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Er war auf dem Sprung zum Fußballprofi, als ein unglückliches Foul seiner Karriere von einer Sekunde auf die andere ein Ende bereitete. Knie kaputt, Lebensplan völlig zerstört. Stefan Reutter weiß, wie es ist, am Boden zu liegen – und wieder gestärkt aufzustehen. Wir haben den Autor und Coach für Persönlichkeitsentwicklung gefragt, wie ihr aus einem Karriereknick einen Karrierekick machen könnt…

Karriere-Einsichten: Sie kennen das niederschmetternde Gefühl der Niederlage – im Spiel und im Leben. Trotzdem sagen Sie, dass die schlimmsten Tage manchmal die besten sind?

Stefan Reutter über Karriereknicke (Foto: privat)
Stefan Reutter über Karriereknicke (Foto: privat)

Stefan Reutter: Jetzt schon. Das habe ich allerdings erst im Nachhinein erkannt. Ich war jung und erfolgreich, hatte einen wunderbaren Plan für mein Leben und war dann völlig niedergeschmettert. Pech gehabt, Ende Gelände – so fühlte sich mein Karriereende als Profifußballer damals an.

Karriere-Einsichten: In solchen Momenten drängen sich bestimmt Frage auf…

Stefan Reutter: Warum ich? Doch sie ist so natürlich wie nutzlos: Sie macht dich letztlich nur wütend, böse und aggressiv. Und gegenüber den Menschen, die helfen wollen und es gut mit dir meinen, wirst du arrogant, undankbar und verletzend. Denn eine persönliche Krise lässt Menschen nach innen kippen. Alles um sie herum verblasst vor dem Leid. Jedem, dem es so geht, gratuliere ich. Ganz ehrlich! Denn genau darin liegt eine große Chance!

Karriere-Einsichten: Warum Chance? Ein Tiefpunkt – das klingt doch im wahrsten Sinne des Wortes negativ.

Stefan Reutter: Bei mir war es so, dass ich mich an meinem Tiefpunkt mit mir selbst auseinandersetzen musste. Ich kam immer mehr an meinen inneren Kern. Ich bemerkte meine Verletzlichkeit und begann, an bisherigen Überzeugungen zu zweifeln. Weil ich feststellen musste, dass das Leben, wie ich dachte, dass es funktioniert, doch anders funktioniert. Ich habe begonnen, gewisse Einstellungen infrage zu stellen.

Karriere-Einsichten: Eine Ebene, mit der Menschen im Alltag kaum in Berührung kommen…

Stefan Reutter: Klar, das ist erst einmal schmerzhaft – da tun sich die Abgründe des eigenen Lebens auf. Doch diese Konzentration aufs eigene Ich birgt die Chance, sich selbst zu finden – das beste Trostpflaster überhaupt! Ich habe nach der Zeit der Verzweiflung endlich erkennt, was mir wichtig ist und was mir statt meiner Fußballkarriere Freude bringen kann.

Karriere-Einsichten: Wie geht das praktisch? Was muss ich tun?

Stefan Reutter: Indem Sie ehrlich sind – ehrlich zu sich selbst. Ich muss mir eingestehen, dass ich am Boden liege und mein bisheriger Plan einfach kein Plan mehr ist. Ich habe nach meinem Sportunfall über mein Leben nachgedacht – wochenlang – und mich gefragt, wofür das gut gewesen sein könnte. Und dabei fielen mir viele Szenen ein, die nach dem gleichen Muster verliefen:

„im Nachhinein daraus gelernt“

Etwas ging schief und erst im Nachhinein habe ich daraus gelernt. Wie mit der heißen Herdplatte bei Kindern: Du kannst jemandem nichts beibringen, solange er es nicht selbst durchlebt hat. Deshalb ist alles Schlechte, was einem widerfährt, vor allem immer eine Chance, etwas daraus zu lernen und mitzunehmen.

Wer das verstanden hat, kommt zur eigentlich schwierigen Aufgabe: Ich muss die Situation und meine Erkenntnisse annehmen. Ich muss loslassen und mich dem Weg anvertrauen, auf den mich das Leben gerade führt. Denn genau dafür ist die Krise da: Sie verändert uns Menschen und macht uns bereit für einen neuen Plan, nachdem der alte nicht aufgegangen ist. Wer weiß, was im neuen Job Spannendes wartet.

