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Ernsthafte Zusammenarbeit funktioniert nur humorvoll. Nix mit stillem Kämmerlein, raus damit! Klar gibt’s erstmal eins auf den Deckel – und zwar für jeden einzelnen Mitarbeiter. Und schon beginnt das Spektakel: eine gelungene/re Zusammenarbeit im Team. Stefan Reutter berichtet…

Lauthals nimmt sich der Chef einen nach dem anderen vor, bis die Wut verflogen und der Ärger verdampft ist. Zurück bleibt eine Belegschaft aus frustrierten, schlecht gelaunten und demotivierten Menschen. Auf, auf an die Arbeit!

Tja, liebe Leute, das schimpft sich heutzutage Kritik im Unternehmen … Zu blöd, denn eine gelungene Zusammenarbeit entsteht so nicht.

Kritik – mein „liebstes“ Hobby!

Denn seien wir mal ehrlich: Bei keinem Menschen fällt „Kritik einstecken“ unter die Top 10 der liebsten Hobbys. Gerade am Arbeitsplatz und aus dem Mund von Kollegen tun sich viele mit ernsten Worten und „Tacheles“ schwer. Wenn diese Kritik euch dann auch noch harsch, ungeschönt und verletzend ins Gesicht geschleudert wird, sowieso. Wer steht schon darauf, Fehlverhalten oder Defizite aufgezeigt zu bekommen?

Damit möchte ich nun nicht sagen, dass ich ein Fan von Wattebällchen bin. Ich finde es durchaus gut, dass ernste Tatsachen oder Probleme in Teams angesprochen werden. Sie kleinzureden oder gar alles hinunterzuschlucken, nur um den schönen Schein zu wahren, hilft langfristig sicher nicht.

Ich bin allerdings der Meinung, dass der Kontext die Musik macht. Und dieser erleichtert die Kritik enorm, wenn eine Prise Humor mitschwingt – egal, ob im Business oder im Privatleben.

Mein Chef der Clown

Ich verlange in ernsten unternehmerischen Fragen also nach Humor! Eure Empörung darüber kann ich jetzt schon hören:

  • „Humor hat doch nichts am Arbeitsplatz zu suchen!“
  • „Ich kann doch nicht einen auf Clown machen vor meinen Mitarbeitern. Wie sollen die mich dann noch ernst nehmen?“
  • „Feedback braucht klare Regeln, da hat Humor keinen Platz.“

Allesamt Aussagen, die ich schon auf meine Ansicht erhalten habe. Und ja, wer diese Meinungen vertritt, hat natürlich in gewisser Weise recht. Humor ist kein Allheilmittel, das ihr über jede ernste Situation im Job gießen könnt.

Selbstverständlich erwarte ich nicht, dass eine Führungskraft in witzigen großen Quietscheschuhen und mit roter Nase ins Büro watschelt mit einer Wasser spritzenden Blume am Revers – bevor sie dem Mitarbeiter aus einer Konfettikanone seine Kündigungsunterlagen abfeuert. Nein, wenn ich von Humor spreche, dann meine ich damit eine charmante Art und Weise, ernste Botschaften zu vermitteln. Humor ist die Würze, mit der ihr auch im beruflichen Umfeld viel Druck rausnehmen könnt. Wenn ihr den nötigen Ernst dabei nicht vergesst…

Humor braucht ernste Botschaften

Stefan Reutter über Karriereknicke (Foto: privat)
Stefan Reutter über Humor (Foto: privat)

Denn worüber lachen wir im Alltag meist mit den Kollegen? Klar: das gewöhnungsbedürftige Hemd des Chefs, das neue Facebook-Profilbild des Praktikanten (Anm.d.Red, könnte ja ein Karrierekiller sein – siehe Beitrag hier) oder den Kaffeefleck auf dem Kostüm der Empfangsdame. Alles schön oberflächlich, alles schön unkritisch.

Unliebsame Themen werden lieber auf ungenaue Zeit in die Zukunft verschoben. Dabei sind es gerade diese, die ihr mit einer Prise Humor endlich anpacken und auf den Tisch legen könnt.

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Diese Erfahrung mache ich persönlich immer wieder, wenn ich ein Coaching leite.

Dabei steht – ganz klar – auch das Ausüben von Kritik auf der Tagesordnung. Wenn sich zum Beispiel ein Coachee sehr negativ über seine Situation äußert und ein entsprechendes Vokabular verwendet, dann höre ich ihm ganz genau zu und sage ihm:

„Ich hab’ die Lösung für dich.“ Und dann wiederhole ich seine Worte in einer humorvoll verpackten Geschichte und übertreibe etwas.

Sofort taucht ein Lächeln im Gesicht des Coachees auf und er sagt: „Ich habe verstanden.“ Kombiniert mit einem Augenzwinkern wirkt eine solch humorvolle Kritik wahre Wunder. Sie ist definitiv tausendmal effizienter, als wenn ich meinen Coachee angreife: „Das, was du da sagst, sagt viel über deine Gedanken und inneren Überzeugungen aus. Du solltest an deiner Einstellung arbeiten!“ Wäre natürlich auch eine Möglichkeit, doch Freude an der Entwicklung würde daraus wohl nicht mehr entstehen.

Meinung mit Garnitur

Sicherlich gibt es gerade im Unternehmen auch einige Gespräche, bei denen Humor absolut fehl am Platz ist, keine Frage. Niemand möchte eine Kündigung mit einem Lächeln serviert bekommen.

Dennoch bleibe ich dabei: In 90 Prozent der Fälle schmecken Kritik und ernste Angelegenheiten einfach so viel besser, wenn ihr sie mit einer Prise Humor garniert. Zumal eure Lachmuskeln auch gleich viel entspannter sind, wenn ihr eure Meinung ausspuckt, anstatt sie hinunterzuschlucken.

Über den Autor: Stefan Reutter ist Autor, Coach und Speaker rund um die Themen Krisen, persönliche Entwicklung und Motivation. Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Spitzensportler, dass persönliche Entwicklung meistens nicht geradlinig verläuft…

Artikelbild:pathdoc/ Shutterstock

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Stefan Reutter ist Autor, Coach und Speaker rund um die Themen Krisen, persönliche Entwicklung und Motivation. Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Spitzensportler, dass persönliche Entwicklung meistens nicht geradlinig verläuft. In seinen Kolumnen auf Karriere-Einsichten berichtet er über weitere Insights…

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