Keine Zeit zum Lesen? Mach' dir nen Kaffee und gönne dir 4 Minuten...

Es geht um die Früherkennung und Förderung junger Nachwuchstalente. Initiativen, dem Fachkräftemangel in der IT-Branche Herr (oder Frau) zu werden gibt es viele. Dabei geht es auch um die Frage, wie Frauen für die IT begeistert werden können. Hand aufs Herz: das Gros der Fachkräfte landet über mehr oder weniger verschlungene Umwege im IT-Bereich. Und dieser Weg kann sehr erfolgreich sein. Interview mit Edith Muresan, Business Technology Architect bei CA Technologies…

Karriere-Einsichten: Wie war Ihr Weg in die IT?

Edith Muresan: Über einen Umweg. Ich habe Chemie studiert und zunächst acht Jahre in der Petrochemie gearbeitet. Irgendwann hatte ich den Wunsch, etwas Neues zu machen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Digital Equipment GmbH Lehrgänge für Organisationprogrammierer angeboten – und da habe ich mich dazu entschieden, eine dieser Schulungen zu machen. Ich habe dann sehr schnell gemerkt, dass ich keine reine Programmiererin werden möchte.

Karriere-Einsichten: Dazu war Ihnen die Interaktion mit Menschen im Berufsalltag zu wichtig…

Edith Muresan: Es haben sich durch diese Schulung viele neue berufliche Möglichkeiten eröffnet: Bereits nach dem ersten Bewerbungsgespräch hatte ich eine Anstellung im Support. Ich konnte mich dann schnell weiterentwickeln und verschiedene Mangement Aufgaben warnehmen. Aktuell bin ich nun als Business Technology Architect bei CA Technologies tätig. Rückblickend und auch jetzt noch kann ich sagen: Jeder Schritt in meinem Lebenslauf war eine Bestätigung, dass mir die IT Freude bereitet und das Richtige für mich ist.

Karriere-Einsichten: Welche Vorurteile sind Ihnen auf Ihrem Karriereweg begegnet?

Edith Muresan: Ganz konkret hatte ich mich auf eine Stelle beworben, bei der dann ein Mann bevorzugt wurde mit der Begründung, er habe mehr „Biss“. Ich habe damals einen anderen Weg eingeschlagen und daraus haben sich neue Chancen ergeben.

Karriere-Einsichten: Hatten Sie das Gefühl, dass Ihre Karriereplanung von Ihrem Umfeld kritisch bewertet wurde?

Edith Muresan: Nein, zum Glück nicht. Das ist aber, glaube ich, leider nicht selbstverständlich. Daher bin ich sehr dankbar, dass mein Mann mich so unterstützt hat. Bei uns gibt es diese „klassische Rollenverteilung“ nicht. Als unsere Tochter noch klein war, haben wir sehr viel Unterstützung von meinen Eltern bekommen. Ohne die Rückendeckung durch die Familie hätte vieles nicht so gut funktioniert. Ich habe in meinem Umfeld vor allem Zustimmung und Bewunderung erhalten.

Karriere-Einsichten: Glauben Sie, dass Ihr Karriereweg schwerer war, als bei männlichen Kollegen?

Edith Muresan: Ja, definitiv. Die IT ist immer noch sehr stark von Männern dominiert. Das ist natürlich noch historisch bedingt. Die Chefetagen werden bislang hauptsächlich von Männern besetzt, da früher kaum Frauen dazu ermutigt wurden, eine Karriere in der IT anzustreben. Die Generation, bei der das anders ist, wird erst noch kommen. Diese stehen jetzt noch kurz vor dem Berufseinstieg und entsprechend wird es noch dauern, bis sich in den Chefetagen ein Wandel bemerkbar machen kann.

Karriere-Einsichten: Welche Erfahrungen haben Sie bisher als Frau in der IT-Branche gemacht?

