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Ein erfülltes Leben, wer will das nicht? Noch nie gab es so viele Coaching-Anbieter, die alles (Un-)Mögliche versprechen. Über das Umfeld und die Bedingungen, in denen solche Coachings stattfinden schreibt Psychologin Judith Bergner im gerade erschienenen Buch „Vision – Mission – Werte. Die Basis der Leitbild- und Streategieentwicklung“, herausgegeben von Dagmar Werther….


Der Coachingsprozess folgt der Vorstellung und dem Grundverständnis eines gesunden Menschen, dessen Dasein mit Sinn erfüllt ist, der sich selbst motivieren und seine Stimmung regulieren kann. Er ist im Einklang mit  sich. Kopf (analytisches Denken), Herz (Gefühl für das, was bedeutsam und wichtig ist) und Hand (eigene Handlungsmöglichkeiten) stimmen überein.

Coaching soll den Coachee dabei unterstützen, motiviert und engagiert die hohen Anforderungen zu meistern, die ihm eine komplexe Arbeitswelt auferlegt. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um diesen Aufgaben gewachsen zu sein, um leistungsfähig und gesund zu bleiben?

Gesundheit schafft Leistungsfähigkeit

Die Definition der WHO, was Gesundheit ist, bietet auch für das Coaching ein hilfreiches  Grundverständnis. Dazu 10 Punkte:

  1. Belastungsfähige, »resiliente«, emotional stabile Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Lage sind, wertvolle Absichten für sich und ihr Leben zu bilden und diese Absichten zu verfolgen
  2. Sie sind nicht leicht zu irritieren, wenn es einmal nicht nach ihrem Plan läuft und können Frustrationen tolerieren
  3. Sie blicken grundsätzlich zuversichtlich auf die Herausforderungen, die das Leben für sie bereithält
  4. Sie können mit Rückschlägen umgehen und negative Erfahrungen kompensieren
  5. Sie sind emotional stabil auch dadurch, dass sie in der Lage sind, ihre Emotionen zu regulieren
  6. Sie können ihre eigenen Gefühle wahrnehmen, angemessen ausdrücken und das eigene Verhalten reflektieren. Das heißt auch, sie bringen sich in eine gute Stimmungslage, um sich selbst zu motivieren
  7. In Stresssituationen sind sie fähig, sich selbst zu beruhigen und fokussieren sich dadurch leichter, auf das, was in einer An- spannungssituation wichtig ist
  8. Sie geben sich nicht die »Schuld«, wenn etwas misslungen ist und präsentieren sich nicht als Opfer ihrer Lebensumstände. Gleichwohl sind sie bereit, Verantwortung für das zu übernehmen, was sie erleben
  9. Schwierigkeiten und Probleme lösen sie nicht allein, sie nehmen von anderen Unterstützung an
  10. Sie sind bereit, viel dazuzulernen

Kohärenz als Grundlage für ein erfülltes (Arbeits-)Leben

Aaron Antonovsky widmete seine Forschungsarbeiten den Bedingungen, die Gesundheit erzeugen. Nicht das, was krank macht, interessierte ihn, sondern das, was gesund und leistungsfähig erhält. Der Kernbegriff seiner Arbeiten ist das Gefühl von Kohärenz (cohaerere: lat. zusammenhängen), ein tief verankertes Gefühl des Vertrauens in das Leben – als Voraussetzung für den Erhalt physischer und psychischer Gesundheit. Dieses Gefühl der Kohärenz schützt bei Belastungen und bildet die Grundlage seines Salutogenese-Modells:

»Das Kohärenzgefühl ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind; einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen; diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen« (Anto- novksy 1997, S. 36).

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Im Coaching geht es daher darum, diese Kohärenz aufrechtzuerhalten beziehungsweise herzustellen. Für die Klienten ist es wichtig, das Grundvertrauen darin zu entwickeln, dass die Ereignisse im gegebenen Kontext in sich zusammenhängen, nachvollziehbar und kreativ zu bewältigen sind. Die Möglichkeit und die Fähigkeit, selbst bestimmte Ziele zu verfolgen und zu erreichen, die einem am Herzen liegen, schaffen die Voraussetzung für Resilienz und Leistungsfreude.

Es gibt nicht immer offenkundige Handlungsspielräume und Partizipationsmöglichkeiten beim Gestalten von Prozessen und Zielen, damit die Tätigkeit in einem Unternehmen auch zum eigenen Lebenswerk werden kann. Dabei ist die Übereinstimmung der eigenen Werte und Motive mit den Zielen des Unternehmens, in dem man tätig ist, ein natürliches Bedürfnis, das dafür sorgt, dass die persönliche Integrität und Motivation erhalten bleibt.

Artikelbild: Suchota/ Shutterstock

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