Thomas W. Künstner rät euch jedenfalls dringend dazu! Vor allem wenn ihr einen Umbruch oder Wandel ins Unternehmen tragen wollt …

Kahle Wände, Neonleuchten an der Decke und eine kopfhängende Pflanze in der Ecke – sich in solch einem Raum für ein Meeting treffen? Da gibt es sicher schönere Orte. Schade, dass so viele Verantwortungsträger in Unternehmen die Macht von Räumen noch nicht erkannt haben … 

Die einzigartige Wirkung 

Denn Räume haben eine ganz einzigartige und häufig auch unterschätze Wirkung auf Menschen – auch im Alltag. Die Kirche ist solch ein Beispiel. Egal ob ihr streng gläubig seid oder nicht, der Raum einer Kirche hat eine ganz spezielle Wirkung auf euch. Oder denkt nur mal an die großen Hollywoodfilme. Räume spielen in Blockbustern eine herausragend wichtige Rolle. Kein Wunder, Dramaturgen wissen über die Wichtigkeit von Räumen Bescheid. 

Mich hat zum Beispiel die neue Auflage des Films Blade Runner 2049 unglaublich beeindruckt. Ein Großteil des Streifens wird durch die imposant gestalteten Räume erzählt. Dabei geht es aber keinesfalls nur um die Optik. Der Film stellt die Frage nach der Grenze zwischen Mensch und Technik in Zeiten künstlicher Intelligenz und Robotern. Die Räume schlagen dabei die symbolische Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 

Derselbe Mensch 

Jetzt bin ich aber kein anderer Mensch, wenn ich einen Film schaue oder im Büro sitze. Auch im Unternehmen wirken Räume auf mich – das sehen jedoch nur die Wenigsten. 

Selbstverständlich kann ich nicht bestreiten, dass viele Unternehmen sich auch reichlich Mühe bei der Gestaltung ihrer Gebäude und Büroräume geben. Doch sobald ein neues Gebäude bezogen ist und die Büros an die Mitarbeiter verteilt wurden, spielen die Räume im täglichen Berufsleben meist keine große Rolle mehr. 

Aus meiner Sicht ein großer Fehler. Denn richtig eingesetzt, könnt auch ihr die Wirkung von Räumen zu euren Gunsten nutzen. Und damit meine ich nicht nur, euren persönlichen Arbeitsplatz ein wenig freundlicher und einladender zu gestalten. 

Macht’s wie Frodo

Ein weiterer Bereich bei der Arbeit, in dem Räume eine große Rolle spielen, sind Projekte und Veränderungsprozesse. So ist das auch beim Film. In der Dramaturgie spielen Räume meist dann eine wichtige Rolle, wenn es um Grenzüberschreitungen geht. Der Held nimmt die Herausforderung an und macht sich auf den Weg. Frodo beispielsweise im Herr der Ringe verlässt das idyllische Auenland und beginnt seine Reise. Neue Räume und Landschaften inklusive. So ist das auch im Unternehmen. 

Die Planung von der Wahl eines Meetingraums zum Beispiel erfolgt meist unter funktionalen Aspekten. Wie viele Teilnehmer gibt es? Wie viele separate Räume braucht man für ein Meeting? Brauchen wir Tageslicht? Und so weiter. Die eigentlich wichtigen Fragen werden in der Regel komplett missachtet: Was soll das Meeting erreichen? Was ist das zentrale Ziel? Wie können wir das erreichen? 

Es lohnt sich also, genauso viele Gedanken auf den Raum zu verwenden, wie auf die Agenda eines Meetings. Dabei muss es auch nicht immer das große Kino sein. Nehmen wir zum Beispiel an, ihr startet ein Projekt, von dem ihr euch wirklich innovative Lösungen wünscht. Wie bringt ihr das ins Team?

Ungewöhnliche Orte für ungewöhnliche Resultate 

Ihr könnt natürlich in eurer Einführung oder eurer Moderation klarmachen, dass ihr innovatives Denken braucht. Oder haltet doch einfach das Meeting auf der Dachterrasse ab oder verlegt es in die Tiefgarage. Wahrscheinlich werden das einige als verrückt abstempeln, aber mit Sicherheit werden sie das Meeting nicht mehr vergessen. Und sie werden garantiert verstehen, was ihr ihr vermitteln möchtet. Ihr möchtet klarmachen, dass der Zeitaufwand für ein Meeting begrenzt ist? Dann haltet es im Treppenhaus ab. 

Ich beriet einmal einen mittelständischen Verlag in Süddeutschland. Dort gab es ein Zimmer, in dem immer die Geschäftsführer getagt haben – mit Holzvertäfelung und Hirschgeweih an der Wand. Ganz wie in den 60er Jahren. Sie wurden fast schon zu den heiligen Hallen des Unternehmens erkoren. Eines Tages verlegten wir eine Teamberatung in diesen Raum – alle Manager zurrten sich nochmal die Krawatte fest, bevor sie in den Raum eintraten. Hätten wir das gewusst … 

„Räume können unglaublich unterstützend sein“

Thomas W. Künstner 

Der exklusive Raum sorgte für mehr Nervosität und „Zugeknöpftheit“. Die Lösung: Wir haben uns mit den Leuten immer wieder in der Kantine oder in deren Büros zur Beratung getroffen. 

Die richtige Wahl treffen

Wenn ihr Leute zum Nachdenken oder Umdenken bringen wollt oder müsst, können Räume unglaublich unterstützend sein. Doch bitte übertreibt es nicht: Ich beriet einmal einen großer Konzern, der sich immer im Konferenzraum traf – mit riesiger Leinwand und allen technischen Raffinessen für wichtige Präsentationen. Aufgrund von Raummangel mussten wir da mal ein Teammeeting reinlegen und trafen uns dreimal die Woche in dem Raum. Durch das ständige Besuchen des Raums verlor er seine besondere Wirkung. 

Denkt einfach daran, dass jedes Meeting in einem Raum stattfindet. Und die Entscheidung, wo dieser Raum ist und welche Aussage er trifft, hat große Auswirkung auf die Ergebnisse des Meetings. 

Über den Autor: Thomas W. Künstner weiß aus eigener Erfahrung: Spaß ist eine Komponente, die nicht nur ins Privatleben gehört, sondern auch – und vor allem – in den Arbeitsalltag. Nach welchen Prinzipien das funktionieren kann, macht die Entertainmentbranche vor. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium in Passau und England startete Thomas W. Künstner seine Karriere bei der Consulting-Firma Booz & Company, genauer dort im Bereich Media- und Entertainment Practice, dessen Führung er als Partner später selbst übernahm. Als seine Partner beschlossen, das exklusive Beratungsunternehmen zu verkaufen, stieg er aus. Er verkaufte seine Anteile und machte sich mit einer Investment- und Beratungs-Boutique selbstständig…

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