Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wer nicht lächeln kann, darf keinen Laden aufmachen.“ Tatsache ist, dass der Chef die Stimmung im Team macht. Seine Laune färbt auf alle anderen ab. Eine Analyse von Vaya Wieser-Weber – und 6 Tipps für eine bessere Stimmung um Büro...

Studien belegen, dass man am Betriebsklima in Unternehmen den Geschäftserfolg einschätzen kann. Oder dass auf Intensivstationen, die emotional intelligent geführt werden, die Patienten nachweislich bessere Heilungs- und Überlebenschancen haben.

Zu den entscheidendsten Fähigkeiten eines Chefs gehört, neben überzeugenden Taten und transparenter Kommunikation, das Emotionsmanagement. Denn nur wer gute Stimmung vorlebt, kann Mitarbeiter dazu bringen, selbst positiver zu denken. Dieser gefühlsorientierte Führungsstil legt den Fokus auf die emotionalen Bedürfnisse der Menschen.

„Ausflug in die neuesten Erkenntnisse der Neurologie“

Aber wie schafft man es, gute Stimmung vorzuleben? Wie macht man Mitarbeiter zu Mitstreitern? Um das besser zu verstehen, hilft ein Ausflug in die neuesten Erkenntnisse der Neurologie.

Wo Gefühle entstehen

Im Businesskontext herrscht oft noch die Vorstellung, dass wir rationale Wesen sind und unsere Emotionen nur unnützes Beiwerk, die es auszumerzen gilt. Das hat die Wissenschaft mittlerweile widerlegt: Seit einigen Jahren kann man mittels bildgebenden Verfahren dem Gehirn beim Denken zuschauen und Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass wir maßgeblich von unserem Emotionszentrum gesteuert werden.

Emotionen teilen sich uns über unser Körpergefühl mit und das nimmt jeder von uns unterschiedlich stark wahr. Es gibt die Feinfühligen mit hoher Sensibilität und die Verkopften, die ihre Emotionen nur gedämpft wahrnehmen. Wer Emotionen nicht spürt, hat schlichtweg verlernt, diese wahrzunehmen.

Gefühlsblind? Eine „Sache“ der Erziehung…

Oft trainieren uns Autoritäten schon in der Kindheit an, die eigenen Körpergefühle auszublenden: wenn wir den Teller leer essen sollen, obwohl wir satt sind, wenn wir Weinen unterdrücken oder Hilflosigkeit überspielen sollen. Da ist es nur logisch, dass uns das bewusste lebendige Fühlen von Kindheit an später ebenso schwer fällt.

Für Führungskräfte hat diese emotionale Taubheit auf den ersten Blick Vorteile: Leistungsorientierte Menschen können negative Emotionen wie Ängste, Überforderung, Hilflosigkeit und Stress einfach ausblenden und so viel mehr leisten. Wer aber negative Gefühle kaum noch spürt, kann auch seine positiven Gefühle nicht wie einen Lichtschalter einfach einschalten. Mangels Freude und verdientem Stolz werden selbst große Erfolge gedanklich zu Durchgangsstation degradiert, und intensive Bindungen zu anderen Menschen sind schwer aufzubauen und zu halten.

Hochansteckende Stimmung

Wenn der Chef seine eigene Stimmung nur schwer reflektieren und differenziert wahrnehmen kann, wie soll er dann erst die Stimmung im Team mit der eigenen in Verbindung bringen? In Mannschaften, in denen der Chef unnahbar ist, seiner eigenen Ausstrahlung unreflektiert gegenübersteht und womöglich auch noch humorlos ist, beschäftigen sich Mitarbeiter unbewusst mehr mit der Beziehung zu ihm als mit ihren eigentlichen Aufgaben.

