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Etwas aus Leidenschaft zu tun, ist großartig. Doch was passiert mit dieser Leidenschaft, wenn sie plötzlich zum Beruf wird? Als ehemals professioneller Fußballer weiß Stefan Reutter, wie schnell Freude und Pflicht ineinander fließen können – und wie ihr es vermeidet…

Früher hieß es: „Junge, als Betriebsfachwirt kannst du gutes Geld verdienen. Das ist ein sicherer Beruf über viele Jahre.“ Damit war klar, welcher Weg nach dem Abschluss einzuschlagen ist. Aber heutzutage?

Heutzutage heißt es: „Tu, was du liebst.“ Ein Hype, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Generation Y beispielsweise ist fokussiert auf ihre Freizeit, ihre Lebenszeit und ihre Selbstverwirklichung. Jeder träumt in den buntesten Farben davon, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sei es das Hobby, das euch erfüllt, die Affinität für Zahlen, der ihr tagtäglich nachgehen möchtet, oder das Faible fürs Texten, das ihr fortan professionalisiert.

Aber was passiert, wenn Beruf und Leidenschaft fließend ineinander übergehen – und euch am Ende keines von beiden mehr so richtig glücklich macht?

Klare Linien gibt’s nicht mehr

Die Leidenschaft zum Beruf zu machen, klingt im ersten Moment ja hervorragend, klar. Nur gibt es einen Haken an der Sache: Macht ihr eure Leidenschaft zum Job, lauft ihr Gefahr, euch sowohl bei der Arbeit als auch privat zu verrennen.

Die Unbeschwertheit eurer Leidenschaft ist dahin, da sie ab sofort verpflichtend tagtäglich um acht Uhr im Kalender steht. Ihr müsst sie planen  – mit festen Deadlines und Zielvorgaben, die ihr erreichen müsst.

Abends kommt ihr gestresst nach Hause – und könnt erst nicht abschalten, weil eure Arbeit ja gleichsam euer Hobby ist. Und das macht man ja auch  gerne, oder? Also bastelt ihr noch während des Blockbusters bis nach 22 Uhr an Excel-Tabellen, trainiert oder arbeitet an euch. Bis ihr am Ende gestresst ins Bett geht und am nächsten Morgen wieder gestresst zur Arbeit.

Glücklich und entspannt seid ihr am Ende in keinem der beiden mehr: weder im Job noch bei eurer ehemals privaten Leidenschaft.

Davon kann ich als einst angehender Profifußballer ein Liedchen singen. Anfangs war mir der Übergang von Hobby zu Beruf gar nicht so recht bewusst. Dann fing ich immer mehr an, mit meiner größten Leidenschaft Geld zu verdienen. Und das fand ich immer noch okay.

Schließlich war meine Triebfeder von Anfang an immer der Spaß am Fußballspielen und es war für mich die sinnvollste Aufgabe der Welt. Einen höheren Motivationsgrad gibt es nicht. Ich machte mir keine Gedanken darüber, was es bedeuten könnte, wenn ich sozusagen mein Hobby als Hobby aufgebe. Bis ich merkte: Die Leidenschaft verwandelte sich immer mehr in Pflicht.  Mein Ausgleich zum Berufsleben war weg.

Der Tod der Work-Life-Balance

Sobald das Hobby zum Job und damit der Job zum Hobby wird, kann keine Rede mehr von einer ausgeglichenen Work-Life-Balance sein. Ehe ihr euch verseht, ist die Leidenschaft verpufft und ihr in eurem Job gefangen – die ursprüngliche Hingabe ist verflogen. Sie macht Raum für … Wir halsen uns Aufgaben auf, um die wir im Job nun mal nicht rum kommen. Termine einhalten, Vorgänge optimieren, Meetings organisieren … Und damit sind wir in die Falle der Business-Welt getappt, aus der es kein (so leichtes) Entkommen gibt.

