Verantwortung zu übernehmen, fällt vielen Menschen schwer. Ob bewusst oder unbewusst entwickeln sie die verschiedensten Techniken, um die vermeintliche Last abzuschütteln. Doch warum euch die Challenge „Verantwortung“ beruflichen Erfolg und persönliches Glück bringt, zeigt euch der Triathlet, Autor und Top-Manager Thomas Hammermeister...

Welcher dieser drei Sätze kommt euch am bekanntesten vor? Es sind alle drei ganz „normale“ Aussagen, wie ihr sie jeden Tag überall hört. Nur was sagen die eigentlich aus…

  1. „Mensch, wenn ich gewusst hätte, dass niemand Blumen mitbringt, hätte ich natürlich welche besorgt …“ 
  2. „Das Auto müsste mal wieder gewaschen werden.“
  3. „Hätte man mich früher über die Zahlen informiert, hätte ich die richtige Entscheidung getroffen.“
Übernimm‘ Verantwortung, findet Thomas Hammermeister (Foto: NN/ Privat)

Hätte/Wäre/Müsste bin ich nicht

Wenn ihr mal genau hinhört, fällt euch auf, dass es bei solchen Formulierungen immer darum geht, dass etwas nicht passiert. Hier wurden keine Blumen gekauft, kein Auto gewaschen und keine brauchbare Zahlenbewertung abgegeben. Und wer trägt die Verantwortung für diese Unterlassungen? Auf jeden Fall ein anderer als der, der da spricht. Der reicht die Verantwortung mit dem Hätte/Wäre/Müsste weiter.

Besonders Menschen, die mit Geschwistern groß werden, zeigen dieses Verhalten auch im Erwachsenenalter noch häufig – ganz einfach, weil sie es in ihrer Kindheit verinnerlicht haben. Es ist ihnen gar nicht bewusst. Erst wenn sie darüber nachdenken, erkennen sie dieses Muster und können etwas daran ändern.

Und es ist gut, wenn sie es ändern, denn glücklicher oder erfolgreicher werden die Menschen durch dieses Abschieben der Verantwortung im Leben nicht. Im Gegenteil: Die Verantwortung für sich und seine Handlungen zu übernehmen, ist ein entscheidendes Erfolgsprinzip. Auch und gerade im Umgang mit Challenges …

Abteilungsleiter per Lottogewinn

Das lässt sich besonders deutlich machen an einer weiteren Variante des Abschiebens. Die ist gekennzeichnet durch Wenn-Dann-Sätze: „Wenn ich im Lotto gewinne, dann erfülle ich mir meinen Traum und besteige einen 8000er.“ Oder: „Wenn mein Chef endlich mal Zeit hat, sich für meine Karriere einzusetzen, dann werde ich im Nu Abteilungsleiter.“

Wer so spricht, macht die Umstände oder den Chef oder wen auch immer dafür verantwortlich, dass er sein Ziel im Moment ja gar nicht erreichen kann. Er richtet sich gemütlich im Ist-Zustand ein und wartet, dass ein anderer sich kümmert. Sich selbst sagt er: „Ich kann nichts dafür, dass es nicht passiert: Schließlich wäre ich ja bereit, etwas zu tun, sobald der Chef, die Lottofee oder das Universum die Bedingungen dafür schafft.“

Damit tut er nur eines: Wie ein Kind lässt er sich die Verantwortung für seine Träume und Ziele von anderen abnehmen. Das Kind hat keine andere Wahl, der Erwachsene schon. Gibt der seine Verantwortung ab, gibt er sein Glück praktisch auf.

Wenn nicht mal der Lottogewinn Glück bringt

Denn ich bin überzeugt, dass ein großer Teil eurer Glücksgefühle nur dann entsteht, wenn ihr selbst aktiv zu eurer Entstehung beigetragen habt – sprich, wenn ihr euch für ein Ziel entscheidet, euch dafür stark gemacht und es dann erreicht habt. In voller Verantwortung.

Ohne Verantwortung bringt den allermeisten nicht mal der Lottogewinn etwas: Da müsst ihr nicht in die Glaskugel schauen, um vorauszusagen, dass das Geld dann schneller weg ist, als es gekommen ist.

Das Prinzip Verantwortung bestimmt nämlich auch den gekonnten Umgang mit den eigenen Finanzen, ob es nun Millionen oder nur ein paar Euros sind. Genau genommen lasst ihr deshalb schon besser die Investition in den Lottoschein sein und steckt diesen Betrag in eure Challenge – das wäre eine gute Entscheidung.

Denn am Anfang der Kette steht immer eure Entscheidung. Mit jeder Entscheidung übernehmt ihr unweigerlich Verantwortung. Auch wenn das nicht immer leichtfällt … Doch so steht ihr zu dem, was ihr tut – selbst wenn mal etwas schiefgegangen ist. Glaubt mir: Jeder hat es satt, wenn alle Beteiligten sich wie die Kinder gegenseitig die Schuld zuschieben.

Es fällt positiv auf, wenn einer sich hinstellt und sagt: „Ja, ich war es.“ Und er auch mal sagt: „Ja, ich gehe in die Verantwortung und übernehme diesen schwierigen Job“, wenn alle anderen in die Luft starren und lautlose Liedchen pfeifen.

Mut zur Verantwortung! 

Gerade durch eine eigene Meinung und den Mut zur Entscheidung könnt ihr zeigen, dass ihr mit eurem Prinzip „Verantwortung“ den meisten Menschen etwas voraushabt. Für Unternehmen ist so eine Haltung Gold wert, denn in aller Regel ist eine klare Entscheidung um Längen besser als keine Entscheidung.

Selbst wenn es viel Gegenwind gibt und nicht alle relevanten Informationen verfügbar sind: Ein Stillstand ist im Business nie eine gute Option, weil alle anderen sich in der Zwischenzeit weiterbewegen. Der Stillstand tritt aber unweigerlich ein, wenn alle Mitarbeiter und Führungskräfte ängstlich abwarten, ob nicht jemand anderes sich traut.

So vielschichtig ist also das Prinzip „Verantwortung“: Es geht um euch selbst und es geht um euer Umfeld. Und es geht darum, dass ihr euch mit vollem Herzen und umsichtig eurer Challenge stellt. Lasst es ja nicht zu, dass euch jemand die Verantwortung abnimmt: Sonst nehmt ihr euch den Großteil des Schwungs und auch des Glücks, das euch die Challenge bringt. Stürzt euch in die Verantwortung! 

Ein erster Beginn der Challenge „Verantwortung“ wäre, dass ihr es seid, die zum nächsten Geburtstag Blumen mitbringen…

Der Autor: Thomas Hammermeister bezeichnet sich selbst als weder im Sport noch im Beruf besonders talentiert. Daher war es etwas anderes, was ihm die Quantensprünge in seinem Leben erlaubte: Er hat verstanden, wie Erfolg funktioniert. Heute ist er Manager in einem Weltkonzern und finisht regelmäßig Triathlons wie den Ironman. Mehr erfahren: www.thomas-hammermeister.com

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