Karriere-Einsichten: Haben Sie Tipps für unsere Leser/innen, wie sie nach einem herben Rückschlag ein neues Karriereziel finden?

Stefan Reutter: Wenn der Puls erst wieder gleichmäßiger geht, dann ist die Zeit reif für eine Entscheidung. Der beste Ratgeber für Zukunftsfragen ist dabei die Vergangenheit! Für Karriere-Neustarter heißt das konkret: Schaut zurück auf den Weg, den ihr zurückgelegt habt. Macht euch klar, was ihr gelernt habt.

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Und ihr werdet sehen: Durch eure Krise, durch euer Scheitern hat sich der Blickwinkel verändert. Ihr wisst, was jetzt an erster Stelle steht. Wenn es ein Studium in einem neuen Fachgebiet ist, packt es jetzt an! Wenn eine Umschulung nötig ist, findet jetzt die Zeit dafür! Wenn es ein Gespräch mit dem Umfeld ist, führt es jetzt!

So ein Switch im Beruflichen ist kein leichtes Unterfangen: Denn selten ist das eigene Umfeld von einem Karrierewechsel begeistert. „Das kannst du doch nicht machen! Dein Job ist so sicher!“ … Viele Menschen schlagen keinen neuen Weg ein, weil Mutter, Vater oder Partner nicht einverstanden sind. Da kann ich nur sagen: Auf geht’s ins Gespräch!

Karriere-Einsichten: Das klingt nach einer Kampfansage.

Stefan Reutter: Ja, das klingt nach einer echten Auseinandersetzung – eine Fähigkeit die leider viel zu viele Menschen verlernt haben. Das Resultat: Die Kommunikation – und damit die Beziehungen – kratzen an der Oberfläche. Dabei ist diese Kommunikation gerade bei einer so wichtigen Entscheidung wie einem Jobwechsel essenziell.

Also, liebe Leser/innen: Sucht die Diskussion! Kämpft für euer neues Karriereziel! Auch wenn euer Umfeld euch den imaginären Vogel zeigt. Dabei geht es nicht darum, dass ihr euer Umfeld von eurem Vorhaben überzeugt, sondern darum, euren Standpunkt klarzumachen. Zeigt, was für euch das Beste ist. Denn ihr seid die Einzigen, die euren Tiefpunkt überwinden können, und wisst, welche Wegrichtung die richtige für euch ist.

Karriere-Einsichten: Karriereknick also überwunden – und jetzt?

Stefan Reutter: Wenn das Ziel erst einmal steht, dann kann ich nur gratulieren. Jetzt können Karriere-Neustarter oder -Umdenker ihre Hingabe für den neuen Job ausleben. Für mich persönlich habe ich irgendwann erkannt: Meine Hingabe gilt dem Menschen, ihn zu entwickeln. Bis zu meiner jetzigen Tätigkeit war es ein weiter und auch immer wieder beschwerlicher Weg, aber ich bin so glücklich wie nie zuvor.

Beim Karriereknick geht die persönliche Kurve natürlich erst einmal hinunter. Sie kann aber ganz schnell wieder nach oben gehen – höher als zuvor. Die schlimmsten Tage im Leben sind manchmal eben doch die besten.

Über den Interview-Partner: Stefan Reutter ist Autor, Coach und Speaker rund um die Themen Krisen, persönliche Entwicklung und Motivation – und das ohne Rumgeeier, dafür mit Emotionen, Ehrlichkeit und Konsequenz. Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Spitzensportler, dass persönliche Entwicklung eben meistens nicht geradlinig verläuft und nicht angenehm ist. Doch auf Dauer macht sie immer Freude. Und Sinn! Umso wichtiger ist es ihm, als Redner und Autor mit Offenheit und Direktheit eine echte Entwicklung anzustoßen.

Artikelbild: Andriy Petrenko/ Fotolia.com

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Stefan Reutter ist Autor, Coach und Speaker rund um die Themen Krisen, persönliche Entwicklung und Motivation. Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Spitzensportler, dass persönliche Entwicklung meistens nicht geradlinig verläuft. In seinen Kolumnen auf Karriere-Einsichten berichtet er über weitere Insights…

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