Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr: Mitarbeiter sind motivierter im Job, je stolzer sie auf ihr Unternehmen sind! Schön und gut – doch wie lässt sich das erreichen? Oliver Greiner, Partner bei der internationalen Unternehmensberatung Horváth & Partners, plädiert für einen Ankerpunkt, den in vielen Unternehmen mittlerweile leider eine dicke Staubschicht verdeckt: ein wirklich gutes Leitbild. Wie dieses aussehen muss, damit es allen im Team Orientierung gibt, verrät er im Artikel…

Stolz ist ein guter Ansporn zu Höchstleistung. Wer gerne über das berichtet, was er beruflich macht – und für wen –, wird eher die berühmte Extrameile gehen als jener, der sich als Söldner in einem Unternehmen fühlt, das ihm eigentlich egal ist.

Da dies im Grundsatz bekannt ist, erstellen viele Unternehmen ein eigenes Leitbild, welches Elemente wie Vision, Mission, Leitsätze und Werte zusammenführt. Wahrscheinlich hat auch euer Unternehmen, so wie viele andere, bereits ein Leitbild. Doch wie viele Mitarbeiter könnten die wesentlichen Inhalte dieses Leitbildes wiedergeben? Und wie ernst nehmen sie es? Welche Auswirkungen hat es in der praktischen Arbeit? Spornt es an, macht es stolz?

Viele Leitbilder erfüllen ihre Funktion als emotionalen Orientierungspunkt der Unternehmensstrategie nicht. Häufig haben sie ihr Verfallsdatum längst überschritten, die Realität des Marktes und des Unternehmens passen nicht mehr mit den einst festgesetzten Grundsätzen zusammen.

„Halbwertszeit von Leitbildern, vielleicht sieben Jahre“

So ist etwa nicht selten circa sieben Jahre nach Erstellen eines Leitbildes die ursprünglich erzeugte Aufbruchstimmung erloschen – einfach weil (hoffentlich) viele Etappenziele auf dem Weg bereits erreicht wurden. Dann ist ein neuer Impuls nötig, um die Mannschaft auf einen neuen Gipfel einzuschwören.

Ihre vier Kernkomponenten

Gut gemacht kann das Leitbild in wenigen Worten der Strategiearbeit den emotionalen und sachlogischen Überbau bieten: Damit habt ihr und eure Mitarbeiter in der Detailarbeit immer das Große und Ganze im Blick. Mit wenigen Sätzen könnt ihr als Führungskräfte jede Diskussion um Stand und Weiterentwicklung der Strategie beginnen – und zwar einheitlich über die jeweiligen Verantwortungsbereiche hinweg.

Ein gutes Leitbild („Corporate Statement“) umfasst vier Kernkomponenten:

  • Die Mission als Auftrag: Welchen Mehrwert bietet das Unternehmen für die Gesellschaft?
  • Die Vision als Anspruch: Welche Erwartung stellt das Unternehmen an sich selber?
  • Die unternehmerischen Leitsätze als Orientierungspunkte der Entscheidungsfindung: Welches sind die Grundsätze, die das Vorgehen des Unternehmens bestimmen?
  • Die Werte als Kompass des Verhaltens: Welches sind die unternehmensspezifischen Erwartungen an das tägliche Tun der Mitarbeiter?

Nicht alles, was glänzt, ist Gold

Bedenkt bei der Erstellung Ihres Leitbildes jedoch immer: Auch brandneue Leitbilder sind kein Garant für Begeisterung. Nicht selten sind sie schlicht ein Sammelsurium wohlklingender Allgemeinplätze und Worthülsen. Solche Leitbilder tun zwar nicht weh – sind aber auch kein unternehmensspezifischer Kompass und Energiespender.

Als das erfolgreiche Silicon-Valley-Unternehmen Netflix die sieben Grundsätze seiner Unternehmenskultur aufstellte, schrieben sie bezeichnenderweise als Regel Nr. 1 auf: „Werte sind das, was wir schätzen. Viele Unternehmen haben schön klingende Wertaussagen in ihrer Lobby hängen. Doch die echten Unternehmenswerte zeigen sich an jenen, die belohnt, gefördert – oder entlassen werde.“

Gut investiert

Nicht wenige Führungskräfte, mit denen ich über die Gestaltung von Leitbildern diskutiere, haben genau solche Erfahrungen gemacht. Je beliebiger und austauschbarer die Inhalte des Leitbildes, desto weniger haben sie eine Wirkung in der Unternehmensrealität, desto mehr könnte man auf die wohlklingenden Worthülsen gleich ganz verzichten.

Unschlagbar? Buch kaufen…

Und tatsächlich: die Gefahr der Beliebigkeit droht bei jeder einzelnen Komponente des Leitbilds: Visionen, die keinen Ansporn geben, Missionen, die genauso klingen, wie beim Wettbewerber, Leitsätze, die so unspezifisch sind, dass sie keine Entscheidungshilfe bieten, Werte, bei denen man problemlos 10 weitere hinzufügen könnte.

Doch wenn ihr mit einer sauberen Definition und einem starken Anspruch an die unternehmensspezifische Ausformulierung der einzelnen Komponenten startet, ist jede Minute, die ihr in diesen Teil eures Strategieprozesses steckt, gut investiert. Denn eine gutes Leitbild hilft euren Mitarbeitern, ihr Gefühl für das Besondere deines Unternehmen zu finden uns darauf  stolz zu sein – weil sie Sinn und Erfüllung finden.

Über den Autor: Dr. Oliver Greiner gehört zu den Top-Strategieberatern im deutschsprachigen Raum. Er leitet das Competence Center Strategy, Innovation & Sales der Managementberatung Horváth & Partners und unterstützt branchenübergreifend Großkonzerne und renommierte Mittelständler bei der Gestaltung ihrer Zukunftsfähigkeit.

Artikelbild: Jag_cz/ Shutterstock