mittelpunkt. Entscheidend ist also eine Spiritualität, eine Grundüberzeugung der handelnden Akteure, die sich auf der Basis reflektierter Werte manifestiert.

Eine individuell – hinsichtlich grundlegender christlicher Werte – reflektierte Grundüberzeugung oder Haltung ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und kann somit Basis für einen wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Erfolg sein.

Vertrauen schafft Verantwortung – und umgekehrt

Die integrale Umsetzung von Werten wie Vertrauen und Verantwortung in die organisationale Praxis wird in diesem Sinne zu einem Indikator für eine höhere Mitarbeiterleistung, mehr Kreativität und grundsätzlich für eine höhere Konzentration auf die eigenen Stärken.

Dabei ist es zunächst völlig unerheblich, ob es sich um soziale und kirchliche Einrichtungen oder privat-wirtschaftliche Unternehmen handelt.

Ein Zusammenspiel von Haltung und Handlung ist die universelle Voraussetzung, wobei die Haltung stets die Grundlage für die Handlung abbildet. Zusammenfassend gilt es Spiritualität und Management zu einem praktischen Ansatz zu verbinden.

Christliche Spiritualität im Job als Strategie…

Wie kann es nun gelingen, Spiritualität und Management integral zu vereinen ohne dass die beiden Bereiche losgelöst nebeneinander stehen? Entscheidend ist, wie eine Organisation einen solchen Ansatz authentisch als Strategie und auch als Lebensader nutzen kann.

Dabei generiert sich der Ansatz nicht auf Basis einer theoretischen Zusammenführung unterschiedlicher Professionen, sondern aus den praktischen, jahrhundertealten Erfahrungen der Mönche, franziskanischen Orden, z.B. des Kapuzinerordens.

So liefern die Kapuziner ein positives Beispiel für die integrale Zusammenführung von Spiritualität und Management. So wie andere Orden auch unter der Regel Benedikts, dem „ora et labora“.

Kompetenzen zur Reflexion von Mönchen lernen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Existenz der franziskanischen Bewegung, die nunmehr seit über 800 Jahren besteht, ist die gemeinsame Spiritualität, die einer Organisation die Identität und somit die Basis für strategisches, wirtschaftliches Handeln gibt.

Spiritualität wird in diesem Kontext als eine Lebenshaltung definiert, die christliche Werte in Handlungen umsetzt, diese reflektiert und sich stets in der Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zum Unverfügbaren charakterisiert.

Auf Basis der Inhalte und des Lebens des hl. Franz von Assisi. Denn Franz von Assisi ist dahingehend Vorbild, da er seine Haltung gelebt bzw. umgesetzt hat.

Den Kapuzinern gelingt es als christlicher Orden die Bereiche Spiritualität und Management als eine gemeinsame Stärke für die Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen zu nutzen.

Sinnfragen klären, Strukturen finden

Die Tradition der Kapuziner liefert eine jahrhundertelange Erfahrung mit Spiritualität und Management bspw. im Zuge der Führung und Leitung einer Organisation und gibt darüber wertvolle Impulse und Anregungen für ein modernes Management.

Die Kapuziner leben nach den Fragen „Wer sind wir?“ und „Was tun wir?“. So wird in den wichtigen Dokumenten des Ordens wie der Regel des hl. Franziskus und der Satzung Führung als ein wesentlicher Bestandteil von Management abgebildet.

Bei Führung ist in diesem Zusammenhang die Rede von Vertrauen, von Dienen und von klaren Strukturen um des Einzelnen und der Gemeinschaft willen. Hier treffen sich eine spirituelle Grundhaltung und Grundprinzipien von Führung und Leitung, die bis heute Geltung haben.

Manager und Mönch, kein Widerspruch

Im Konkreten haben es auch die Orden immer wieder mit Entwicklungen und Prozessen zu tun, die mit denen eines Wirtschaftsunternehmens zu vergleichen sind. Wie bei global agierenden Unternehmen gibt es bei den Kapuzinern Unterschiede in Finanzkraft und Personalstärke der Provinzen (rechtlich eigenständige teils nationale Einheiten des Ordens) zu berücksichtigen.

