Home-Office ist nur was für Schwachmaten, für Low-Performer und solche, die eh schon innerlich gekündigt haben. Stimmt’s? Nein, ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Wir glauben daran, dass „Work anytime, anywhere“ funktioniert! Vorausgesetzt, es wird richtig aufgegleist. Wir zeigen euch fünf häufige, gerne begangene Fehler von Managern – auf Kosten der Arbeitsmoral als auch Produktivität der Mitarbeiter/innen…

Mitarbeiter von zu Hause oder anderen entfernten Standorten aus arbeiten zu lassen, wird oft als eine Möglichkeit angepriesen, die Mitarbeiter stärker zu beschäftigen und Schlüsselmitarbeiter zu halten. Die Verwaltung von Homeoffice-Mitarbeitern ist nicht dasselbe wie die Verwaltung von Personen, die sich tagtäglich im selben Büro wie Sie selbst befinden.

„Nur weil jemand aus der Ferne arbeitet, bedeutet das nicht, dass er nicht die gleiche Aufmerksamkeit und Hilfe benötigt“

Nur weil jemand aus der Ferne arbeitet, bedeutet das nicht, dass er nicht die gleiche Aufmerksamkeit und Hilfe benötigt, die jeder in Ihrem Büro braucht. Oftmals ist der Grund für das Auftreten vieler Fehler, dass man sich nicht im selben Büro befindet. Diese Situation erfordert eine andere Herangehensweisen und Ansätze, um die gleichen Ziele mit diesen Mitarbeitern zu erreichen.

Fehler #1: Fehlende Beziehung zu Homeoffice-Mitarbeitern

Fernarbeiter sind auch Menschen. Vielleicht teilen Sie nicht jeden Tag das Mittagessen in der Pause mit Ihnen und stehen auch nicht zu einem Plausch am Wasserspender zur Verfügung, sie wollen sich aber trotzdem Gehör verschaffen und sich verstanden fühlen. Sie wollen über Dinge reden, die über die Arbeit hinausgehen.

Ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern ist die Grundlage für ein gutes Management. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass Sie wissen, wer sie sind, und Sie eine Verbindung über die Arbeitsverantwortung hinaus aufbauen, stärken Sie die Bindung zwischen Manager und Mitarbeiter. Dies führt zu einer Vielzahl von Vorteilen, darunter unter anderem:

  • Sie haben das Vertrauen, um mit Problemen jeder Art zu Ihnen zu kommen.
  • Sie sind viel eher bereit, sich Ihnen in einem Einzelgespräch zu öffnen.
  • Sie sind kritikfähiger und offener für Ihr Feedback und Coaching.
  • Sie haben keine Angst, Feedback und Ideen mit Ihnen zu teilen.
  • Sie fühlen sich Ihnen und dem Unternehmen gegenüber stärker verbunden.

Oder einfacher gesagt: Sie müssen sich anstrengen. Es erfordert etwas Zeit und bewusstes Handeln, jedoch profitieren Sie enorm von diesem Investment.

Was zu tun ist: Überlegen Sie, ob es sinnvoll ist häufiger oder für längere Zeiträume Einzelgespräche mit Ihren mobilen Mitarbeitern zu führen. Nutzen Sie die zusätzliche Zeit, um sie durch weitere Fragen kennenzulernen und Smalltalk zu halten.  Schon die Frage, wie es der Familie geht oder nach neuen Hobbies und Interessen kann viel bedeuten.

Fehler #2: Ausgrenzung aus wichtigen Meetings

Einer der größten Fehler, die im Büro immer wieder gemacht werden, folgt immer dem gleichen Muster:

  1. Ein Problem tritt auf und eine Entscheidung muss getroffen werden.
  2. Der Verantwortliche schnappt sich jeden im Büro, der involviert sein muss.
  3. Die Beteiligten sprechen es durch und treffen eine Entscheidung.
  4. Wenn sie alle über die Entscheidungen benachrichtigen, stellen sie plötzlich fest, dass man die mobilen Mitarbeiter hätte mit einbeziehen müssen.
  5. Die Entscheidung wird umgesetzt und Sie entschuldigen sich (wieder) dafür, dass Sie den/die mobilen Mitarbeiter nicht einbezogen haben.

