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Fast jedes zweite Unternehmen bietet Trainee-Programme an, ergab eine Umfrage des Staufenbiel-Instituts. Von 300 befragten Arbeitgebern gaben 80 Prozent an, dass ein Trainee-Programm den Grundstein für die weitere Karriere legt. Doch nur sieben von 100 Unternehmen setzen dieses für eine Management-Karriere voraus. Hochschulabsolventen sollten abwägen, ob die Alternative zum Direkteinstieg sinnvoll ist. Von Silke Blumenröder…

Fast jedes zweite Unternehmen bietet Trainee-Programme an, ergab eine Umfrage des Staufenbiel-Instituts. Von 300 befragten Arbeitgebern gaben 80 Prozent an, dass ein Trainee-Programm den Grundstein für die weitere Karriere legt. Doch nur sieben von 100 Unternehmen setzen dieses für eine Management-Karriere voraus. Hochschulabsolventen sollten abwägen, ob die Alternative zum Direkteinstieg sinnvoll ist.

„Ein gutes Programm bereitet einen Trainee auf den späteren Einsatz im Unternehmen vor und fördert dabei seine individuellen Stärken“, sagt Simone Stargardt, Weiterbildungsexpertin aus der Region Stuttgart. Üblich sei dafür ein Zeitraum von 15 bis 18 Monaten. „Neben der Praxis ist auch Weiterbildung ein wesentlicher Baustein“, erklärt die Betriebswirtin. Dazu zählen Seminare, in denen die Teilnehmer ihre Fachkenntnisse ausbauen und Softskills weiterentwickeln. Als ebenso wichtig erachtet die Expertin regelmäßige Feedbackgespräche. Viele Firmen stellen ihren Trainees außerdem einen Mentor zur Seite.

Ein Beispiel aus der Praxis

Der Wirtschaftsingenieur Daniel Ristow begann seine Karriere als Trainee: „Ich wollte mehrere Facetten eines Unternehmens kennenlernen, deshalb habe ich mich für ein Traineeprogramm entschieden,“ begründet er seine Entscheidung. Beim Bauunternehmen Goldbeck mit rund 4600 Mitarbeitern und mehr als 40 Standorten in Deutschland und dem europäischen Ausland durchläuft Ristow zentrale Abteilungen wie Controlling oder Recht, lernt unter anderem die Niederlassungen in Frankfurt und Kassel kennen. Inzwischen leitet der ehemalige Trainee den kaufmännischen Bereich der Regionalgesellschaft Süd in München.

„Ich bin mit einem guten Anfänger-Gehalt eingestiegen und hatte von Anfang an Projektverantwortung.“

Das häufige Vorurteil, Trainees würde wenig Verantwortung übertragen und das Einstiegsgehalt sei gering, kann Ristow nicht bestätigen: „Ich bin mit einem guten Anfänger-Gehalt eingestiegen und hatte von Anfang an Projektverantwortung.“ Der gebürtige Paderborner sah den Einsatz an verschiedenen Orten durchaus als Vorteil: „So konnte ich mir schnell ein Netzwerk aufbauen und regionale Eigenheiten kennenlernen.“ Bauen in Frankfurt-City verlaufe eben anders, als auf der Kasseler Höhe.

Keine festen Vorgaben

Trainee ist kein geschützter Begriff, jedes Unternehmen legt selbst Inhalt, Dauer und Vergütung fest“, weiß Stargardt. Die Betriebswirtin kennt Fallen, in die Hochschulabsolventen tappen können: „Ein Gehalt weit unterm Branchenschnitt und fehlender Lehrinhalt sprechen gegen ein gutes Traineeprogramm“, sagt die Inhaberin einer privaten Akademie. „Trainee“ sei dann nur eine andere Umschreibung für „Praktikant“. Und der erhoffte Karriereeinstig entpuppt sich als schlecht bezahlte Aushilfsstelle.

Bei Goldbeck ist Paul Tölle für die Trainee-Programme zuständig: „Bisher bekamen bei uns alle Trainees einen Festvertrag.“ Wie Daniel Ristow arbeiten auch andere, ehemalige Absolventen heute in leitenden, kaufmännischen Funktionen wie etwa als Bau-, Projekt- oder Geschäftsstellenleiter. Zwei jeweils 18-monatige Programme bietet das Bielefelder Familienunternehmen für Bau- oder Wirtschaftsingenieure an. Einmal mit dem Spezialgebiet Hochbau, einmal mit kaufmännischem Schwerpunkt. Es käme auch vor, dass sich Hochschulabsolventen sowohl auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben, als auch als Trainee, erzählt der Personaler. Ein Nachteil sei das nicht, im Gegenteil: „Kommt es zum Vorstellungsgespräch, können so beide Seiten prüfen, welcher Einstieg der geeignetere ist.“

„Für die Karriere ist es meist nicht relevant, ob jemand über ein Traineeprogramm ins Unternehmen gekommen ist oder den Direkteinstieg gewählt hat“, so die Erfahrungen von Simone Stargardt. Trainee oder Direkteinstieg sei eher eine Entscheidung, die von anderen Faktoren abhänge, findet die Expertin für modernes Personalmanagement und gibt ein Beispiel: „Ein Hochschulabsolvent, der sich noch nicht endgültig für einen Arbeitsbereich festlegen will und flexibel ist, bewirbt sich eher als Trainee. Wer sich schon für ein bestimmtes Arbeitsfeld entschieden hat und weniger mobil ist, ist eher ein Kandidat für den Direkteinstieg.“

Orientierungshilfen

Um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, sollten Hochschulabsolventen, die sich für ein Traineeprogramm interessieren, folgende Punkte klären:

  1. Wie mobil bin ich? Wer eng mit seiner Heimat verbunden ist, auf den örtlichen Sportverein nicht verzichten will und keine zwei Wochen ohne Familie und Freunde überlebt, ist für ein Traineeship eher ungeeignet. Denn oft sind Einsätze in anderen Niederlassungen oder gar Auslandsaufenthalte vorgesehen.
  2. Wie flexibel bin ich? Auch wer für sich schon festgelegt hat, dass er unbedingt und nur im Controlling arbeiten will, ist in einem Traineeprogramm falsch. Die Programme finden in der Regel in unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens statt. Keine Chance hat, wer bestimmte Abteilungen von vornherein für sich ausschließt.
  3. Wie ehrgeizig bin ich? Jeden Montag um 16 Uhr zum Pferd und montags pünktlich um fünf zum Yoga-Kurs – könnte als Trainee schwierig werden. Die Erwartungen an Trainees sind meist hoch, vor allem in großen Unternehmen stehen sie unter Beobachtung, werden analysiert und beurteilt. Je engagierter sich jemand zeigt, desto besser die Chancen auf eine spätere Karriere.
  4. Bin ich bereit für Verantwortung? Erstmal schauen und dann weitersehen – falsche Einstellung für einen Trainee. Von ihm oder ihr wird verlangt, von Beginn an eigenverantwortlich zu arbeiten und Projekte zu übernehmen.

Artikelbild: Gina Sanders/ Fotolia

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