Wir leben in einer VUCA-Welt. Es wird von Agility gesprochen, von Homeoffice, von stetiger Veränderung und Entrepreneurship. Wie soll man denn da noch mitkommen, da nicht den Halt verlieren? Wie soll man sich denn da nicht stressen lassen? Lisa Ethe informiert…

Stress gibt es nicht erst seit gestern. Schon als wir noch in Fellkleidung nach Hirschen jagten und von Wölfen angegriffen wurden, gab es Stress. Das hat sich Mutter Natur so ausgedacht, damit wir in Alarmbereitschaft versetzt werden und aufmerksamer sind, wenn irgendwo Gefahr lauert. Stress sorgte dafür, dass wir eine Situation schnell verlassen oder uns auf einen Kampf vorbereiten konnten.

Die Stresshormone, die der Körper ausschüttet, lassen die Atmung schneller werden, der Blutdruck steigt, es gelangt mehr Blut in die Muskeln und die Sauerstoffzufuhr wird erhöht. Alles, was gerade nicht benötigt wird – und dazu gehören die Wahrnehmung und das Immunsystem –, wird heruntergefahren. Die Konzentration ist zwar hoch und trotzdem setzt eine Denkblockade ein.

„Konzentration hoch, trotzdem Denkblockade“

Folgt Erholung auf den Stressreiz, so ist alles in Ordnung. Dann kann uns ein wenig Stress bzw. positiver Stress (Eustress) sogar dabei helfen, produktiver zu sein und Bestleistungen abzurufen. Nur wenn die Belastung zum Dauerzustand wird, drohen gesundheitliche Folgen wie Depression und Burnout – nicht über Nacht, sondern schleichend.

Stress heute

Von wilden Tieren werden wir mittlerweile nicht mehr bedroht, dafür aber von vollen E-Mail-Postfächern. Von Aufgaben, deren Erledigung wir uns nicht zutrauen, von Überforderung, Erreichbarkeit rund um die Uhr und anspruchsvollen Managern, denen man es nie recht zu machen scheint. Wir leben in einer „anytime anywhere“-Welt, in der viele von uns rund um die Uhr erreichbar sind. Die digitale Welt macht es möglich. Jeder hat schließlich das Smartphone jederzeit am Mann, selbst im Urlaub, selbst am Abend, wenn man beim Bierchen sitzt.

Nicht nur der Job stresst. Auch private Probleme, eine Scheidung, finanzielle Krisen oder Krankheiten verursachen Distress, also negativen Stress, der sich natürlich auf das Arbeitsleben überträgt.

Vor allem für Personen in Positionen mit Verantwortung, Führungskräfte oder Selbstständige, ist es ein Balanceakt, die eigene Gesundheit mit den täglichen Anforderungen in Einklang zu bringen. Das Wörtchen „Burnout“ scheint in den letzten Jahren in der Arbeitswelt präsenter denn je zuvor zu sein. Und der reine Gedanke daran, einen Burnout zu bekommen, nicht alles zu schaffen, zu versagen, versetzt uns dann schon wieder in Stress. Wie entkommt man diesem Kreislauf?

Klar, Stress wird es immer geben. Wichtig ist nur, diesen mit Zeiten des Ausgleichs auszugleichen, sich Erholung zu gönnen und die Reaktion auf den eigentlichen Stressfaktor abzuschwächen. Stressmanagement hilft, Struktur hilft, Routinen und Gewohnheiten helfen.

7 Tipps zum Stressmanagement

Wir haben 7 Tipps für ein erfolgreiches Stressmanagement zusammengetragen, aber seien Sie gewarnt: Natürlich haben auch wir nicht den Stein der Weisen gefunden. Sie sollten selbst herausfinden, was Ihnen als Ausgleich dient, was genau Sie, genau jetzt und hier brauchen. Sollten Sie herausfinden, wie man Stress ganz und gar vermeidet, dann lassen Sie es uns wissen!

Tipp 1: Integrieren Sie neue Gewohnheiten, werden Sie lästige los!

Gewohnheiten beeinflussen unser Leben, teilweise ohne dass wir es überhaupt bemerken. Wir stehen auf, putzen unsere Zähne, ziehen uns an – Routinen, die jeden Tag ablaufen, für die wir uns nicht mehr anstrengen müssen. Andere Angewohnheiten scheinen uns zu belasten: E-Mails immer gleich zu lesen, es einfach nicht pünktlich zum Meeting zu schaffen, die Zigarettenpause alle Stunde.

Die gute Nachricht: Sie haben es in der Hand. Sie können den Fokus auf Ihr Verhalten und Ihre Ziele richten, neue Gewohnheiten in Ihr Leben integrieren, die Sie effektiver machen und Ihren Stress verringern.

Zwei Beispiele:
Sie möchten Ihr E-Mail-Postfach nach der Zero-Inbox-Methode organisieren. Das bedeutet, dass keine einzige Nachricht ungelesen im Posteingang ist, wenn Sie abends das Büro verlassen. Das heißt abbestellen, löschen und Wichtiges, aber schnell zu Erledigendes, gleich aus dem Weg räumen.