Viele Mitarbeiter können die Laune des Chefs schon an der Art ablesen, wie er morgens den Schlüssel auf den Schreibtisch legt. Dass sich die Stimmung im Raum ändert, wenn er kommt, ist normal. Ziel sollte es sein, die Atmosphäre durch seine Anwesenheit zu verbessern. Denn gute Laune bedeutet gleichzeitig gute Leistung, und Führungskräfte, die es schaffen, emotional positive Reize zu setzen, sind erfolgreicher als unnahbare und kühle Typen.

Vom Mitarbeiterführer zum Meister der Selbstführung

Die gute Nachricht: emotionale Intelligenz ist erlernbar. Am Anfang dieses Prozesses stehen die eigene Person, ein echtes Interesse am eigenen inneren Wandel und der Wunsch, lebendiger und intensiver leben zu wollen. Wer anfängt sich mit der eigenen emotionalen Intelligenz auseinanderzusetzen, lernt, eigene Emotionen wahrzunehmen, sie zu verbalisieren und zu verändern.

Während negative Gefühle unseren Blickwinkel verengen und wenig Raum für neue Lösungen lassen, denn: Positive Stimmung erweitert unseren Horizont! Wir werden kreativer, lösungsorientierter und haben mehr Spaß an der Sache. In dieser guten Stimmung ist ein Chef „hochansteckend“ und zieht Mitarbeiter in seinen Bann: Sie blühen auf und geben gerne ihr Bestes.

Aber Vorsicht: Ein aufgesetztes Grinsen oder „Gute Laune-Regeln“ als Verordnung helfen da wenig. Einen solchen „Fake“ entlarven die Mitarbeiter zielgenau und schnell und dann bewirkt er das Gegenteil. Es geht nicht nur darum, sein Ego und seine Laune kurzfristig im Griff zu haben, sondern darum, die Vorgänge in seinem Innern zu verstehen. Ein guter Chef hat einen Spürsinn für die eigene Stimmung entwickelt und kann sich selbst auch in schwierigen Situationen in einen guten Zustand versetzen.

Nur wer sich selbst reflektieren kann und weiß, wie es ihm im Moment geht, kann sich selbst ganz bewusst in Richtung gute Stimmung führen. Langfristiges Ziel für eine emotionale Leitfigur ist es, das eigene Leben gerne zu leben und zu genießen und dieses positive Gefühl auf andere zu übertragen.

Emotionale Führung – 6 Tipps

Da unser eigenes Denken für emotionale Intelligenz verantwortlich ist, ergibt sich eine große Chance: Wir können lernen, Emotionen wahrzunehmen, anders zu bewerten und dadurch anders auf Reize zu reagieren. Dieser Prozess kann trainiert werden – erfordert allerdings, genauso wie im Sport, etwas Zeit. Beherzigen Sie diese 6 Tipps und Sie haben schon viel gewonnen…

1Schulen Sie Ihre Selbstwahrnehmung!

Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der/die Schönste… (Foto: Karashaev/ Shutterstock)

Nur wer sich selbst versteht, kann auch andere verstehen. Erweitern Sie Ihr Wissen über sich selbst und beantworten Sie folgende Fragen: Welche Erfahrungen haben mich stark geprägt? Woran glaube ich? Wer waren und sind meine positiven und negativen Vorbilder, meine Rollenmodelle in meiner Biographie? Welche Themen beschäftigen mich? Welche Ziele verfolge ich? Erfolgskontrolle: Schreiben Sie die Antworten auf, um später zu vergleichen, ob sich etwas geändert hat. Zur ersten Orientierung können Sie auch psychologisch fundierte Tests nutzen, um Einblicke in die eigene Person zu erhalten.

2Was denken andere über mich? Holen Sie sich Feedback über Ihre Person!

