St. Gallen „Wings of Excellence Award“? Entscheider treffen Top-Studenten aus aller Welt, Alpha-Tiere und Karrieristen mit Köpfchen. Champagner gefällig?

Die Band spielt Blues auf der Bühne, am Eingang werden erste Häppchen verteilt. Die Meetings des Tages sind gelaufen. Formulierte Meilensteine ruhen ein paar Stunden, im Posteingang des Blackberry. Morgen werden die Mitarbeiter wieder „gebrieft“. Nun, beim abendlichen Dinner werden Ergebnisse besprochen.

Marktanalysen und so manche Zukunftsprognose, für die Zeit nach der Krise. Probleme mit Kunden oder Mitarbeitern werden, die eher beiläufig diskutiert. Draußen. Beim Rauchen einer Villiger-Zigarre in der linken Hand. Mit der rechten klopfen sich die Manager auf die Schulter: „Wird schon werden“, sagen sie. Einen Schluck teuren Whiskey hinterher.

Ganz woanders, auf einer Rucksack-Tour durch Südafrika kam Jacobus im Herbst auf die Idee, sich zu bewerben. Ein Freund sagte ihm: „Mensch, mach doch mal“. Die Chance, an dem renommierten Wettbewerb teilzunehmen, wollte er sich nicht entgehen lassen. Er bewarb sich für das jährlich stattfindende Symposium mit einem Essay zum Thema „Globaler Kapitalismus – lokale Werte“.

Jacobus schrieb darüber, wie der Kapitalismus lokale und moralische Werte verbinden und unterstützen kann. Wirtschaftsethik ist seit der Krise wieder en vogue, 2008 lautetet das Thema: Globaler Kapitalismus, lokale Werte. Seine Augen leuchten durch die Hornbrille, er trägt rund 500 Zuhörern im Saal ein Essay vor, ist sichtbar bewegt und etwas nervös.

Essays über Werte zwischen Diskussion und Verteidigung

Es geht um Werte – persönliche, philosophische und ökonomische. Jacobus Cilliers (25), Student im südafrikanischen Stellenbosch, versetzt sich lebhaft in seine Rolle als Referent.

Ihm hören nicht nur Studenten zu, sondern auch Entscheider aus Politik und Wirtschaft.

Jacobus ist auf dem weltweit größten Symposium, das von einer Uni organisiert wird. Das war vor 2 Jahren. Zum 40. Mal fand diesen Sommer der renommierte „Wings of Excellence Award“ in St. Gallen statt.

Rund 1.000 Studenten bewerben sich um die 100 begehrten Plätze des Symposiums. In Essays erläutern sie ihre Ansichten zu einem vorgegebenen wirtschaftspolitischen Thema. Die besten Ideen werden mit dem „Wings of Excellence“ ausgezeichnet. Professoren und Vorstände sitzen in der Jury.

Für beide – Lernende und Lehrende – ist das Symposium eine Win-Win-Situation. Die Führungskräfte rekrutieren ihren Nachwuchs durch Sponsoring und Lobbying.

Nebenbei drücken sie ein paar Tage wieder die Schulbank. Die Studenten lernen neue Sichtweisen auf aktuelle Herausforderungen kennen und entwickeln kreative Gedanken für die nächste Seminararbeit.

Manche ergattern sogar Jobs und schnuppern in die Praxis des Top-Managements vor Ort hinein.

Studierende von Elite-Schmieden aus aller Welt

Rund 100 Studenten lädt das internationale Studentenkomitee (ISC) der Universität St. Gallen ein. Es werden jedes Jahr 200 junge Talente eingeladen.

Wobei sich 100 Studierende über den „Excellence Award“ qualifizieren, weitere 100 Leaders of Tomorrow aufgrund deren Bezuges zum jährlichen Thema, ihr „ausserordentlicher Leistungsausweis“ sagt einer der Organisatoren. Dieses Jahr kamen sie aus 53 Ländern.

Aus den USA und Großbritannien treffen sich Studierende, intelligente Köpfe der renommierten Eliteschulen Princeton, Harvard und Yale.

Auch Studierende der London Business School, aus Oxford und Cambridge sind mit von der Partie. Weniger bekannte Unis aus Australien und Neuseeland, Argentinien und Russland nehmen ebenfalls teil.

