Junge und ältere Menschen begegnen sich im Alltag zufällig als auch absichtlich. Oft vorschnell stecken sich Junge und Alte in Schubladen. Faule Kompromisse?

Ihre Tasche kann Oma Hilde noch selbst tragen. Werden solche Begegnungen initiiert, verlaufen sie meist positiv. Anders, wenn Jung und Alt zufällig aufeinander treffen.

Statt bissiger Bemerkungen wie „Was will die Alte denn hier?“ kommt in ihrem Umfeld, beim Bäcker zum Beispiel, nur ein „Ach, wie cool, die Hilde ist wieder da“. Ältere Menschen wie Hilde sind heute aktiver und flexibler, junge Menschen selbstbewusster und unabhängiger.

Das sorgt für Konflikte, aber auch ein paar Lichtblicke. Die Distanz zwischen Jung und Alt wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber Hinschauen, echtes Interesse zeigen, sich bereichern lassen vom Anderen und Zivilcourage zeigen wird helfen.

Generationen-Konflikte so alt wie die Menschheit selbst

Bereits in der Bibel gab es jede Menge Stress zwischen den Generationen. Liest man die ersten Bücher Moses, begegnen einem viele Streitigkeiten um Anerkennung, Land und Liebe. Dieses Thema ist so alt wie die Menschheit selbst.

Bereits ein Zitat aus dem alten Ägypten vor rund 3000 Jahren beschreibt die Kraftprobe zwischen Jung und Alt: „Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegenüber althergebrachten Werten“. Der viel zitierte Generationenkonflikt hat also eine lange Tradition. Nur die Symptome haben sich geändert.

Psychologie des Altwerdens, Betriebswirtschaft des Wissens

Gerontologen an der Universität Heidelberg beschäftigen sich mit dem Älterwerden. Sie haben den „Paradigmenwechsel“ in der Demographie Deutschlands vorausgesagt. Bisher gab es in der Republik weder so viele alte Menschen noch so geringe Geburten.

„Im Vergleich zu 1960 ist die Geburtenrate um rund die Hälfte gesunken“, erklärt ein Professor für Gerontologie, an der Universität Heidelberg. Der Wissenschaftler für Psychologie des Alterns, Hans-Werner Wahl fordert ein „Umcodieren in den Köpfen“ der Gesellschaft. Doch das ist natürlich auf Kirchentagen und in Fachbüchern leichter gesagt als getan, weiß auch Oma Hilde.

Alterspyramide kippt, ein Drittel Rentner

Seit der Wiedervereinigung 1989 leben im Land mehr über 65jährige als unter 15jährige, nach Angaben des statistischen Bundesamts. Nach dem Zweiten Weltkrieg ,1950 waren es doppelt so viele Jüngere im Vergleich zu den Älteren.

Für das Jahr 2050 prognostizieren die Gerontologen ein Drittel der Gesamtbevölkerung über 65 Jahre, unter 15 werden nur noch 11 Prozent sein. Die Probleme unserer alternden Gesellschaft werden zunehmend spürbar.

Das betrifft nicht nur die Themen Rentengarantie, Arbeitslosigkeit, oder Pflegeversicherungen. Soziale Probleme wie aufgelöste Familienstrukturen, Parallelgesellschaften von Alt und Jung oder das einsame Sterben im Altersheim würde schnell unter den Tisch gekehrt, kritisiert die 80jährige Hilde.

Unsichere Job-Aussichten für Jugendliche, Wirtschaftswunder Geschichte

Im Vergleich zu Nachkriegsgeneration, dem Wirtschaftswunder, ist der soziale Aufstieg, die Jobsuche für Jugendliche schwieriger geworden. Nur wenigen gelingt es, im globalisierten Verdrängungswettbewerb Karriere zu machen, erklärt eine Sozialarbeiterin der Diakonie in Karlsruhe.

Eines aber gelte genauso wie gestern: „Wer seine Zukunft dem Gutdünken überlässt, diese nicht aktiv gestaltet, hat auch keine Möglichkeit sie zu verbessern“, sagt sie. Jeder von uns altere. Ob in Würde und die Frage, ob Lasten entsprechend gerecht verteilt seien, entscheiden ganz alleine wir. Jüngere wie Ältere.

Abgrenzung, Respekt und echtes Interesse gefragt

In generationsübergreifenden Projekten wie dem KOJALA, einem Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Ulm, soll ein Wissensaustausch über Altersgrenzen hinweg gefördert werden. Währenddessen beschweren sich Studierende im normalen Uni-Alltag häufiger über „weggenommene“ Sitzplätze durch wachsende Gruppen von Gasthörern im Rentenalter.

Der Vielfalt an Ideen, voneinander zu lernen, sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Aber auch hier gilt: Voneinander zu lernen setzt voraus, sich auch voneinander abzugrenzen und damit zu respektieren. Das heißt noch lange nicht, alle Bedürfnisse in einen Topf zu werfen.

Verstellte Freundlichkeit nach außen, Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand. Dies würde den oft auch gemachten Generationenkonflikt weiter fördern, statt ihn in gesunder Form abzubauen.

Barrieren von Jugend-Slang und hippem Lebensstil

Gegen Abend beschließen zwei Freundinnen, noch ein bisschen mit der Clique abzuhängen. Die meisten kennen sich schon von der Schule her, der Treffpunkt auf dem Spielplatz hat seit kurzem Tradition.

„Manchmal chillen wir auch im Park oder auf irgendwelchen Grünflächen“, sagt Marie. „Aber leider werden wir von den Leuten überall angemacht, dass wir verschwinden sollen. Bloß – wo sollen wir hin?“ Wegen der Spielplatz-Treffen hatte es bereits eine Menge Ärger im Stadtteil gegeben, besonders „die Alten“ würden meckern.