Ach sooo! Hätte ich das bloß eher gewusst… (Foto: Ollyy/ Shutterstock.com)

Außenstehende haben meist einen klareren Blick auf unser persönlichkeits- und leistungsspezifisches Verhalten. Daher ergeben Fremdeinschätzungen oft ein präzises Persönlichkeitsbild. Außerdem ist Feedback geben und annehmen ein wichtiger Bestandteil emotionaler Intelligenz. Hier ein paar Beispielfragen: Wie wirke ich auf andere Menschen? Welche Erwartungen haben andere an mich? Fühlen sich andere in meiner Anwesenheit wohl? Mögen mich die Mitarbeiter?

3Lernen Sie mit Ihren Gefühlen umzugehen!

Au weia! Das darf doch nicht wahr sein! Gefühle sind mächtig… (Foto: Syda Productions/ Shutterstock)

Notieren Sie über einige Wochen Ihre täglichen Emotionen und Gefühle. Das Stimmungsbild zeigt Ihnen wie Sie in bestimmten Situationen empfinden. Vielleicht können Sie auch bestimmte Gefühle im Körper lokalisieren? Versuchen Sie, die Gefühle nicht direkt als positiv oder negativ zu bewerten, denn jedes Gefühl hat seinen Sinn. Je nach Kontext können auch Angst und Aggression nützlich sein. Je mehr Sie Ihre Gefühle wahrnehmen und akzeptieren, desto besser werden Sie auch mit Situationen oder anderen Menschen umgehen können. Ziel ist es, Gefühle nicht zu unterdrücken oder auszuschalten, sondern sie steuern zu können: Erkennen Sie, wann der richtige Zeitpunkt und wo das richtige Umfeld ist, um Gefühle zu zeigen.

4Akzeptieren Sie andere Sichtweisen!

Andere Menschen sind vor allem eins: Anders! (Foto: gpointstudio/ Shutterstock)

Lernen Sie, andere Menschen nicht zu bewerten, sondern sie als Möglichkeit anzuerkennen, den eigenen Horizont zu erweitern. Üben Sie sich darin, andere Sichtweisen von Menschen wertzuschätzen, ohne sofort den eigenen Standpunkt dagegenzuhalten. Auch wenn Sie eine Person  als unangenehm empfinden, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Je mehr Sie akzeptieren, dass andere Menschen die Welt anders sehen, desto leichter wird es Ihnen fallen, mit ihnen versöhnlich umzugehen.

5Erweitern Sie Ihre Konfliktfähigkeit!

„Cool! So hatte ich das noch gar nicht gesehen, Danke dafür…“ (Foto: loreanto/ Shutterstock)

Neben der Fähigkeit, Feedback zu geben, gehört zur emotionalen Intelligenz auch, in Konflikten zu spüren, wenn einem die Hutschnur platzen will und es besser ist, sich erst einmal abzukühlen, bevor man weiter miteinander redet. In der Wut werden viele Menschen verletzend. Ungebremstes Dampfablassen kann Beziehungen irreparabel schädigen. Um in gemeinsamen Gesprächen Lösungen zu finden, ist ein gelassener Zustand weitaus hilfreicher. Zum Umgang mit Konflikten und zum Erlernen von Kritikfähigkeit kann das Internet Starthinweise geben. Das Training der Wahrnehmungsschärfung ist jedoch nicht zu ersetzen.

6Holen Sie sich Unterstützung!

Online first, klar! Aber es gibt noch mehr Angebote… (Foto: Rawpixel.com/ Shutterstock)

Generell können Online-Tests niemals eine Beratung und regelmäßiges Einüben ersetzen. Seien Sie mutig und holen Sie sich umfassende Unterstützung durch qualitatives Training Ihrer Emotionskompetenz und Ihrer Wahrnehmung.

Über die Autorin: Vaya Wieser-Weber hat sich seit 2001 auf Persönlichkeitsentwicklung und Emotionskompetenz spezialisiert. Mit ihrem Unternehmen entwickelte sie ein eigenes Trainingsprogramm zu emotional intelligenter Führung. Sie lebt in Kitzbühel.

Artikelbild: herzform/ Fotolia.com

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