Edith Muresan: Dass man als Frau besser sein muss als ein Mann, um gehört zu werden. Zwar geben sich Unternehmen zunehmend Mühe, dem Ungleichgewicht der Geschlechter entgegenzuwirken, aber da hängt es noch an manchen Stellen. Und was nicht vergessen werden darf: Es bewerben sich nach wie vor kaum Frauen auf offene Stellen. Es wird den IT-Unternehmen also auch von der Bewerbungsfront nicht leicht gemacht, mehr Positionen mit Frauen zu besetzen.

Karriere-Einsichten: Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es für Ihren Beruf?

Edith Muresan: Ein Informatik-Studium erleichtert den Einstieg natürlich – aber das ist nicht zwingend Voraussetzung. Gute IT-Kenntnisse und Begeisterung für die Themen sind natürlich erforderlich. Außerdem sollte man Freude an der Arbeit mit Kunden haben und dafür gute Kommunikations- und Präsentationsskills mitbringen.

Karriere-Einsichten: Wie schätzen Sie den Einfluss der Digitalisierung auf Ihr Berufsfeld ein? Welchen Weg für einen bestimmten Beruf in der IT einschlagen, wenn die Digitalisierung sowieso alles verändert…

Edith Muresan: Es steht außer Frage, dass die Digitalisierung das ein oder andere Berufsbild oder gar auch ganze Abteilungen auf den Kopf stellen wird, was Prozesse und Arbeitsabläufe angeht. Oder auch die Zusammenarbeit mit anderen. Wenn man jedoch danach geht, könnte schon längst kein Berufsweg mehr skizziert werden.

Karriere-Einsichten: Denn die Digitalisierung hat keinen klaren Anfang und kein klares Ende…

Edith Muresan: …in Bezug auf ein bestimmtes Berufsbild. Wandel wird es immer in irgendeiner Art geben. Und wir gehen und lernen mit ihm. Das fachliche Fundament wird aber immer den gleichen Stellenwert haben. Damit glaube ich schon, dass man sich nach wie vor spezialisieren kann. Eine gewisse Flexibilität sollte aber natürlich heutzutage jeder Arbeitnehmer mitbringen – unabhängig von Branche und Position.

Karriere-Einsichten: Worin liegt Ihrer Meinung nach die größte Hemmschwelle für Frauen, um in der IT Fuß zu fassen?

Edith Muresan: Ich denke, die Hemmschwelle liegt vor allem in dem Umfeld, in dem Mädchen aufwachsen: Es fehlen einfach die weiblichen Vorbilder.

Karriere-Einsichten: Was müssen Arbeitgeber bieten, um für Frauen attraktiv zu sein? Welche Unterstützung benötigen Frauen beispielsweise, um Kinder & Karriere überhaupt „unter einen Hut“ zu bekommen…

Edith Muresan: Grundsätzlich: Weibliche Vorbilder. Für den Arbeitsalltag sind flexible Arbeitszeiten und wenn es irgendwie möglich ist, eine Unterstützung beim Thema Kinderbetreuung wichtig.

Karriere-Einsichten: Aber eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die Unternehmenskultur…

Edith Muresan (Foto: NN/ CA Technologies)
Edith Muresan (Foto: NN/ CA Technologies)

Edith Muresan: Gleichberechtigung und Weiterentwicklungsmöglichkeiten sollten selbstverständlich sein. Natürlich wird es noch etwas dauern, bis sich das Bild in den Unternehmen ändert. Ich finde aber, dass sich eine sehr gute Entwicklung abzeichnet und Wirtschaft und Politik hier eng zusammenarbeiten, um die Situation in die richtige Richtung zu lenken.

Karriere-Einsichten: Was sind Ihre persönlichen Karriere-Tipps für Frauen im IT-Bereich?

Edith Muresan: Mutig sein! Und sich eine Vertrauensperson suchen, die als Mentor fungieren kann. Ich selbst habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ansonsten sind Soft Skills wie Teamfähigkeit und gute Kommunikation natürlich wichtig – aber das ist ja sowieso oft eine Stärke von Frauen. Es geht meist eher darum, dass diese Stärken nicht selbstbewusst genug präsentiert werden. Aber das kann „frau“ definitiv lernen!

Artikelbild: OtmarW/ Shutterstock