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Resilienz steigern, Effektivität und Effizienz fördern, Agilität, Change-Management, New Work, Work-Life-Balance – jeden Tag ein neuer Business-Trend. Was ist dran an den Trendthemen? Die erfolgreichen Unternehmer Benjamin Schulz und Martin Sänger sagen: alles nur Work-Life-Blabla…

Aktuell digitalisieren sich alle, Manager erlernen Resilienz, fragen sich, wie sie sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld agiler werden können. Stichwort Work-Life-Balance. Alles Work-Life-Blabla. Der Begriff „Balance“ impliziert schon eine Trennung in zwei verschiedene Bereiche, die miteinander vereint beziehungsweise sich die Waage halten sollen.

Das Berufsleben ist auch ein Leben

Wenn man überhaupt in diesen Begrifflichkeiten verbleiben möchte, dann müsste es „Life-Life-Balance“ heißen, schließlich ist das Berufsleben auch ein Leben. Auch dann würden wir allerdings von zwei verschiedenen Bereichen sprechen. Hinter dem beruflichen und dem privaten steht aber immer ein und dieselbe Person. Warum also etwas trennen oder in Balance bringen, das eigentlich eins ist?

Die Autoren (Foto: NN/ Privat)

„Work“ und „Life“ lassen sich nicht trennen

Gerade für Selbstständige, Unternehmer und Menschen mit Führungsverantwortung bedeuten diese Begriffe und die dahinterstehenden Konzepte eine große Herausforderung. „Work“ und „Life“ verschmelzen automatisch miteinander, sind nicht trennbar. Verlassen Unternehmer das Büro, lassen sie das Business in den meisten Fällen nicht hinter sich. In gewissen Positionen ist das überhaupt nicht möglich. Man nimmt das Büro unweigerlich mit nach Hause.

Ein Leben, eine Identität

Es müsste also einfach nur „Lebens-Balance“ heißen. Jeder Mensch hat ein Leben, aber spielt darin durchaus verschiedene Rollen, die interagieren. In den jeweiligen Rollen ist ein Mensch immer anders: Geschäftsmann, Vater, Ehemann – dahinter steht aber immer eine Person mit einer Identität und einem festgelegten Set an Werten.

Stellen Sie sich dazu folgendes Bild vor: Jede Rolle, die wir einnehmen und leben, gleicht einer Säule. Auf all diesen Säulen liegt ein Plateau. Werden diese Rollen unterschiedlich gewichtet, verändert sich natürlich auch die Ausrichtung des Plateaus. Es gerät in Schieflage. Es ist nicht in Balance. Im Übrigen sind auch Gesundheit, Ernährung und Bewegung tragende Säulen dieser Plattform.

Geblendet vom Geschwindigkeitsrausch?

Man muss also regelmäßig nachtarieren, damit das Plateau stabil bleibt. Wenn man aber ein Leben auf der Erfolgs- und Überholspur führt und immer Vollgas gibt, verengt sich durch die Geschwindigkeit automatisch das Blickfeld. Schnell verliert man das Wesentliche aus den Augen oder rast an der nächsten Tankstelle vorbei.

Ist das Plateau erst einmal in Schieflage, kann das ganze Konstrukt schnell ins Wanken geraten oder komplett in sich zusammenfallen. Bei uns ist das jeweils durch eine Aneinanderreihung von Momenten, in denen wir mit unseren unterschiedlichen Rollen nicht in Balance waren, passiert. Martin hatte einen Herzinfarkt mit Nahtoderfahrung. Ben drohte die Insolvenz, irgendwann folgten Scheidung und Burn-out.

Was, wenn Leidenschaft Leiden schafft?

Kennen und erleben Sie das auch, dass gerade im Management viele ausgepowert sind, unter Druck und kurz vor dem Crash stehen? Das liegt meist nicht daran, dass sie „zu viel“ arbeiten – wer etwas mit Leidenschaft macht, kann aus dieser Passion viel Energie ziehen und somit auch viel arbeiten. Menschen rasen in Crashs und ihre Plateaus stürzen ein, weil es zu Rollenkonflikten kommt, also zwischen den unterschiedlichen Rollen keine Balance besteht.

Damit Leidenschaft kein Leiden schafft, braucht es einen Plan, vielleicht sogar ein Lebenskonzept. Es ist wichtig, sich zwischendurch mal Stopps zu setzen, um zu reflektieren und Energie zu tanken. Sich an diesen Plan konsequent zu halten, ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.

„Nicht jedem Business-Trend hinterherrennen“

Das ist der Wahn unserer Zeit und die Akzeptanz dieses Wahns bringt einen auch aus der Balance. Unternehmer, Führungskräfte und Geschäftsführer hoffen gerne auf neue Erkenntnisse, die ihre Probleme in Luft auflösen. Dabei ist die Lösung eigentlich ganz simpel und den meisten bekannt. Sie erfordert nur etwas Arbeit: Prioritäten setzen. Und dann durchziehen.

Prioritäten richtig setzen

Um richtig Prioritäten zu setzen, empfehlen wir das Eisenhower-Prinzip. Was ist wichtig und dringend? Aufgaben dieser Kategorie sind für das Erreichen Ihrer Ziele von höchstem Wert. Erledigen Sie diese sofort. Auch um Aufgaben der Kategorie „wichtig, aber nicht dringend“ sollten Sie sich persönlich kümmern, da sie für Ihre Zielerreichung wichtig sind.

Die Erledigung ist aber nicht an einen bestimmten Zeitrahmen in der näheren Zukunft gebunden. Anders ist es mit Aufgaben, die dringend, aber nicht wichtig sind. Aufgaben dieser Kategorie sollten zeitnah erledigt werden, es ist aber nicht erforderlich, dass Sie sich selbst darum kümmern. Delegieren Sie diese Aufgaben.

Verpflichtungen, die Sie Ihren Zielen nicht näherbringen und bei denen es obendrein egal ist, wann sie erfüllt werden, habe den geringsten Wert. Dabei handelt es sich um Aufgaben der Kategorie „weder wichtig, noch dringend“. Sie sollten nicht in Vergessenheit geraten, können aber vorerst vernachlässigt werden

Auch „unbesiegbar“ sein wollen? Na dann. Buch hier kaufen, es will all jene zum Nachdenken anregen, die selbst das Gaspedal immer voll durchdrücken und dabei Gefahr laufen, in den Crash zu rasen, ohne es zu merken…

Vergessen Sie also das mit der „Work-Life-Balance“ (Anm.d.R., sonst spielen sie hier oder in einem anderen Casino, lieber das Buch hier anschauen). Wenn wir über Balance sprechen, reden wir über eine ganzheitliche Betrachtungsweise, in der die verschiedenen Rollen in Waage stehen und nicht über die Trennung von Beruf und Privat.

Über die Autoren:

Benjamin Schulz ist Sparringspartner, Consultant und mehrfacher Buchautor. Der Unternehmer und Geschäftsführer der Firmen werdewelt und Ben Schulz & Consultants begleitet seit vielen Jahren einflussreiche Persönlichkeiten, Unternehmen und Institute im gesamten deutschsprachigen Raum zu den Themen Strategie, Positionierung, Identität und Marketing.
Martin Sänger ist Speaker, Entertainer und Augenöffner, der das Publikum mit seiner sympathisch dreisten Art begeistert, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Seit 1997 ist er selbstständig und realisiert mit seinem Unternehmen Sänger Trainerteam GmbH nationale und internationale Personalentwicklungsprojekte im Vertrieb.

Artikelbild: alphaspirit/ Fotolia.com

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