Gründung, Start-Up, innovative Geschäftsideen – der Markt wird scheinbar dominiert von neuen, atemberaubenden Marken, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen Nischen entdecken und die verschiedensten Prozesse vereinfachen, beschleunigen oder den Alltag des Kunden einfach nur angenehmer machen. Von Thomas Müller…

Dass hierbei vor allem junge Menschen zu Unternehmern werden, ist nicht nur ein vorübergehender Trend, sondern der Beweis, dass die Gründung während des Studiums tatsächlich Vorteile und Möglichkeiten bietet. 

Am Anfang steht immer die Idee

Unabhängig von den Rahmenbedingungen rund um die Gründungmuss in jedem Fall eine Geschäftsidee stehen, die einen tatsächlichen Nutzen mit sich bringt, den Kunden durch eine Leistung oder ein Produkt bereichert und somit zumindest die Lebensqualität oder Produktivität steigert. Darüber hinaus zählt nicht nur die Idee selbst, sondern auch die Analyse der Branche und des konkreten Unternehmensumfelds, in der die eigene Idee verortet wird. 

Thomas Müller (Foto: NN/ Privat)

Eine gewisse Risikobereitschaft geht bei jeder Idee mit einher, jedoch kann mit Vorabüberlegungen zum Sinn und Zweck des Geschäftsbereichs genauer eingeschätzt werden, inwiefern Erfolge zu erwarten sind. Zusätzlich hilft die ausgiebige Reflexion, im Vorfeld potenzielle Gefährdungen des Projektes einzudämmen und die Idee soweit reifen zu lassen, dass diese durch die eigene Überzeugung ideal präsentiert und vermarktet werden kann. 

Vorteile statt Vorurteile: Weshalb sich die Gründung während dem Studium anbietet

Selbstverständlich ist, dass der Geschäftsidee ein Bedarf vorausgeht. Gerade hier ist das Studium bzw. das Hochschul-Umfeld optimal. Hier haben junge Gründer Kontakt zu den neuesten Technologien, Möglichkeiten und Anwendungsfällen. Somit befinden sie sich einerseits am Kern der Innovation, werden andererseits oftmals auch zusätzlich durch Forschungsinstitute und Seminare in ihren Interessensbereichen unterstützt. 

Neben den vielfältigen Angeboten von Seiten der Hochschule, hat die Gründung während der Studienzeit weitere Vorteile, die bei der Umsetzung einer Geschäftsidee nicht zu unterschätzen sind. So können neben optimalen Voraussetzungen dank der Nähe an aktuellen Trends auch körperliche Voraussetzungen und generelle Lebensumstände als „weiche Faktoren“ maßgeblich zur erfolgreichen Geschäftsgründung beitragen:

Nicht nur eine höhere körperliche Belastbarkeit und Motivation sind hilfreich, wenn die ideale Struktur ausgetüftelt wird, auch die höhere zeitliche Flexibilität aufgrund der Freiheiten im Studium können zum großen Vorteil werden. Somit stellen auch längere Nachtschichten oder zeitliche Gebundenheit an einen Gründungsprozess weniger Probleme dar. 

Frei und ungebunden

Hinzu kommt hier auch, dass in der Regel in den Zwanzigern noch keine eigene Familie gegründet wurde – dies bedeutet weniger Verpflichtungen und eine gewisse finanzielle Unsicherheit fällt weniger ins Gewicht.

Dementsprechend kann das Unternehmen langsam aufgebaut werden und Entscheidungen müssen nicht überstürzt werden, da man nicht explizit auf schnelle Erfolge angewiesen ist. Zweifel aufgrund mangelnder Lebens- und Arbeitserfahrung können durch die Unterstützung von erfahrenen Geschäftspartnern, von Experten aus der Hochschule oder anderen Schlüsselfiguren aus dem aufgebauten Netzwerk behoben oder durch den Aufbau eines Teams ausgeglichen werden.

Wenn dann doch mal ein Fehler unterlaufen sollte, stellt dieser die Graundlage dafür dar, die Geschäftsidee weiterzuentwickeln und so zu modifizieren, dass sie bis hin zum Ideal angepasst werden kann. 

Netzwerke aufbauen

Mit Hilfe der Einbindung von Kommilitonen und von als Lehrbeauftragte tätigen Experten sowie vielfältigen Veranstaltungsangeboten verschiedener Dozenten bietet sich das Hochschulumfeld geradezu an, ein Netzwerk aufzubauen und Unterstützung bei der Umsetzung einer Geschäftsidee zu gewinnen. Vorausgesetzt sind eigene Überzeugung und ein ausgearbeiteter Plan, um auch andere für die Idee zu gewinnen.

Dabei muss nicht unbedingt ein Geschäftspartner gefunden werden; auch Kritik, Anregungen oder Erfahrungsberichte können große Hilfestellungen bieten. Darüber hinaus besteht am Markt ein großes Seminarangebot für den Erwerb bestimmter Schlüsselqualifikationen, die bei Themen rund um die Organisation einer Geschäftsgründung – von rechtlichen Angelegenheiten bis hin zur Buchhaltung oder Finanzplanung – weiterhelfen. Aber auch in Diskussionsrunden mit anderen Gründern werden oftmals praktische Tipps weitergegeben oder Erfahrungen geteilt, durch die eigene Fehler vermieden werden können. 

„viel Gestaltungsfreiraum“

Da die meisten Universitäten und Hochschulen viel Gestaltungsfreiraum bei der Erstellung der Stundenpläne erlauben, kann mehr Zeit in die Gründung investiert werden. Nachteil: Meist wird dadurch auch die Regelstudienzeit deutlich überschritten.

Sofern dies jedoch keine Probleme mit der Studienordnung auslöst, kann jedoch nebenher gegebenenfalls sogar bereits das erste Einkommen während des Studiums verdient werden. Gleichzeitig werden die eigenen Qualifikationen in den diversen Geschäftsbereichen ausgebaut und somit auch die eigene Kompetenz.

Mit Entschlossenheit, Motivation und Risikobereitschaft zum eigenen Geschäft

Auch wenn die Gründung insbesondere in jungen Jahren Mut erfordert und Risikobereitschaft gefragt ist, sollte die Chance ergriffen werden und bei voller Überzeugung von der eigenen Idee ruhig etwas gewagt werden.

Es muss nicht sofort das ganze Leben durcheinandergewürfelt werden – mit etwas Zeit, Bedacht und Hartnäckigkeit kann das Ziel verfolgt werden, ohne sich dabei selbst zu sehr einzuengen. Und selbst wenn nicht alles so läuft wie geplant, können immer noch Optimierungen vorgenommen und vor dem Hintergrund der Idee neue Wege eingeschlagen werden.  

Über den Autor: Thomas Müller ist Gründer und Gesellschafter der SOLCOM GmbH, einem der führenden branchenübergreifenden Projektdienstleister in den Bereichen IT, Engineering und Management Consulting. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet SOLCOM als Partner global agierender Spitzenunternehmen. Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus schreibt er über das Thema Unternehmensgründung.

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