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Social Responsible Investing (SRI) soll an der Börse attraktiver werden. Vom US-Präsident Barack Obama erwartet Raymond Fishman schärfere Kontrollen vom Staat, vor allem bei den „Heuschrecken“, Hedge Fonds…

[dropcap]O[/dropcap]b Stiftungen, Versicherungen oder die Kirche. Institutionelle Anleger führen die Ranglisten von SRI ganz oben an. Corporate Governance unter Investment-Bankern. Henrik Syse ist extra aus Norwegen angereist. Er und andere wollen zeigen, dass SRI funktioniert. Mehrere Jahre hat er in der Corporate Governance von Banken und Ölkonzern gearbeitet.

Warum ist das für deren Politik so attraktiv? Syse spricht lieber von ganzheitlichen Geschäften, als sich in der Praxis übers Scheitern zu ärgern. Ob Umwelt oder Soziales, mindestens der Zehnte gehöre langfristig ins SRI-Portfolio, wiederholt der Banker die Professoren. Dieses Signal der Anteilseigner könnte Manager Mut machen, sich ethischer zu verhalten.

Kapital-Trend im Social Business

Unkenrufe gegenüber Investment-Bankern wären dann Schnee von gestern. Anleger und Management wüssten voneinander, könnten sich über Marktchancen konstruktiv unterhalten.

Wenn SRI funktioniert, bringt es gutes Geld für viele Menschen. Klingt plausibel, fragt sich nur, wann der Markt wieder gesättigt ist. Mehr als gutes Geld für geschundene Portfolios repariert SRI verlorene Fundamentalwerte, das Vertrauen beim Anleger.

Sozialer Hedge-Fonds, ein Widerspruch?

Alex Salzmann, Absolvent der Princeton University, hat sich im New Yorker Finanzgeschäft selbständig gemacht: „Viscap“ ist der Name seines Start-Ups, im Januar gestartet, einer von unzähligen, aber weitgehend unbekannten SRI-Fonds.

Mit einer Performance von durchschnittlich 18 Prozent in 2008, der Finanzkrise zum Trotz, stehen SRI-Fonds gar nicht so schlecht da.

Die UN in New York appelliert an die Spielregeln, das Social Investment Forum in Washington D.C überprüft das Einhalten ethischer Werte.

In einem sozialen Rating werden dort die betreffenden Firmen einem Screening unterzogen. Zum Beispiel solche Bio-Bäckereien kommen gut an.

Menschen-Rechte und die Markt-Werte…

Dabei geht es nicht nur ums Einhalten der Menschen-Rechte in Fern-Ost. Hat der Fonds mit Industrien in Sachen Alkohol, Tabak, Glück-Spielen, Waffen oder Tierversuchen zu tun?

Schlecht. Wird in das Wohl von Gesellschaft, Umwelt und Mitarbeitern investiert? Umso besser.

Zurück in New York bestimmt die Wall Street weiterhin die Markt-Werte. „Viscap“ hat alle drei Härteteste überstanden. 40 Millionen US-Dollar will Salzmann bis Mitte 2010 damit einwerben.

2011 sollen es schon über einhundert im Töpfchen sein, Private Equity und Funds-of-Funds, sagt der Jungunternehmer.

Sein eigentliches Ziel? 400 Millionen US-Dollar. Institutionen, Versicherungen und Stiftungen hätten ihm schon zugesagt. Salzmanns Versprechen: „Nur in saubere Energie investieren“. Damit springt er auf den Zug ethischer Investments auf, der jetzt in den USA nach dem Crash der großen Automobilkonzerne ins Rollen kommt

Das Letzte was Anleger wollen sei kreative Buchhaltung, Betrug: „Guter Gott, das ist eine beängstigende Sache“, schimpft Collin Melvin.

Fast dogmatisch spricht er über diejenigen Banker, die die Krise mit ausgeklügelten Investments richtig ins Rollen gebracht hätten.

Im Raum herrscht Stille, nur der Beamer brummt, im Nebenraum hört man, wie jemand das Buffet für später richtet. Der Appetit scheint den rund 30 Anzug-Trägern erst mal vergangen zu sein.

In U-Form sitzend, an den Kuli als vermeintliche Sicherheit klammernd, schauen die Geld-Experten verstohlen nach vorn, ans Pult und die Power-Points. Das Gehirn brummt, die Gesicht-Muskeln sind angespannt, die Atmosphäre schwül, das Ergebnis lässt hoffen.

Konzepte für Moral und Wunder in der Wirtschaft

David Crowther, SRI-Experte in England, definierte soziale Buch-Führung einmal als „Konzept für die Bericht-Erstattung eines Unternehmens“, dass sich mit gesellschaftlich relevanten Fragen auseinandersetzt und identifiziert.

Dabei sei SRI kein Hype nach dem Zusammenbruch der New Economy oder der Sub-Prime Krise in den USA.

Die Geschichte des Social Responsible Investings (SRI) geht zurück in die 70er Jahre. Im viel zitierten deutschen Wirtschaft-Wunder gab es zwar keine Finanzkrise, aber die Apartheid, die Spannung zwischen Sowjets und Amis und unnötige Kriege waren manchen Anlegern ein Dorn im Auge.

Soziale Gewinne machen glücklicher

Milton Friedman schrieb 1970 noch in der New York Times, es sei die einzige Verantwortung des Unternehmers, seine Gewinne zu erhöhen.

Dieses Zitat, Moral müsste man sich „leisten“, könnte man heute leicht umkrempeln. Wie wäre es, gleich der Gesellschaft zu dienen? Das würde Menschen und Manager unter Umständen glücklicher machen.

Niemand kann sich an der Wall Street noch leisten, auf Moral öffentlich zu verzichten. Nun haben die Finanzjongleure SRI als gangbaren Weg entdeckt, verlorenes Vertrauen beim Anleger wiederherzustellen.

Sichtweise! Jan Thomas Otte hat sich auch schon das eine oder andere Mal gefragt, was die Banken eigentlich mit seinem Geld machen. Kunden haben mehr Macht als sie denken. Wie man sein Geld sinnvoller nutzen kann? Reportage über christliche Manager…

Artikelbild: © Jan Thomas Otte

4 Kommentare

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