Dadurch haben alle Beteiligten meist ein schlechtes Gewissen.

Diejenigen von uns im Büro fühlen sich schuldig, weil sie die mobilen Teammitglieder nicht einbezogen hatten, während diese sich natürlich ausgeschlossen fühlen. Es ist nur logisch, dass sie frustriert sind und das Gefühl haben, dass ihre Meinung nicht geschätzt wird.

Was zu tun ist: Wenn Sie eine Ad-hoc-Entscheidung treffen, machen Sie es sich zur Gewohnheit, kurz innezuhalten, um sich folgende Fragen zu stellen: „Sind alle hier, die mit einbezogen werden sollen?“und „Wer arbeitet von zu Hause aus, sollte aber mit in die Entscheidung einbezogen werden?“  Sobald Sie erkannt haben, wer per Fernzugriff einbezogen werden muss, kontaktieren Sie sie über Slack, Skype oder ein anderes Chat-Tool, mit dem Sie sie durch einen einfachen Anruf erreichen können, damit sie beteiligt sind.

Fehler #3: Ausschluss bei Erfolgen

Um das Offensichtliche auszusprechen: Gewinnen fühlt sich gut an. Wir alle genießen es, große und kleine Siege in unserer Arbeit zu erleben. Wir wollen wissen, dass unsere Arbeit nicht umsonst ist und Erfolge mit sich bringt.

Leider können viele der einfachsten Möglichkeiten, Gewinne zu feiern, Ihre Remote-Mitarbeiter ausschließen:

  • High Fives, Klatschen, Gongs schlagen oder den Sieg auf andere verbale oder akustische Weise feiern.
  • Ein Diagramm, Banner oder ein anderes visuelles Medium an der Wand, das den Fortschritt erkennen lässt.
  • Ausgehen zum Abendessen oder auf einen Drink, um den Erfolg zu feiern.

Es ist nur logisch, dass Ihre mobilen Mitarbeiter, sich ausgeschlossen fühlen, wenn sie diese Dinge sehen oder hören und nicht daran teilnehmen können.

Es hilft auch nicht, diese Veranstaltungen und Bürofeiern zu verstecken.

Was zu tun ist: Wenn die Arbeit eines Teams gelobt wird, in dem sich ein mobiler Mitarbeiter befindet, stellen Sie sicher, dass das Lob auch bei ihm ankommt.

Das kann bedeuten, dass Sie etwas in Ihrer Chat-Anwendung posten, ihnen eine aufmerksame E-Mail schicken oder sie per Videokonferenz in die Diskussion einbeziehen. Wenn Sie es schriftlich formulieren, scheuen Sie sich nicht, ein animiertes Gif oder ein relevantes Meme einzufügen; es kann stärkere Emotionen auslösen als Worte allein.

Fehler #4: Vernachlässigung von direktem Kontakt

Eines der häufigsten Gefühle, die entfernte Mitarbeiter haben können, ist das Gefühl der Abgeschiedenheit. Wenn jemand ein Außendienstmitarbeiter ist, ist er von den anderen Dingen, die in Ihrem Unternehmen passieren, isoliert. Das zufällige Gespräch mit Sarah im Verkauf oder Basti in der Technik, das Ihnen geholfen hat herauszufinden, wie es ihnen geht, findet nicht statt.  Sie bekommen nicht beiläufig mit, wie das Fundraising läuft, könnten verpassen, dass ein großer Verkauf abgeschlossen wurde oder erfahren viel später als alle anderen von der Einführung eines neuen Features.

Es ist die Summe jener Begegnungen und Gespräche, die ein Gefühl der Verbundenheit schaffen.