So müssen u. a. Finanzen verteilt, einzelne Standorte zusammengelegt oder sogar geschlossen sowie Personal aus- und weitergebildet werden.

Aber auch die Kostenentwicklung für den Unterhalt der Standorte oder der demografische Wandel inklusive Pflege kranker und alter Ordensmitglieder erfordert eine effiziente Strategie.

In Kloster Andechs zum Beispiel, wie Kollegen der Deutschen Welle zeigen. Die Mönchen leben vom Brauen leckeren Biers. Vom Bockbier bis zum Hefeweizen. Kirchensteuer bekommen sie nicht:

httpv://www.youtube.com/watch?v=9SGnfsH6cjQ

Veränderungsprozesse im Glauben durchgehen

Zentral sind immer der Mensch und eine gemeinsame Orientierung in Fragen des (Miteinander-)Lebens. Denn nicht die kulturellen Unterschiede zählen, sondern das gemeinsame Brudersein und die gleichen Wurzeln der franziskanischen Spiritualität.

Die Kapuziner bewältigen Veränderungsprozesse auf Basis ihrer Spiritualität und praktischem Handeln, wozu sie sich der Hilfe modernen Managementmethoden und -instrumente bedienen. Somit können die Erfahrungen des Ordens als eine erste Grundlage für die Verbindung von Spiritualität und Management genutzt werden.

Führung aus theologischer und ökonomischer Perspektive

Entscheidend ist dabei die Perspektive, die durch die Zielsetzung des Führungsverständnisses der franziskanischen Lehre deutlich wird. Es geht um den Menschen.

Als Individuum in seiner Identität und als Bestandteil der Gemeinschaft in dem Bewusstsein Veränderungen und Neuerungen erfolgreich miteinander gestalten zu können.

Ein Projekt der Kapuziner ist in diesem Zusammenhang die Trägerschaft und Unterstützung des Instituts für Kirche, Management und Spiritualität (IKMS). Das IKMS beschäftigt sich in seinem Schwerpunkt mit der wissenschaftlichen Zusammenführung von (Theologie-) der Spiritualität und Management. Dabei möchte das IKMS zu folgenden Themen Stellung nehmen, die grundsätzlich organisationale Handlungsfelder bedienen:

  1. Erweiterung funktionaler Konzepte um den emotionalen Faktor
  2. Integration der Sinnfrage in betriebliche Motivationsstrategien
  3. Vertrauen als Hebel für Entwicklung/ Veränderung
  4. Veränderung als Bestandteil christlichen und damit wirtschaftlichen Lebens
  5. Scheitern und negative Erfahrungen als notwendiger Bestandteil von Entwicklungen
  6. Individuelle Stärken erkennen und fördern
  7. Werteorientierte Kommunikation als Basis für erfolgreiche Beziehungen

Ein neuer Geist im Management muss her. Ein neuer Spirit. Unser wirtschaftliches Handeln scheint renovierungsbedürftig. Teil 2 einer Serie über Glauben, Spiritualität und Ethik im Job. Weitere Plädoyers von Führungskräften in der Wirtschaft aus Judentum, Islam und Atheismus folgen. Lesen Sie hier auch den ersten Teil der Serie, Buddhistisches Management sowie den dritten Teil über Jüdisches Management.

Markus Warode ist Geschäftsführer des Instituts für Kirche, Management und Spiritualität in Münster, welches dem Kappuzinerorden angehört. Der Arbeitsmarktwissenschaftler beschäftigt sich mit der Personal- & Organisationsentwicklung bei Wohlfahrtsverbänden, KMUs aber auch größeren Konzernen.

Artikelbild: © Jan Thomas Otte

9 Kommentare

  1. […] Sie hier auch den zweiten Teil der Serie über Christliches Management, den ersten Teil über Buddhistisches Management  Karriere-Einsichten drucken […]

  2. […] eigenen Tod alles vorbei, ermittelt die Gesellschaft für Konsumforschung über die „Verbreitung christlicher Vorstellungen“. Hanne Oesterle erscheint dieses Ergebnis widersprüchlich: „Die Hälfte der Deutschen glaubt […]

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