Auch ich habe zunächst Fußball nur aus Leidenschaft gespielt. Bis ich entdeckt wurde und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe. Ab da änderte sich alles, Verträge und der Gedanke des Geldverdienens kamen ins Spiel und der ganze bürokratische Firlefanz prasselte auf mich ein.

Und spätestens ab diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr von einer Work-Life-Balance sprechen. Mein Hobby war mein Job, mein Job war mein Hobby. Work-Life-Blended pur.

Ich habe es geliebt zu spielen und dabei auch noch meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber wenn ihr etwas liebt, lauft ihr Gefahr, dass ihr ausbrennt: Ihr tut, was ihr liebt, liebt, liebt – bis die Luft raus ist, da ihr euch keine Pause gönnt. Verständlich, da wir ja keine Pause von dem brauchen, was wir lieben – meinen wir. Damit liegen wir aber sowas von daneben!

Die Liebe hat viele Facetten

Denn einfach nur das, was ihr liebt zu eurem Job zu machen, ist einfach zu simpel. Diese Rechnung geht nicht auf. Macht ihr eure Leidenschaft zum Beruf, dann müsst ihr akzeptieren und euch bewusst werden, dass sich die Liebe zu eurer Leidenschaft mit der Zeit verändert.

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Diese Liebe lässt sich mit der Liebe in einer Partnerschaft oder Ehe vergleichen. Nach Jahren lieben wir uns immer noch, aber diese Liebe bekommt eine andere Farbe als damals in der Verliebtheitsphase. Mit der Zeit weicht die rosarote Brille, die einen mit Euphorie die Dinge angehen lässt der Lesebrille, mit der wir wieder einen klaren Blick auf die Dinge bekommen.

So verhält es sich auch in der „Partnerschaft“ aus Leidenschaft und Job. Es beginnt alles mit Neugierde, Entdeckerfreude und Spaß an der Sache. Aber irgendwann bekommt die Liebe bei dem, was wir tun, eine andere Farbe und verändert sich. Aus der anfänglichen Motivation und Verliebtheit in den Gedanken, das zu tun, was uns erfüllt. wird auch irgendwann Gewohnheit, Stress und in manchen Fällen sogar Abneigung.

Auszeit ist Ich-Zeit

Genau aus diesem Grund ist es hier enorm wichtig, sich in Selbstmanagement zu üben, auch mal eine Auszeit zu nehmen, Pausen einzulegen um sich nicht zu verrennen. Natürlich darf der Laptop am Abend aufgeklappt sein, aber dann bitte nur für einen guten Film mit einem Gläschen Wein.

„Work-Life-Blending“

Ihr seht also: „Mache deine Leidenschaft zum Beruf “ ist ein wunderschöner Gedanke und in jedem Fall nicht verkehrt, solange ihr es schafft eure Leidenschaft, im Privaten wie im Beruflichen zu erhalten und euch die Abende und die Wochenenden ganz bewusst frei zunehmen. Dann müsst ihr euch keine Gedanken mehr um eine ausgeglichene Work-Life-Balance machen, denn das ist Work-Life-Blending.

Das ehemalige Hobby darf gerne die sinnvollste Arbeit der Welt und somit zum Beruf werden. Um das allerdings zu bewältigen, ist aus meiner Sicht vor allem eins entscheidend: Disziplin sich eine Auszeit zu gönnen und Ausdauer wenn ihr gerade mal nicht liebt, was ihr tut. Denn nur so behaltet ihr die Leidenschaft für euer Tun und verliert trotz Stress den Spaß daran nicht.

Über den Autor: Stefan Reutter ist Autor, Coach und Speaker rund um die Themen Krisen, persönliche Entwicklung und Motivation. Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Spitzensportler, dass persönliche Entwicklung meistens nicht geradlinig verläuft…

Artikelbild: wavebreakmedia/ Shutterstock

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Stefan Reutter ist Autor, Coach und Speaker rund um die Themen Krisen, persönliche Entwicklung und Motivation. Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Spitzensportler, dass persönliche Entwicklung meistens nicht geradlinig verläuft. In seinen Kolumnen auf Karriere-Einsichten berichtet er über weitere Insights…

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