Methoden, Tools, Handwerkszeug – jede moderne Weiterbildung baut darauf, die Teilnehmer an die Hand zu nehmen und Schritt für Schritt mit theoretischem Wissen zu ruinieren. Wenn ihr euch wirklich weiterbilden wollt, nehmt euch doch lieber ein Beispiel an der Gaming Industrie. Denn Lara Croft & Co. haben euch eines voraus, sagt Personaler und Unternehmer Jörg Kopp…

Karriere-Einsichten: „Jeder gute Unternehmer lässt seine Mitarbeiter regelmäßig Weiterbildungen machen“ – so die Meinung vieler Menschen. Würden Sie das auch so unterschreiben?

Jörg Kopp: Na ja, zum Großteil auf jeden Fall nicht. Natürlich ist es hervorragend, wenn Führungskräfte mit Hilfe von Weiterbildungen sich, ihre Mitarbeiter und das Unternehmen weiterbringen möchten. Aber sorry, nicht jede Form der Weiterbildung funktioniert auch. Inzwischen ist der Weiterbildungsmarkt ein Milliardenmarkt geworden – und jeder noch so mittelmäßig begabte „Trainer“ glaubt, seine Angel auswerfen und in diesem Teich mitfischen zu müssen.

„Weiterbildungsmarkt, ein Milliardenmarkt“

Karriere-Einsichten:  Wie meinen Sie das?

Jörg Kopp: Zu viele Trainer machen ganz einfach immer das gleiche Zeug mit immer den gleichen Menschen, ohne dass eine signifikante Anzahl von Weiterbildungswütigen tatsächlich davon profitieren. Sprich: Viel zu viele Trainings könnt ihr in die Tonne kloppen. Als Teilnehmer solcher Weiterbildungen ist das natürlich total ermüdend.

Karriere-Einsichten: Wie sieht denn solch ein 08/15-Training aus, von dem Sie sprechen? Damit unsere Leser das künftig sofort selbst erkennen …

Jörg Kopp: Ganz einfach: Der Trainer, der sowieso schon am untersten Ende der Nahrungskette nagt, labert nonstop in seiner Weiterbildung über das „Was“ und das „Wie“. Solche kommen meist rein und starten mit folgendem Satz: „Guten Morgen, ich habe Ihnen 200 Folien mitgebracht – ich lese laut, Sie lesen leise.“ Bum – und schon hätte ich persönlich keinen Bock mehr auf das Ganze und wünschte mir ein paar Eier als Wurfgeschosse. Ist ja auch zu schräg, dass es solche Weiterbildungen überhaupt noch gibt und dass sie nicht gegen die Genfer Konventionen verstoßen. Ich finde sie ganz einfach furchtbar!

Karriere-Einsichten: Sie sprachen vom Fokus auf das „Was“ und das „Wie“. Liegt also hier der Hund begraben?

Jörg Kopp: Nicht nur dort. In vielen Weiterbildungen wird ganz einfach nicht über das „Warum“ gesprochen. Aber genau um das geht es doch! Was ist der Grund für diese Weiterbildung und wie kann ich das Neugelernte auch effektiv einsetzen? Das sollte doch auch das Ziel des ganzen Zirkusses sein. Ich möchte Wissen geliefert bekommen, an das ich mit meinem Hirn andocken kann und im Anschluss sage: „Super, das neue Wissen löst nicht nur ein akutes Problem, sondern ich kann es auch langfristig umsetzen und anwenden.“

„Problemlöser gesucht, keine Folienschlachten“

Und genau dann, wenn ein Trainer einen Großteil der Weiterbildung über das „Warum“ spricht, die notwendige Zeit an das „Was“ und das „Wie“ investiert und sich abschließend genügen Gedanken gemacht hat, wie die Teilnehmer die Inhalte üben können, erst dann ist eine Weiterbildung richtig gut. Und bitte auf jeden Fall über das Scheitern reden!

Karriere-Einsichten: Über das Scheitern? Was meinen Sie damit?

Jörg Kopp: Auf einem neuen Weg bzw. bei einem neuen Vorgehen dank Weiterbildung muss immer auch das Scheitern einkalkuliert werden. Wenn ihr aus einer Weiterbildung kommt und das neue Wissen in Einsatz kommt, dann kann es natürlich dazu kommen, dass ihr ein beschissenes Feedback für die neue Arbeitsweise bekommt. Und dann versucht ihr es eben noch einmal und schon wieder fahrt ihr damit geradewegs gegen den nächsten Baum. Ein drittes Mal versuchen? Wohl eher nicht. Dabei müsst ihr es nur einfach so machen wie Lara Croft und Co.

Karriere-Einsichten: Sie meinen Lara Croft von Tomb Raider?

Jörg Kopp: Genau die. Denn die Spieleindustrie lehrt euch Scheitern wohl am besten: Am Anfang eines jeden Spiels sind die Level einfach, dennoch scheitert ihr hin und wieder. Aber du kannst dich kontinuierlich verbessern. Lara Croft überspringt doch noch eine Klippe, Donkey Kong hat etwas gegessen und Cristiano Ronald hat bei FIFA 18 endlich das Tor getroffen.

Ihr lernt, dass ihr euch entwickeln könnt. Ihr müsst also aus einer Weiterbildung rauskommen und einen Plan bzw. eine klare Idee haben, wie ihr das jetzt versuchen könnt.

Karriere-Einsichten: Sieht so die optimale Weiterbildung aus?

Jörg Kopp: Die Formel lautet ganz einfach: Investiert 35 % in die Beantwortung der Frage „Warum“, 15 % in das „Wie“ und 50 % ins Testen-und-Feedback-einholen, Testen-und-Feedback-einholen, Testen-und-Feedback-einholen. Kalkuliert ein mögliches Scheitern ein und schon seid ihr auf einem guten Weg.

Ein letztes Level wie in Games gibt es im Job leider nicht. Wäre ja aber auch zu schade, wenn ihr nicht mehr in gute Weiterbildungen gehen könntet.

Artikelbild: Ollyy/ Shutterstock

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