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Das Leben ist eine Party, denkst du? Nun, dann wäre ein Job als Wohlfühlmanager bestimmt genau das Richtige für dich, Start-Ups haben den „Feelgood-Manager“ gehypt. Die Statistik sagt etwas anderes. Unser Faktencheck des Feelgood-Managements…

Vor wenigen Jahren wurden die ersten Stellen für Feelgood-Manager geschaffen. Nun ist es an der Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen: Konnte sich dieses Konzept dauerhaft durchsetzen oder war es nur ein kurzfristiger Hype, der durch us-amerikanische Digitalkonzerne à la Google ausgelöst wurde?

Auf der Metajobsuchmaschine Joblift wurden in den letzten zwölf Monaten nur 33 Stellen für Feelgood-Manager ausgeschrieben, unter ihnen lediglich ein Großkonzern! Noch stärker überraschte dabei das Aufgabenfeld der “Wohlfühlmanager”-Ausschreibungen.

„80 % der Stellen bei Startups, Agenturen und Tech-Firmen“

Insgesamt schrieben 33 Unternehmen Stellen für Feelgood-Manager aus. Unter diesen befanden sich 16 Startups, sechs Werbe- und Digital-Agenturen sowie vier Software- und Technologiehersteller. Nur ein Großunternehmen und eine mittelständische Firma befanden sich darunter. Liegt also der jungen Kreativ- und Digitalbranche das Wohlbefinden der Mitarbeiter mehr am Herzen als etablierten Unternehmen? Tatsächlich ist es gerade in schnell wachsenden Umgebungen eine Herausforderung, die Stimmung innerhalb des Teams zu erhalten.

Erstaunlich ist jedoch, dass die Unternehmen Feelgood-Management als dauerhafte Investition anzusehen scheinen, wie es in jungen Strukturen eher untypisch ist: 82 % der Ausschreibungen sind Festanstellungen mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Nur 18 % der Stellen richten sich an Praktikanten und Werkstudenten. Zusätzlich sind 93 % der Jobausschreibungen als Vollzeit-Positionen ausgeschrieben.

Jede zweite Aufgabe im „Office Management“

Man würde annehmen, dass Feelgood-Manager (siehe hier ein Interview mit der Karriereberaterin Svenja Hofert) vor allem für die Einhaltung vom positiven Betriebsklima und die Motivation der Kollegen zuständig sind. Jedoch sieht das Tätigkeitsspektrum in der Praxis anders aus als zunächst angenommen.

Die wichtigste Aufgabe ist das Organisieren von Veranstaltungen für die Mitarbeiter, 17 Mal wurde diese Tätigkeit in den Stellenausschreibungen für Wohlfühlmanager erwähnt. 13 Mal wurden Termin- und Reiseplanung, die Besetzung des Empfangs sowie Projekte zur Steigerung vom Wohlbefinden der Kollegen als Aufgaben eines Feelgood-Managers erwähnt. Ebenfalls wichtig: Das On- und Offboarding sowie die Beschaffung von Büromaterial – diese Tätigkeiten wurden zwölfmal genannt.

Fasst man alle 179 genannten Aufgaben zusammen, so kann man festhalten, dass
41 % der Aufgaben die allgemeine Büroorganisation und 33 % die allgemeine Verbesserung des Betriebsklimas zum Inhalt haben, während 15 % der Aufgaben sich ganz klar HR-Themen wie Personalrekrutierung zuordnen lassen.

Bessere/r Sekretär/in – und Putzhilfe

6 % der Tätigkeiten befassen sich mit Service- oder Reinigungsarbeiten. Fast die Hälfte aller in den untersuchten Stellenanzeigen aufgelisteten Tätigkeiten hat also Office Management oder gar Service und der Reinigung der Büroflächen zum Gegenstand (siehe hier ein Beitrag über den Alltag einer „Putzfrau“). Ist der Begriff des Feelgood-Managers also eine Beschönigung für vorrangig assistierende und administrative Tätigkeiten?

Ähnliches lässt sich beispielsweise im Bereich der Kundenbetreuung beobachten. 93 Stellenanzeigen kann man im vergangenen Jahr auf joblift.de identifizieren, in denen junge Unternehmen Customer Happiness Officers oder Agents suchen, die dann jedoch im klassischen Kundenservice und insbesondere Call Center arbeiten.

Feelgood-Management in Konzernen auf mehrere Rollen verteilt

Wohlfühlmanager übernehmen also nicht selten Aufgaben, die eher auf das Berufsprofil von Assistenten oder Office Managern zutreffen. Dies könnte auch erklären, warum Großunternehmen seltener nach Feelgood-Managern suchen: Dort verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Köpfe – sei es in Form von Assistenten, Empfangs- und Servicemitarbeitern sowie Mitarbeitern in der Personalentwicklung, internen Kommunikation und im Gesundheitsmanagement. Es ist also wahrscheinlich ein Trugschluss, dass Startups und Agenturen mehr in eine positive Unternehmenskultur investieren als Konzerne, dort wird diese Aufgabe nur anders gestaltet.

Anforderungsprofil unklar, Organisationstalent gefragteste Eigenschaft

Bezüglich des geforderten Ausbildungslevels wird am häufigsten (14 Mal) eine kaufmännische Ausbildung von den Feelgood-Managern erwartet, zwölfmal außerdem ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Eine Ausbildung in der Hotellerie oder der Gastronomie wird siebenmal vorausgesetzt. Der Grad der Berufserfahrung wird wenig präzisiert, am häufigsten werden mit sieben Erwähnungen “erste Erfahrungen” im Office Management gewünscht.

Was die weiteren Qualifikationen angeht, sind besonders Bewerber mit einem ausgeprägten Organisationstalent beliebt (21 Mal wird diese Charaktereigenschaft genannt), Kommunikationsgeschick und Kontaktfreudigkeit (je 15 Erwähnungen) sind außerdem gefragt. Zwölfmal ist zudem die Rede von einem sympathischen Wesen. Eine offene, freundliche Persönlichkeit mit Spaß am Koordinieren hat also beste Chancen auf den Job als Feelgood-Manager!

Artikelbild: Kotin/ Shutterstock

2 Kommentare

  1. Hallo, danke für die Beleuchtung des Titels und der Aufgaben eines Feelgood Managers. Ich persönlich mag den Titel überhaupt nicht, weil er nicht wieder spiegelt, was die dahinterliegende Aufgabe wirklich beinhaltet. Meines Erachtens sucht ein Unternehmen einen Feelgood Manager, wenn er noch nicht verstanden hat, worum es wirklich geht. Wer es ernst meint mit Unternehmenskultur und Mitarbeitergesundheit sucht nach meiner Erfahrung eher nach einem Betrieblichen Gesundheitsmanager mit dem entsprechenden Profil und Erfahrungsschatz dahinter. Es geht hier nicht um ein paar Äpfel, einen Wasserspender und ein paar Rückenübungen! Es geht um das Managen von krankheitsbedingten Fehlzeiten, Fluktuation, Fachkräftemangel und um den demografischen Wandel und wenn Unternehmen endlich aufhören, nur ein Pflaster auf eine klaffende Wunde kleben zu wollen, suchen sie auch nicht mehr nach einem Praktikanten, der ein bisschen Feelgood Management macht!

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