Wir haben mit Dr. Heiner Pollert gesprochen, Gründer der Patentpool Group und CEO von Prisma Analytics, über künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit Unternehmen der Finanztechnologie. Die Fragen stellte Jan Thomas Otte, Herausgeber der „Karriere-Einsichten…

Jan Thomas Otte: Wo kann künstliche Intelligenz (KI) im Bankenbereich am besten unterstützen?

Dr. Heiner Pollert: „Aufgrund des hohen Automatisierungsgrades innerhalb der Bankenbranche ist der Einsatz von KI in fast allen Bereichen sinnvoll. Moderne Technologien wie ‚Decision Point‘ von Prisma Analytics unterstützen dabei: Die Software-Applikation steht Anwendern über die Eikon-Plattform von Thomson Reuters beziehungsweise Refintiv zur Verfügung – sie überwacht und analysiert Daten wie etwa Market Data, Trading Data, Stock Data und vieles mehr für professionelle Nutzer.

Jan Thomas Otte: Sie bieten neue, KI-basierte Auswertungsmethoden an für Analysten beim Beantworten komplexer Fragen und dem Herleiten fundierter Entscheidungsempfehlungen…

„Predictive Analytics, ein Zauberwort“

Dr. Heiner Pollert: Diese Vorhersagen sind mit multiplen Wahrscheinlichkeiten verknüpft – Stichwort Predictive Analytics. So verarbeitet unser Datenmodell beispielsweise über 5.000 Newsfeeds in Echtzeit und unterstützt somit bei umfassenden Entscheidungen wie Investmentstrategie, Risikomanagement oder Krisenprävention.“

Jan Thomas Otte: Wie gehen Sie mit bestehenden, quasi programmierten Vorurteilen bei Analysen um?

Dr. Heiner Pollert: „Als Beispiel hierfür kann die Konzeption des Datenmodells sowie der Auswertungstools von Prisma Analytics dienen: Es war uns extrem wichtig, keinerlei Form von ‚operator-biased‘ zuzulassen. Unsere Auswertungen lassen sich nicht von Menschenhand beeinflussen und sind somit frei von Vorurteilen.

„keinerlei Form von ‚operator-biased‘ zulassen“

Jan Thomas Otte: Wirklich frei von Vorurteilen in der Programmierung, im Kopf des Programmierers? 

Dr. Heiner Pollert: Die Quantum Relations Machine von Prisma Analytics verwendet ihr eigenes Gehirn in Form von Computer-Codes und Speicher: Sie lebt vollkommen autark und von der Kausalität, die sie ohne jegliche Beeinflussung aus qualifizierten Daten herauszieht. Damit stellt sie das erste uns bekannte Datenmodell dar, das auf diese Weise funktioniert.“

Jan Thomas Otte: Und wie wirkt sich KI auf den Datenschutz aus, speziell auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung?

Dr. Heiner Pollert: „Die DSGVO stellt den Schutz personenbezogener Daten sicher. Im Falle von Prisma Analytics verwenden wir solche Informationen nicht oder nur mit Genehmigung – hier entsteht also kein Konflikt mit dem Gesetz. Dennoch unterliegt der Einsatz von KI selbstverständlich dem Datenschutz. Da es sich bei den von uns verwendeten Informationen ausschließlich um legal verfügbare Daten handelt, ergeben sich aus der Nutzung jedoch keine Probleme.“

Jan Thomas Otte: Wie spielt das mit Kryptowährungen zusammen?

Dr. Heiner Pollert: „Bei der Weiterentwicklung von Kryptowährungen spielt das Thema eine entscheidende Rolle: Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich unter anderem Sicherheitslösungen, die Abwicklung von Zahlungsströmen sowie die Besteuerung automatisiert und optimiert umsetzen. Die Anwendungsbereiche sind derart vielfältig, dass wir in der Innovationsbranche, speziell innerhalb der Patentpool Group, bereits an einer entsprechenden Kryptowährung – basierend auf unserem C+8-Datenmodell – arbeiten.“

Jan Thomas Otte: Machen Innovationen und neue Technologien die großen Banken in den nächsten 10 bis 20 Jahren überflüssig?

Dr. Heiner Pollert: Disruptive Technologien haben das zwar an sich, aber ob die großen Banken wirklich überflüssig werden oder vielleicht kooperationswillig, bleibt noch offen. Die Patentpool Group arbeitet an verschiedenen Innovationen, die hier Einfluss nehmen können. Beispielsweise wurde im Jahr 1999 ‚Ravenpack‘ gegründet und aufgebaut, welches als erste Technologie überhaupt begann die Aufgaben von Spekulanten zu übernehmen.

Damit stellt das Analysetool bis heute technologisch gesehen den Weltmarktführer in diesem Bereich der Finanzbranche dar. Einen Großteil der Kunden bilden Großbanken und Hedgefonds, die eben nicht überflüssig werden wollten, sondern ein Kooperationsmodell vorgezogen haben.“

Jan Thomas Otte: Könnte sich eine große Bankenkrise wie 2008 im Zeitalter der Industrie 4.0 und KI noch einmal wiederholen oder ist das nahezu ausgeschlossen?

Dr. Heiner Pollert: „Die letzte Bankenkrise basierte auf der Vergabe von unzureichend gesicherten Krediten innerhalb des amerikanischen Immobilienmarktes. Derartige Probleme lassen sich durch Tools wie ‚Decision Point‘ von Prisma Analytics prinzipiell identifizieren, managen und verhindern.

„komplexe Fragestellungen beantworten, fundierte Entscheidungsempfehlungen geben“

Denn: KI ist dazu in der Lage, komplexe Fragestellungen zu beantworten und fundierte Entscheidungsempfehlungen zu geben – was sich natürlich auf die zukünftige Marktlage auswirkt. Solche Innovationen machen jedoch einen entsprechenden Willen vonseiten der Branche notwendig, dermaßen risikoreichen Geschäften nicht mehr nachgehen zu wollen, und setzen den politischen Willen zu einer effizienten Regulierung des Kapitalmarktes voraus.“

Über den Gesprächspartner: Dr. Heiner Pollert ist CEO der Prisma Analytics GmbH. 1998 gründete er die Patentpool Group, deren Geschäftsmodell darin besteht, patentfähige, innovative Technologien wie das Datenauswertungssystem „Decision Point“ von Prisma Analytics zu managen und zu vermarkten. Mithilfe von Kapital, Know-how und einem breiten Netzwerk transformiert die Patentpool Group Innovationen in marktfähige Konzepte. Der studierte Jurist ist seit 2010 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für Erfindungswesen e.V., Auszeichnungen u.a. „Global FinTech Start Up of the Year“.

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