Sie ertappen sich immer wieder dabei, dass Ihre Hand zum Smartphone wandert, Facebook öffnet und dann stur scrollt. Nicht weil Sie etwas wissen wollten, sondern einfach nur, weil es eine Angewohnheit ist.

Die Lösung: Wenn Sie konzentriert an einer Aufgabe arbeiten, verbannen Sie Ihr Handy aus Ihrem Sichtbereich. Rein damit in die Schublade, wenn es gar nicht anders geht, sogar in den Nebenraum. Oder bereitet Ihnen der Gedanke Stress, Ihr Smartphone nicht bei sich zu haben?

Tipp 2: Laden Sie den Akku wieder auf!

Ihr Körper braucht Schlaf und Wasser, gutes Essen und zwischenmenschliche Beziehungen. Auch hier dreht sich wieder alles um Routinen. Versuchen Sie jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, stellen Sie eine große Flasche Wasser direkt auf den Schreibtisch und trinken Sie ausreichend.

Tipp 3: Ihr Umfeld beeinflusst Sie – also gestalten Sie es!

Sie mögen Musik? Dann hören Sie Musik, während Sie an einer Aufgabe arbeiten. Richten Sie Ihren Schreibtisch mit Bildern von der Familie oder den Haustieren ein. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich im Büro wohlfühlen, denn dann sinkt auch gleich der Stresspegel.

Tipp 4: Zwischenmenschliche Beziehungen zum Chef und den Kollegen sind wichtig.

Wir sind Menschen, wir brauchen Beziehungen. Wir wollen uns austauschen, wollen Sorgen, aber (und vor allem) auch Freude teilen. Eine harmonische Arbeitsatmosphäre beeinflusst Mitarbeiterzufriedenheit ungemein. Sie ist ein Faktor für Arbeitsglück und Motivation. Sie hält gesund.

Auch motiviert es, wenn wir positives Feedback erhalten, wenn wir in der Lage sind, Ergebnisse und Erfolge zu feiern.

Tipp 5: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken!

Viel zu oft geht es um das, was wir nicht gut können.

Sarah ist ein Genie, wenn es um Zahlen und Daten geht. Sie liebt es, konzentriert an einer Aufgabe zu arbeiten und wird durch die Korrektheit einer Excel-Funktion motiviert. Da sie ins Sales-Team wechseln soll, schickt ihr Chef sie auf eine Verkaufsschulung. Vor anderen Menschen zu sprechen war noch nie Sarahs Ding und bereits die Vorstellung versetzt sie in Stress. Zwar lernt sie die Theorie, wird aber nie Spitzenleistungen abliefern und zum Sales-Profi werden.

Jeder von uns ist mit Stärken geboren, jeder kann irgendetwas gut. Herauszufinden, was das ist und wie man die eigenen Talente ausbauen kann, hilft Stress zu reduzieren. Einfach aus dem Grund, weil Sie das, was Sie tun, gern tun.

Tipp 6: Lernen Sie „Nein“ zu sagen und zu delegieren.

Da kommt die Kollegin kurz vor Feierabend um die Ecke und bittet um einen „klitzekleinen“ Gefallen. Naja, ablehnen will man auch nicht – wer weiß, wann man selbst mal Hilfe braucht. Zwei Stunden später verlässt man endlich das Büro. Hätte man doch lieber mal „Nein“ gesagt, jetzt hat sich der gesamte Abend zur Stresssituation entwickelt. Man hatte ja eigentlich Pläne gemacht.

Es ist okay, „nein“ zu sagen, und es ist auf der anderen Seite auch in Ordnung, Aufgaben abzugeben.

Auch richtiges Delegieren will gelernt sein. Wenn man sich durchgerungen hat, die ein oder andere Aufgabe an einen Kollegen zu übertragen, hat man gleich mehr Zeit für das Wesentliche.

Tipp 7: Planen Sie und schaffen Sie Strukturen.

Um einen Überblick zu behalten, bleibt die gute alte To-do-Liste noch immer ein wichtiges Hilfsmittel. Für Teams eignen sich Task-Management-Tools wie Asana oder Jira. Struktur reduziert Stress. Wer weiß, was zu tun ist und was er dazu braucht, der fühlt sich sicherer.

Hinweis der Redaktion: All diese Tipps sind Ideen, Vorschläge, die Sie ausprobieren sollten. Die eigentliche Nachricht: Sie können etwas gegen Ihren Stress tun. Was ist Ihr Tipp? Wie gehen Sie gegen Stress vor? Woher kommt Ihr Stress? Schreiben Sie es uns in die Kommentare!

Über den Autor: Saleh Amiralai ist Chief-Happiness Officer, Coach und Geschäftsführer des Unternehmens Hirnpuls . Seine Vision: Dafür sorgen, dass Menschen selbst an einem verregnetem Montagmorgen gern auf Arbeit gehen, Spaß haben und Sinn in ihrem Job sehen. Bei Saleh dreht sich alles um Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation, positive Führung und Stressmanagement. Sein Wissen teilt er gern – für mehr Arbeitsglück in deutschen Unternehmen.

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