Christoph Birkholz (27) promoviert seit kurzem an der HSG in St. Gallen am Lehrstuhl für Umweltökonomie. Für ihn war der Kontakt zu Studenten aus aller Welt 2008 eine besondere Bereicherung.

„Wings of Excellence Awards“

Wie der Südafrikaner Jacobus war der BWL-Student beeindruckt von den Beiträgen des „Wings of Excellence Awards“. Seither steht Christoph in E-Mail-Kontakt mit Studenten aus Peru, Indien und Südafrika. Auch einige Kontakte in die Wirtschaft konnte er knüpfen.

2010 belegte er beim Award den 3. Platz mit einem Essay über den von ihm mitbegründeten Hub in Zürich – ein Portal für Jungunternehmer mit sozialem Engagement. Natürlich wusste auch Skype-Gründer Morten Lund auf seine Art aufmerksam zu machen:

Staatsbeamte, Unternehmer, Manager

Es gilt als weltweit führende Dialog-Plattform zu Grundsatzfragen des Managements. Was für manche Davos ist, organisieren Studenten in der Schweiz an anderer Stelle. Die Universität St. Gallen will Schnittstelle sein zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Das St. Gallen Symposium wird nicht von der Universität St. Gallen, sondern von zwei unabhängigen Organisationen, dem International Students‘ Committee (ISC), bestehend aus rund 25 bis 30 Studierenden von der Uni und der St. Gallen Stiftung für Internationale Studien organisiert.

Die Auswahl der Referenten auf dem Symposium kann sich sehen lassen. 2008 waren es die Bundespräsidenten der Schweiz und Österreichs, Pascal Couchepin und Heinz Fischer. Und 2010 sind es Vorstandsvorsitzende wie Jürgen Hambrecht von der BASF, Dominic Barton von McKinsey & Company oder Chairman Josef Ackermann von der Deutschen Bank.

Wie in jedem Jahr diskutierten auch führende Journalisten der Fernsehsender BBC mit den Managern. Ob Irakkrieg, Afghanistan oder die Finanzmärkte:

Langweilig wird es in St. Gallen trotz aller Business-Etikette nicht. Marisa Tanassararout (23) hat mit rund 60 Studenten wieder das Symposium organisiert, 2008 war sie ebenfalls mit von der Partie.

Insgesamt tragen jedes Jahr rund 300 Helfer und Helferinnen zum Gelingen des Symposiums bei. Die Support Crew wird von den rund 25 jährlich neu selektionierten Mitgliedern des ISC geleitet.

Organisation und Talente-Management

Jedes Jahr wollen die Organisatoren eine Atmosphäre schaffen, die den Dialog anregt. Der Großteil der Studenten und Manager sei sehr zufrieden, erklärt sie. Doch hinter den Kulissen würden die Studenten an ihre Grenzen stoßen.

Es geht hoch her auf dem Mini-Weltwirtschaftsforum: Seminarräume werden vorbereitet, Getränke und Snacks müssen für die insgesamt über 800 Teilnehmer bereit stehen.

Das erfordert viel logistisches Geschick. Und ebenso einen Lauf um Sponsoren, wobei der Großteil des Budgets von den Banken kommt, z.B. der Deutschen Bank, Commerzbank, Royal Bank of Scotland, der Schweizerischen UBS oder der Schwedischen SEB.

St. Gallen Wings of Excellence

Am St. Gallen Wings of Excellence Award kann jeder teilnehmen, der an einer Hochschule eingeschrieben und nicht älter als 30 Jahre alt ist. Berücksichtigt werden beim Hochschulwettbewerb unterschiedliche Beiträge zum aktuellen Thema.

Willkommen sind nicht nur wirtschaftswissenschaftliche, auch philosophische oder poetische Essays. Die Konkurrenz von über 1.000 Einsendungen ist groß, die Jury hochkarätig besetzt mit Managern, Professoren und Journalisten.

Das Thema des nächsten Symposiums wird im Herbst auf der Website veröffentlicht.

Die Aufsätze dürfen maximal fünf Seiten lang sein; dazu muss ein Abstract eingereicht werden. PowerPoint-Präsentationen und Audiodateien können auch auf der Homepage ab Weihnachten hochgeladen werden.

Artikelbild: Ivan Galashchuk/ Shutterstock

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