Trotz dieser menschlichen Komponente genießt der Beruf des Altenpflegers bei jungen Menschen kein gutes Image. Zu Unrecht, findet Silke Blumenröder…

Schicht- und Wochenendarbeit, körperliche und psychische Belastungen oder das vergleichsweise niedrige Gehalt halten viele Berufsanfänger oder Wiedereinsteiger davon ab, sich zu bewerben.

„Die Mobilisierung von Pflegebedürftigen kann ganz schön auf die Knochen gehen“, bestätigt Hübner, der selbst seit 2011 täglich pflegt, „zusätzlich müssen Altenpfleger mit Tod, Aggressionen und zwischenmenschlichen Problemen umgehen können“. Auch deshalb arbeiten Pflegekräfte durchschnittlich gerade einmal sieben Jahre am Pflegebett.

Rosemarie Amos-Ziegler, Geschäftsführerin der Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) in Filderstadt bei Stuttgart, ist selbst gelernte Krankenschwester und weiß, wie stark Rücken, Gelenke und auch die Psyche ihres 220-köpfigen Pflegeteams beansprucht werden.

„jede dritte Pflegekraft an der Leistungsgrenze“

Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Für jeden Einzelnen heißt das: „Viel heben, viel tragen, viel Aushalten.“ Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlt sich jede dritte Pflegekraft oft an der Leistungsgrenze. Deshalb baut Amos-Ziegler in ihrer Einrichtung seit zwölf Jahren das Angebot an Bewegungs-, Ernährungs-, und Präventionsprogrammen aus. Denn: „Die Gesundheit und Energie unserer Mitarbeiter sind unsere wichtigsten Ressourcen“, erkennt die Unternehmerin. 

DBfK-Vorstandsmitglied Hübner rät Berufsinteressierten schon bei der Arbeitgeberwahl auf Angebote des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu achten. „Regelmäßige Fallbesprechungen im Team, Supervision, Deeskalationstrainings oder ganz simple Fitnessangebote, helfen Erlebtes zu verarbeiten und sich im Berufsalltag nicht überfordert zu fühlen“, weiß der Gesundheits- und Krankenpfleger aus eigener Erfahrung.

Künftig müssten Seniorenheime und Pflegedienste mehr Wert auf Gesundheit und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter legen. „Dazu gehört auch ein verlässlicher Dienstplan oder eine Prämie für diejenigen, die bei hohem Krankenstand kurzfristig für Kollegen einspringen.“

Aussichtsreiche Karrierechancen, demographischer Wandel in vollem Gange

Dann – so Hübner – sei der Altenpflegeberuf ein sehr schöner Job mit aussichtsreichen Karrierechancen. „Viele Häuser unterstützen den Entwicklungswillen ihrer Mitarbeiter“, sagt er. Wer ambitioniert ist, kann sich über Fort- und Weiterbildungen oder ein Studium vergleichsweise schnell von der Fachkraft, über die Wohnbereichs- und Pflegedienstleitung bis hin zum Einrichtungsmanagement hocharbeiten. Aber auch fachliche Spezialisierungen wie die zum Wundmanager, zur Fachkraft für Geriatrie und Demenz oder im Qualitätsmanagement seien gern gesehen. 

Hübner sieht in den Ausbildungsjahren den wichtigsten Faktor für die Zukunft der Pflegebranche. „Nur wenn Auszubildende auch wirklich Schüler sein können und nicht durch Personalmangel in Überforderungssituationen gedrängt werden, können wir sie langfristig für die Branche begeistern“, sagt der Verbandsmann.

Zusätzlich plädiert er für flexiblere Arbeitszeitmodelle: „Manche arbeiten gern morgens, andere nachts, wieder andere wechseln gern. Auf diese Vorlieben, die oft eng mit den persönlichen Lebensumständen verflochten sind, müssen Pflegeanbieter eingehen.“

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