Was zu tun ist: Es reicht nicht aus, Informationen in Ihr Wiki zu posten. Sie müssen sich regelmäßig bemühen, mehrere Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, um „Zusammenstöße“ für Ihre Außendienstmitarbeiter zu erzeugen. Hier sind ein paar gute Ansätze:

  1. Ihre Einzelgespräche:Nehmen Sie sich Zeit, um über alles im Geschäft zu sprechen, worüber sie Fragen haben.
  2. Mitarbeitergespräche untereinander: Ermutigen Sie sie, sich mit Kollegen auszutauschen, um mehr über andere Bereiche des Unternehmens zu erfahren.
  3. Wiederholung:Wiederholen Sie sich öfter, als Sie es für nötig halten. Verwenden Sie mehrere Medien (Anrufe, Wiki, Chat, E-Mail usw.), um sicherzustellen, dass sie es auf jeden Fall mitbekommen und es verinnerlichen können.
  4. Online-Kollisionen erstellen: Wenn Sie der Meinung sind, „Du solltest wirklich mit diesem oder jenem mobilen Mitarbeiter sprechen“, erstellen Sie die „Zusammenstöße“ mit einer E-Mail oder einem Chat, so dass sie sich so unterhalten können, als wären sie sich im Flur begegnet. Ermutigen Sie andere, dasselbe zu tun.
  5. Holen Sie sie zu sich: Suchen Sie nach Gelegenheiten (Konferenzen, Billigflüge, Großveranstaltungen usw.), um sie kommen zu lassen und diese direkten Kontakte mit ihnen haben zu können, die ihre Homeoffice-Mitarbeiter normalerweise verpassen.

Fehler #5: Fehlende Entwicklungsgespräche

In den sich ständig verändernden Märkten von heute müssen Sie in das Wachstum allerinvestieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Leider bekommen die meisten Mitarbeiter nicht die Karrierechancen, die sie sich wünschen, und das gilt vor allem für Ihre Homeoffice-Mitarbeiter. Denn es ist einfach, sich keine Zeit zu nehmen, dieses Gespräch mit jemandem zu führen, den man nicht regelmäßig sieht.

Was zu tun ist: Nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch über die Wachstums- und Karriereziele Ihrer Mitarbeiter. Besprechen Sie, ob sie neue Fähigkeiten erlernen wollen oder eine Beförderung möchten – so motivieren Sie sie gleichzeitig.

Ihre Einzelgespräche sind die perfekte Gelegenheit, um diese Art von Themen anzuschneiden. Sobald Sie das Ziel festgelegt haben, machen Sie einen Plan, wie Ihre Mitarbeiter im Laufe der Zeit Fortschritte machen können, und überprüfen Sie das Vorankommen regelmäßig.

Seien Sie ehrlich mit den Karrieremöglichkeiten, die Ihre Mitarbeiter im Homeoffice haben, und für welche sie im Büro präsent sein müssten. Vielleicht überrascht Sie der ein oder andere Mitarbeiter mit der Bereitschaft umzuziehen. Sie werden es nie herausfinden, wenn Sie nicht darüber reden.

Fazit: Die Verwaltung von Homeoffice-Mitarbeitern stellt andere Herausforderungen an Sie, als das Management des Personals im Büro. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sich der damit einhergehenden Veränderungen in der Kommunikation bewusst zu sein.

Über die Autorin: Lara Kornbach ist Mitarbeiterin und Redakteurin bei der GEFTA Gesellschaft für Telearbeit mbH. Das Unternehmen schafft seit Jahren bundesweit moderne Home Office-Arbeitsplätze und bildet täglich motivierte Quereinsteiger zu Kundenservicehelden aus. Zusätzlich besitzt GEFTA die Expertise in der Einführung und Anbindung von dezentralen Arbeitsplätzen und begleitet Unternehmen bei der Umsetzung. https://www.gefta.eu/

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