„selbstbewusst“

„Wenn da `ne Oma mit ihrem Enkel anmarschiert, und wir hängen da rum, macht se gleich `ne Biege“, meint Vadim. Er erinnert sich: „Früher wurden wir aus dem Innenhof oder aus dem Treppenflur vertrieben, wegen dem Lärm und so. Aber heute lass ich mich nirgends mehr vertreiben“, sagt er selbstbewusst.

Sport verbindet, nicht nur beim Fußball zur Weltmeisterschaft

Gegenüber vom Spielplatz liegt der Pausenhof einer Schule. Es ist bald acht Uhr abends, dann wird er für die Öffentlichkeit geschlossen. Gerade spielt dort ein Seniorenpaar Tischtennis, wo sich sonst vormittags die Schüler zwischen den Unterrichtsstunden messen.

Ein ungewöhnlicher Anblick, findet Vadim, der zufällig hier vorbeigekommen ist. Er schaut ein bisschen zu, scheinbar gelangweilt, schüchtern, aus sicherer Entfernung. Zuhause spielt er alleine Computer, sonst ist er meist mit seinen Kumpels unterwegs. „Willst du auch mal eine Runde?“, spricht ihn plötzlich der alte Herr an, seine Frau streckt Vadim einladend den Schläger entgegen.

Erst Zögern, dann ein cooles „Meinetwegen“ – wenig später spielt er mit dem alten Herrn, der auch sein Großvater sein könnte, begeistert um die Wette. Und verliert. „Macht nix“, sagt Vadim, „und ich wollte bloß noch mal fragen, ob Sie öfter hierher kommen…“

Begegnung zwischen Jung und Alt wird von Ehrenamtlichen initiiert

Nicht nur der Staat, auch Kinderschutzbund und Rotes Kreuz kümmern sich um ein besseres Miteinander der Generationen. Deutschlandweit gibt es bereits einige Besuchsprogramme – von Älteren für die ganz Jungen. Entgegen der niedrigen Geburtenrate in Deutschland: Babys bekommen und großziehen soll einfacher werden. Auch von politischer Seite.

Rund sechs Wochen nach der Geburt bekomme jede Familie mit Nachwuchs im Großraum Köln Besuch von Ehrenamtlichen. So wünscht es sich Tina Herzberg, Koordinatorin des Projekts beim Kölner Jugendamt. Christine Burghardt drückt auf den Klingelknopf bei Familie Hansen, in Köln…

Anderen Mut machen, Offenheit beibehalten

Nun will Burghardt den Eltern Mut machen, den Babys „so richtig willkommen sagen“, sagt sie. Ole ist schon 8 Wochen alt, schmiegt sich an die Schulter seiner stolzen Mama. Die Mutter hält ihren kleinen Zappel-Philipp im Arm. Oles Windeln müssen gewechselt. Christine Burghardt kommt mit, tippt ein Marienkäfer-Mobilee an. Ole scheint das zu mögen.

Teilzeit-Oma will gerne anpacken, soweit sie kann. Rumstehen und wieder gehen liegt der Ehrenamtlichen nicht, die selbst Mutter von zwei erwachsenen Kindern ist. Sie freut sich, im Projekt „Kiwi“ so etwas wie eine Oma zu sein. Burghardts eigene Kinder wollten keine Enkel zeugen und forschen lieber nach Meeresschildkröten in Australien.

Kindergeschrei beim Bäcker, Familien-Gedöns, genervte Berufstätige

Dann geht es auch schon weiter, auf zum nächsten Besuch. Familie Günther steht auf Burghardts Plan. Ihr Tagesablauf ist wenig spektakulär, aber wichtig: Auf den Klingelknopf drücken, Willkommen sagen, Hände schütteln. Pia Günther freut sich über diesen Besuch. Zudem wünscht sie sich ein stärkeres Bewusstsein für Kinder in der Stadt: „Morgens beim Bäcker geht’s schon los.

Kunden werden schnell ungeduldig, wenn sich meine Kids Brötchen aussuchen wollen“. Das Einsteigen in die Straßenbahn oder Spielen auf den Grünflächen komme dazu. Kinder würden zu viel Lärm machen. Sagen Leute, die dafür kein Verständnis haben.

„Dieser Weg wird kein leichter sein“, hatte es aus einer Dorfkirche in Rheinland-Pfalz getönt, Weilerbach . Doch damit war kein Generationskonflikt gemeint. Vielmehr liefen dort Teenager kostümiert mit Trikots in die Kirche zu ihrer Konfirmation.

Distanz wird nicht von heute auf morgen verschwinden, aber vielleicht

Statt Orgelspiel und Kirchengesangbuch wurde das mit eingespielter CD-Musik von Xavier Naidoo untermalt. Manche ältere Menschen fühlten sich davon sichtbar verunsichert. „Die Distanz wird sicher nicht von heute auf morgen verschwinden“, kommentierte ein Pfarrer. Wahrscheinlich nicht. Aber manchmal eben doch.

Im Sommer 2009 wurde dort ein Haus für Alt und Jung eingeweiht, ein Mehrgenerationen-Haus. Die Baukosten von rund einer Million Euro teilten sich die Kommune, Dorfkirche und Landeskirche zu je einem Drittel. Dazu kamen Zuschüsse aus dem Familienministerium in Berlin und dem Europäischen Sozialfonds.

Rund 500 Häuser dieser Art fördert der Bund in ganz Deutschland. Geld allein wird ein besseres Miteinander der Generationen unterstützen, niemals aber ersetzen, wissen auch die Initiatoren. Menschen aus der Nachbarschaft seien diejenigen, die helfen, Wissen und ihren Erfahrungsschatz teilen.

Artikelbild: Catalin Petolea/ Shutterstock

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